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    GELDERSHEIM

    Piepsender Sheriffstern in der Grundschule

    Es dudelt und piepst, im Computerraum der Valentin Engelhardt-Grundschule: Der „Calliope mini“ macht seinen Namen alle Ehre. Benannt ist der sheriffsternförmige Kleinstcomputer, der für Unterrichtszwecke an einen PC angestöpselt werden kann, nach Kalliope, „schönstimmige“ Muse der Wissenschaft. Unter anderem, aber nicht nur, lassen sich mit seiner Hilfe Musikstücke komponieren oder Spiele steuern.

    Es geht darum, Kinder schon im Grundschulalter an die Welt der Platinen und Prozessoren heranzuführen. Claudia Datzer hat den Unterricht übernommen. „Programmieren ist so wichtig wie Lesen und Schreiben“, zitiert die Schulleiterin Staatsministerin Dorothee Bär, im Bundeskabinett zuständig für die Digitalisierung. Sinnigerweise stehen im EDV-Raum auch die Büchereiregale der Schule.

    Komponieren und Daumenkino erstellen

    Die Geldersheimer Programmierer dürfen sich als Pioniere in Bayern sehen: in einer der ersten Schulen des Freistaats, die Probeprogrammieren mit dem Calliope anbietet, zusätzlich zum Lehrplan. Möglich wurde das durch eine Spende der Sennfelder IT-Firma Vintin. Nun steht ein Klassensatz zur Verfügung, insgesamt 25 Stück, für Grundschüler ab der dritten Klasse. Sind die Calliopes per USB-Kabel an der Festplatte angesteckt, lässt sich mit ihnen komponieren, ein Daumenkino erstellen, eine Matheaufgabe berechnen oder eine kleine Tafel aus LED-Lichtern zum Aufleuchten oder Blinken bringen, in Rot, Grün und Blau, in den verschiedensten Helligkeits-Abstufungen und Farbfolgen.

    Auch ein Leuchte-Schriftband ist möglich. Die Microcomputer können sogar untereinander kommunizieren. Dazu kommen allerhand Spezial- und Erweiterungsoptionen, wie der mögliche Anschluss an Miniroboter, ebenso Sensoren, die Bewegungen oder Temperatur messen. Anders als beim Klischeebild, wo man bei „Programmieren“ noch an das Eintippen unverständlicher Codes durch entrückte Spezialisten denkt, wird beim Calliope spielerisch mit Maus und Bildschirm gearbeitet.

    Der Staat unterstützt das Projekt

    Frei wählbare Grafik-Blöcke lassen sich zu einer Abfolge aus Anweisungen für den Rechner kombinieren, je nach Wunsch des Benutzers: seien es die Noten eines eigenen Musikstücks oder die Feinheiten eines Computerspiels. Programmiersprache ist das aus dem Internet herunterladbare NEPO. Für den „Calliope“ gab es bereits Preise. Gefördert wird das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium, ebenso sind Unternehmen wie Google oder Microsoft als Partner beteiligt. Entwickelt wurde der Mini durch eine gemeinnützige GmbH, rund um die ehemalige Internetbeauftragte des Bundes, Gesche Joost.

    Dass PCs den Nachwuchs nur dick und faul werden lassen: Ministerin Bär hält das für einen Irrglauben, gemäß Zeitungsartikel auf dem Tisch. Ob man die Digitalisierung aller Lebensbereiche, in Kooperation mit der Wirtschaft, nun skeptisch oder als großen Aufbruch in die Technikwelt von morgen betrachtet: „Kinder sollten sich möglichst früh mit dem Thema beschäftigen, für das nötige Selbstbewusstsein im Umgang mit Computern“, findet Claudia Datzer. Die Geldersheimer Schüler und Schülerinnen sind jedenfalls mit Spaß und Kreativität bei der Sache.

    Bearbeitet von Uwe Eichler

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