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    SCHWEINFURT

    Prunksitzung der Antöner Narren

    „Mit 66 Jahren...“ sang Udo Jürgens, die Tönies singen „mit 44 Jahren“ und meinen damit den 44. Geburtstag der Antöner Narrenelf. Sie feierten Geburtstag und gleichzeitig ihren Abschied aus dem Pfarrsaal St. Anton. Dazu gaben die Aktiven richtig Gas, setzten mit einer Mischung aus politischem Kabarett und herrlichem Klamauk, gewürzt mit tollen Auftritten der Garden, einen etwas wehmütigen Schlusspunkt über die Antonzeit.

    Alles so lassen, wie es ist

    Am schönsten brachte es Sitzungspräsident Maurice Breitkopf als „Betrunkener“ rüber: „Die Kirche stellen sie unter Denkmalschutz, von außen. Die sollen doch den Saal unter Denkmalschutz stellen, von innen. Dann können wir alles so lassen, wie es ist.“

    Die Reden: Der kleine Mann Günter Siebenbürger nimmt bei seiner Betrachtung der politischen Landschaft kein Blatt vor den Mund, nennt auch angebliche Satire beim Namen (Jan Böhmermann), fühlt sich beim Umgang mit Erdogan in die 30er-Jahre zurückversetzt. Er erkennt ganz klar die Ursache für die wachsenden AfD-Zustimmung, nämlich das Lavieren der eingesessenen Parteien und schließt: „Die SPD hat Schulz an die Front geschickt, weil Gabriel sich wieder drückt.“

    19 Jahre in der Bütt

    Karin Dekant nimmt sich ihren frisch gebackenen Rentner Joferl zur Brust, der seitdem schon vom Aufstehen so geschafft ist, dass er gerade noch den Weg zur Couch schafft und vom Einkauf schwer beladen mit etlichen (vertilgten) Bieren am Nachmittag wieder heimkehrt. Schade, dass das Antöner Urgestein nach immerhin 19 Jahren in der Bütt Schluss macht und im kommenden Jahr im Publikum sitzen will.

    Hoffnungsvoller Nachwuchs

    Mit Jan Nenninger steht ein hoffnungsvoller Nachwuchs auf der Bühne, der 13-Jährige agiert frisch und frech in der Bütt, erzählt von der Klassenfahrt nach Berlin. Er selbst hat dafür gesorgt, dass das elektronische Equipment komplett verstaut ist, gibt aber zu, dass zum Glück die Mama für den Rest gesorgt hat. Er ärgert sich über den Referendar, der im Hotel die mitgebrachte Verpflegung – etliche Sixpack Bier – konfisziert. Derweil erklären die Kids dem Hotelmanagement, dass Bier in Bayern zu den Grundnahrungsmitteln zählt, weshalb zum Frühstück jeweils ein Weißbier mit Brezel serviert wird.

    Die Tönies kümmern sich um die unmöglichen Zustände auf Schweinfurts Straßen (gefühlt 1000 Baustellen), ob „der Glöckle“ vor Oberndorf statt Sand möglicherweise doch nach Gold baggert, und fragen sich, wann denn Jubiläum gefeiert werden kann. Sie geben auch gleich die Antwort: Jubiläum ist, wenn „ein Null von einer Null für eine Null geehrt wird.“

    Ein verkanntes Genie

    Elisabeth Vornberger kommt als Musikgenie, welches absolut nicht verstehen kann, dass ihr gigantisches Talent weder vom Professor der Musikakademie noch von Dieter Bohlen erkannt wird, obwohl sie ihren Geigenbogen statt mit Chloroformium mit Schweinefett einschmiert. Psychiater Thomas Blumenau diagnostiziert, dass fast alle Menschen einen Stich haben, erkennt auch im Saal etliche Klienten und hat als Mitarbeiter in der Praxis einen Büttenredner eingestellt.

    Paukenversler Peter Stößel kümmert sich in seinen Reimen hingebungsvoll um die diversen Fallen beim Küssen und erkennt sich als wirklich bescheidenen Mann, der nur wenig zum Glücklichsein braucht: Liebe, Bier und Fußball.

    Und ein Knaller zum Schluss

    Der Knaller zum Schluss, der Betrunkene Maurice Breitkopf. Man fragt sich wirklich, wie lange der Mann geübt hat, um als Nüchterner so authentisch den Volltrunkenen zu geben, der aber clever genug ist, sich (nach dem Einschenken eines Bieres ohne Schankerlaubnis) vom anwesenden Ordnungsreferenten der Stadt Schweinfurt diese direkt auf die Theke schreiben zu lassen.

    Von den Gefährdungen seines Berufs (Kindergärtner – die kleinen Verrecker machen mit dir, was sie wollen) über die tiefgründige Frage, was Logistik bedeutet bis zum Treffen mit den Kumpels in der Kneipe – der Saal tobt.

    Sehenswerte Garden

    Die Garden der Antöner – von den Tanzmäusen über die Schüler- und Juniorengarde bis zur Hauptgarde – überzeugen sowohl in den Marschtänzen als auch in den Showdarbietungen. Die UHU's, also die im Alter unwesentlich fortgeschrittenen Damen können sich nicht zwischen gesundem Gemüse und ungesunder Schokolade entscheiden, und das Männerballett wandelt sich während des Auftritts von in Windeln steckenden Babys zu charmanten Ladykillern.

    Und letztendlich: Auch wenn in St. Anton Schluss ist, die Antöner machen weiter und freuen sich auf guten Besuch 2018 im Saal von Peter und Paul.

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