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    Schweinfurt

    Polizei setzt weiter auf Präsenz, Prävention und Kontrolle

    Das Wahljahr 2018 brachte der Schweinfurter Polizei zusätzliche Arbeit. Zahlreiche Wahlveranstaltungen mussten überwacht werden, wie hier am Marktplatz, wo das Bündnis "Schweinfurt ist bunt" gegen eine Kundgebung der AfD demonstrierte. Foto: Josef Lamber

    Deutlich weniger Gewaltverbrechen, Wohnungseinbrüche und Diebstähle, aber mehr Straßenkriminalität und Rauschgiftdelikte. Gleichzeitig aber mit über 70 Prozent die höchste Aufklärungsquote der Dienststelle in den letzten fünf Jahren. Auf diesen Nenner lässt sich die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion (PI) Schweinfurt für 2018 bringen. Die auf Präsenz, Prävention und Kontrolle basierende Sicherheitsstrategie der Schweinfurter Polizei geht also auf. Und sie soll beibehalten werden. Das kündigt Leitender Polizeidirektor Joachim Mittelstädt an. Denn: "Unser Ziel ist es, das Sicherheitsempfinden unserer Bürgerinnen und Bürger weiter positiv zu stärken." 

    Polizeichef Joachim Mittelstädt will das Sicherheitsempfinden der Bürger weiter positiv stärken.  Foto: Anand Anders

    Seit dem 1. Oktober 2018 ist Mittelstädt Chef der Polizeiinspektion Schweinfurt und damit verantwortlich für 230 Beamtinnen und Beamte sowie für die Sicherheit der rund 140 000 Einwohner in Stadt und Landkreis Schweinfurt. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter, Polizeirat Matthias Wehner, und Polizeihauptkommissarin Melanie Sauer stellte er am Donnerstag den Sicherheitsbericht für das Jahr 2018 und eine erste Bilanz seiner Arbeit vor. Und die fällt positiv aus: So ist die Kriminalitätsbelastung weiterhin auf einem stabilen Niveau, die Zahl der Straftaten sogar um 2,4 Prozent auf 8063 Fälle gesunken. Was vor allem aber mit dem Rückgang der sogenannten ausländerrechtlichen Verstöße zusammenhängt. Diesen Straftatbestand erfüllt in der Regel jeder Asylbewerber durch seine illegale Einreise. Weil die Zahl der neuankommenden Flüchtlinge in Schweinfurt zurückgegangen ist, wirkt sich das positiv auf die Statistik aus. Rechnet man diese Fallzahlen heraus, ergibt sich zwar mit 6811 Straftaten eine leichte Steigerung gegenüber 2017 (6744), im Fünf-Jahres-Vergleich liegt der aktuelle Straftatenbestand aber im Mittelfeld. 

    Beim genaueren Blick in die Statistik zeigt sich, dass vor allem in drei Deliktbereichen die Kriminalität abgenommen hat: bei den Rohheitsdelikten (-49 Fälle), das sind Körperverletzung oder Raub, bei den Diebstählen (-421 Fälle) und bei den Fälschungsdelikten (-165 Fälle). Ersteres wertet Polizeichef Mittelstädt als besonders erfreulich, weil "die Gefahr weiter sinkt, Opfer eines Gewaltdeliktes zu werden". 

    Thema Diebstahl: Hier trieb eine Serie 2017 im Stadtgebiet mit insgesamt 292 Fällen die Statistik nach oben, weshalb 2018 nun dieser extreme Rückgang zu verzeichnen ist. Doch auch im Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 2016 sind es weniger Straftaten geworden. Ein klares Zeichen für Polizeichef Mittelstädt, dass sich die Sicherheitslage verbessert hat. Gleiches gilt für die Wohnungseinbruchdiebstähle. Sie sind von 74 auf 40 Fälle zurückgegangen, dank "gezielter Aktionen" der Polizei in ganz Unterfranken. 

    Anstieg der Rauschgiftkriminalität

    Wo Licht ist, gibt es auch Schatten, nämlich den Anstieg der Rauschgiftkriminalität. 624 Verstöße hat die PI Schweinfurt 2018 registriert, das sind 108 Fälle mehr als 2017. Hier geht es zwar nicht um harte Drogen, sondern um Cannabis-Konsum, die Entwicklung ist für Polizeidirektor Mittelstädt trotzdem bedenklich. Die heutige Cannabis-Qualität sei nicht mehr mit der Haschisch-Zigarette von früher vergleichbar. Immer mehr junge Menschen bekämen in Folge des Cannabis-Konsums Psychosen und Depressionen. "Inzwischen gibt es annähernd gleich viel Fahrten unter Drogeneinfluss wie unter Alkohol", hat Polizeirat Wehner festgestellt. Eine Folge davon ist auch die Zunahme der Gewalt gegenüber den Polizeibeamten. 2018 wurden 44 Polizisten verletzt. Die PI Schweinfurt will deshalb weiterhin auf gezielte Kontrollen setzen, aber auch ihr Engagement in der Drogenprävention intensivieren. Schon seit Jahren wird in Kooperation mit dem Landratsamt und der Stadt Schweinfurt das Projekt Flashback an Schulen durchgeführt, das aufgrund seines Erfolgs nun unterfrankenweit ausgerollt werden soll.

    Obligatorisch: Beim Volksfest gibt es ständige Streifengänge der Polizei. Foto: Irene Spiegel

    Neben dem Alltagsgeschäft gab es 2018 für die PI Schweinfurt auch einige "besondere Einsatzlagen". Hierzu zählen der Sprengstofffund in einem Gebäude am Stadtrand und die Entsorgung eines hochexplosiven Pestizids aus einer Lagerhalle im Hafen sowie der berüchtigte "Lackkratzer", der im Stadtgebiet eine Reihe von Autos beschädigte. Daneben hatten die Polizeibeamten ihre obligatorischen Einsätze bei den Heimspielen des FC 05 oder beim Volksfest, überwachten im Wahljahr 2018 die Wahlveranstaltungen vor allem der AfD und fuhren ihre Streifen zum Ankerzentrum. Hier gab es 2018 zwar nur einen größeren Einsatz, die reguläre polizeiliche Tätigkeit in der Einrichtung bindet aber viele Kräfte. Elf bis zwölf Beamte seien immer rund ums Ankerzentrum im Einsatz. "Die fehlen natürlich an anderer Stelle", so Mittelstädt.

    "Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt."
    Joachim Mittelstädt, Leitender Polizeidirektor der PI Schweinfurt

    Die Kriminalitätsbekämpfung ist dabei nur ein Aufgabenbereich der Polizei. Ebenso bedeutend ist die Überwachung des Verkehrsgeschehens. Und hier tut sich mit den Fahrradfahrern ein zunehmendes Problemfeld auf. "Ein hoher Prozentsatz schert sich nicht um die Verkehrsregeln", hat Polizeirat Wehner festgestellt. Das führt zu Unfällen und meist zu Verletzten. Und mit den Elektorrädern kommt inzwischen ein weiteres Phänomen hinzu, das Tuning der Motoren. "Wir werden uns künftig verstärkt um die Sicherheit und Verkehrsmoral der Radler kümmern", kündigt Mittelstädt an. Ab 2020 will die PI Fahrradstreifen losschicken.

    Die Polizei will sich künftig verstärkt um die Sicherheit und Verkehrsmoral der Radfahrer kümmern. Foto: Irene Spiegel

    Insgesamt betrachtet zeigt die Verkehrsunfallstatistik aber keine nennenswerten Ausschläge. Im Landkreis stieg die Unfallzahl nach zwei rückläufigen Jahren leicht an, in der Stadt sank sie im dritten Jahr in Folge. Auch zwei getötete Verkehrsteilnehmer waren zu beklagen.

    Ein "Riesenproblem" bleibt für die Polizei – nicht nur in Schweinfurt, sondern bundesweit – die Unfallflucht. 898 solcher Fälle wurden bei der PI Schweinfurt angezeigt. Die Aufklärungsquote liegt hier weit unter dem Durchschnitt, weil es oft keine Zeugen gibt. Polizeidirektor Mittelstädt appelliert deshalb an das Verantwortungsbewusstsein aller Verkehrsteilnehmer: "Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt." 

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