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    ÜCHTELHAUSEN

    Peter Vollert: Ein ganz normaler genialer Bildhauer

    Den Begriff „Künstler“ hört er nicht so gern, wenn es um seine Person geht. Die bodenständig handwerkliche Berufsbezeichnung Bildhauer ist ihm lieber. Aber freilich ist es Kunst, was Peter Vollert, Jahrgang 1940, in vielen Jahrzehnten vor allem auch für seine Heimatgemeinde Üchtelhausen geschaffen hat. Und auch weil er dabei als Mensch genauso bodenständig und echter Üchtelhäuser geblieben ist, hat man ihn nun zum Ehrenbürger der Großgemeinde ernannt.

    Stein, Terrakotta, Metalle und Holz sind seine bevorzugten Materialen. Brunnen, Tiere, sakrale Gegenstände, Türgriffe, Grabsteine, oder die Vorlagen für den Faschingsorden der örtlichen Narren– Peter Vollerts künstlerisches Portfolio ist umfangreich und doch trägt alles seine Handschrift. Ohne ihn gäbe es zum Beispiel keinen Heiligen Bruno in Niederwerrn, keinen Röthleiner Bären, kein Gäßbockbrünnla in Üchtelhausen und keine Schweine im Schweinfurter Zürch – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Von einer Figurengruppe an der Mariensäule, über die Ausgestaltung des Altarraumes in der Kirche, bis hin zum Gemeindewappen aus Eichenholz – die Zahl seiner Werke „die das Bild der Großgemeinde mitgeprägt haben“, wie Bürgermeisterin Birgit Göbhardt im Rahmen der Feierstunde in der Kirchbergschule betonte, lässt sich schon lange nicht mehr an den Fingern beider Hände abzählen.

    Üchtelhausen hat nun drei Ehrenbürger

    Aus der Mitte der Bürgerschaft, hier namentlich Heinrich Neugebauer, ebenfalls Üchtelhäuser Urgestein und Kenner der Ortsgeschichte und der Bildstöcke, kam der Antrag, den beliebten Mitbürger Peter Vollert, der auch in Üchtelhausen sein Atelier hat, zum Ehrenbürger zu ernennen. Der Antrag marschierte einstimmig durch den Gemeinderat, im Beisein von Landrat Florian Töpper, dem Ehrenvorsitzenden des Schweinfurter Kunstvereins Joachim Haas und zahlreicher weiterer Ehrengäste wurde er am Samstagnachmittag in die Tat umgesetzt. „Neun Lebende dürfen in einer Gemeinde Ehrenbürger sein“, so Göbhardt, Üchtelhausen hat drei.

    Historischen Bildstock aus dem Dornröschenschlaf erweckt

    Einer der anderen beiden, Monsignore Emil Heßdörfer, hatte noch vor der Feierstunde das jüngste Werk von Peter Vollert neu gesegnet. Kein eigenes Werk, aber ein trefflich restaurierter Bildstock, ein Marterla, wie man in der Region sagt, ist ein weiteres Geschenk von Peter Vollert an seinen Ort. Von 1774 stammt der Bildstock „Zur schmerzhaften Mutter“, der Zahn der hatte ihn so zernagt, das er 1990 eingelagert werden musste. Ursprünglich stand der Bildstock am Waldrand vom „Viereckigen Schlaigla“, jetzt hat er einen neuen Platz am Radweg „Im Grund“ gefunden. Wenn ihm immer noch der Zahn der Zeit irgendwie anzusehen ist, so liegt das nicht am Restaurator, sondern am Amt für Denkmalpflege, das vorschrieb, dass zum Beispiel die Pieta nicht wieder als Vollrelief hergestellt werden darf, sondern in ihrem letzten Zustand zu konservieren ist.

    Das Ehrenzeichen in Gold der Gemeinde hat er schon

    Zuerst habe Peter Vollert verhalten reagiert als man ihm antrug ihn zum Ehrenbürger zu ernennen, so Birgit Göbhardt. Schließlich hat er schon vor Jahren das Ehrenzeichen der Gemeinde Üchtelhausen in Gold erhalten. Auch diese Bescheidenheit passt zu ihm. Schon der frühere Leiter der Schweinfurter Kunsthalle, Erich Schneider, nannte Peter Vollert, der 1974 Gründungsmitglied der Gruppe Schweinfurter Künstler war, eine Institution im Schweinfurter Kunstleben, die aber jegliches Aufsehen um seine Arbeit oder um seine Person meide.

    Bei aller Bescheidenheit, das Werk ist beachtlich, seine beruflichen Stationen beeindrucken. Ab 1954 machte der 14-Jährige eine Steinbildhauerlehre in Freiburg, war gleichzeitig Schüler bei Bildhauer Rissler für Holz und Metall. Von 1959 bis 1971 war er bei Bildhauer Heinrich Söller in Schweinfurt, 1966 machte er den Meister. Seit 1974 gibt es jährliche Ausstellungen von ihm im Schweinfurter Rathaus, auch überregional hat er ausgestellt und künstlerische Beachtung gefunden. „Wir sind mächtig stolz, dich in unseren Reihen zu haben, du bist unser einzigartiger Üchtelhäuser Künstler“, so Birgit Göbhardt, die Vollert die Ehrenbürgerurkunde und den dazu passenden Ring überreichte. Auch Landrat Florian Töpper betonte die Ausstrahlung von Vollerts Werk, die weit über die Grenzen des Schweinfurter Oberlandes hinaus zu spüren sei.

    Und noch ein Titel: „Der gute Mensch von Üchtelhausen“

    Joachim Haas, Ehrenvorsitzender des Kunstvereins Schweinfurt, der bei Vollert gelernt hat, bezeichnete seinen ehemaligen Ausbilder nicht nur als Freund, sondern als „ganz normalen genialen Bildhauer“. In Anlehnung an Brechts Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ bezeichnete er Vollert als „Der gute Mensch von Üchtelhausen“. Ein weiterer Titel, den sich Peter Vollert nicht nur durch sein Werk, sondern vor allem auch durch seine soziale Art verdient hat.

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