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    Schweinfurt

    Plötzlich reich: Mit Millionenkoffer in der U-Bahn

    Peter Nottmeier und Simone Pfennig als Ehepaar Liebig in Ray Cooneys "Funny Money" Foto: Dennis Häntzschel

    Freunde der Komödie, der guten, leichtfüßigen Unterhaltung, was wollt ihr mehr? In Schweinfurt bot das Theater am Dom Köln in Zusammenarbeit mit der Komödie Winterhuder Fährhaus Hamburg mit Ray Cooneys "Funny Money" alles, was man von einem derartigen Gastspiel erwarten durfte.

    Der britische Erfolgsautor setzt nicht unbedingt auf das geschliffene Wort, die feingesetzte Pointe, sondern treibt als "Master of Farce", wie er auch genannt wird, ein Spiel, das durch einen kruden Plot, irrwitzige Wechsel und Sprünge, viel Tempo und Schauspieler, die dem Affen kräftig Zucker geben, das Publikum in seinen Bann zieht.

    Eine Verwechslung lässt die Geschichte Fahrt aufnehmen

    Heiner B. Liebig, der "kleine Graubär" hat durch eine Verwechslung in der U-Bahn den Aktenkoffer eines Unbekannten bekommen und darin 1,5 Millionen Euro entdeckt, die er nicht etwa zurückgeben will, er plant stattdessen eine Reise nach Mallorca ohne Wiederkehr. Schnell ist das Taxi zum Flughafen bestellt, doch da tauchen die Freunde Bettina und Victor auf, die Heiners Geburtstag mit einem toskanischen Hähnchen feiern wollen. Ein Kommissar stellt Fragen, ein Zweiter kommt hinzu, glaubt Heiners Leiche mit einem zweiten Aktenkoffer aus dem Rhein gefischt zu haben und da ist schließlich Mister Big, ein ziemlich düsterer Typ. Plötzlich sind sogar drei Koffer im Spiel, reichlich Möglichkeiten sie zu verwechseln…

    Schnelle Szenenwechsel

    Zu einer Komödie gehören ordentlich viele Türen, die einen schnellen Szenenwechsel erlauben. Tom Presting hat sie in eine bühnenfüllende braune Holzwand eingebaut, ein paar Sessel machen das spießige Wohnzimmer komplett. Hier überrascht Heiner seine trutschige Frau Johanna (Simone Pfennig) mit seinem Fund und Reiseplänen, versetzt sie in Panik, sie greift zur Flasche, mit dem Abhauen wird es nichts. Saskia Preiss zeigt eine Bettina, die ihren Vorteil zu nehmen weiß, Ralf Komorr ist ihr begriffsstutziger Ehemann, Thomas Gimpel ein prolliger Taxifahrer mit rheinischem Spracheinschlag, Stefan Preiss ein Kommissar Keller/Schimanski, der mit einer schönen Slapstick-Szene ein wenig von Colombo hat, Horst R. Haase ein Kommissar Tönnies von kalter Schlitzohrigkeit und schließlich darf Raimond Knoll als Mr. Big so richtig die Sau rauslassen. Im Zentrum steht jedoch Peter Nottmeier als - eigentlich - kreuzbraver Heiner Liebig. Klein von Gestalt, zerknautschtem Gesicht, irrem Minenspiel, der Underdog, der an der großen Welt schnuppert.

    Folke Braband hat dies alles in perfektem Timing in Szene gesetzt. Das Publikum hat sehr viel zum Lachen und gibt kräftig Applaus.

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