• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Puppenspieltage: Bühne frei für Kasper & Co.

    Einer muss der "Böse" sein. Während Harald Sperlich sich den Teufel und seine Großmutter aufgeladen hat, trägt Johanna Sperlich den zeitlosen Helden, den Kasper, und die Prinzessin auf Händen. Foto: Helmut Glauch

    Dienstagmorgen kurz vor neun Uhr. Keine klassische Theaterzeit, dennoch herrscht gespannte Betriebsamkeit auf den Stühlen vor der Puppenbühne,  die wiederum auf der Bühne des Stadttheaters aufgebaut ist.  Die Ränge sind voll mit Grundschülern der Friedrich-Rückert-Schule Stadtlauringen, die gekommen sind, um bei der ersten Vorstellung der 28. Schweinfurter Puppenspieltage dabei zu sein.  Als wenig später das Licht ausgeht wird es plötzlich mucksmäuschenstill, jetzt würde man eine Stecknadel oder einen Bleistift auf den Boden fallen hören. Das wäre dann der, mit dem gerade diese Eindrücke mit dem damit verbundenen leicht schabenden Geräusch festgehalten werden.         

    Puppenspiel fasziniert auch im Internet-Zeitalter 

    Kinder können auch in Multimedia-Zeiten ganz ganz ruhig sein und sich auf die Fantasiewelt der Puppen einlassen. Das ist auch die Erfahrung von Harald Sperlich, der zusammen mit seiner Frau Johanna an diesem Dienstagmorgen das Eröffnungsstück "Der verzauberte Brunnen" zum Besten gibt. Seit 43  Jahren ist er als Puppenspieler unter dem Namen "Hohenloher Figurentheater" unterwegs. "Nicht nur in Deutschland, sondern überall dort, wo man auch Deutsch spricht", so Sperlich, der ein Leben in Hotels und aus dem Koffer gewohnt ist. Schweiz, Österreich, Luxemburg, manchmal auch Belgien werden bereist, bei den Schweinfurter Puppenspieltagen sind die Sperlichs sozusagen Stammgäste.    

    Lagebesprechung auf der Puppenbühne. Kasper und Seppel besprechen sich mit dem Dorfpolizisten, wie den bösen Teufelchen am besten beizukommen wäre. Foto: Helmut Glauch

    Die Lebendigkeit und die Authentizität, die den Puppen durch das Spiel verliehen werde sei es, die Kinder – und auch Erwachsene – immer  wieder neu für das Puppenspiel begeistere. Eine Einschätzung, die wohl auch Uwe Brockmüller teilen würde, wenn er noch am Leben wäre. Brockmöller, einem der Gründerväter der Schweinfurter Puppenspieltage, die seit 1973 stattfinden, wird auch das Zitat "Wenn du willst, lebt alles, auch eine Teekanne" zugeschrieben. Damit ist eigentlich alles gesagt, was Puppenspiel einst, jetzt und in Zukunft ausmacht.       

    Der Kasper ist ein zeitloser Held

    Auf der Puppenbühne überschlagen sich inzwischen die Ereignisse. Im verzauberten Brunnen, einer Adaption des Märchens "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" der Gebrüder Grimm, muss zwar nicht die Welt, aber die kranke Prinzessin gerettet werden.  Dafür hat man die Traditionsfiguren Kasper und Seppel ins Boot geholt, die zwar von den Gebrüdern Grimm so nicht vorgesehen sind, die aber Spaß und Spannung in das Stück bringen.

    Zwei Teufelchen haben einen Brunnen vergiftet und die Prinzessin krank gemacht. Helfen können nur – man kennt es aus dem Märchen – des Teufels drei goldene Haare. Dazu muss der Kasper gar in die Hölle reisen und des Teufels Großmutter  auf seine Seite bringen, was ihm mit List und einer gewissen Schlitzohrigkeit auch gelingt. Der Kasper ist eben ein zeitloser Held, ein "Teufelskerl", wie selbst Oma Teufel anerkennend feststellt.   

    Hinter den Kulissen. Alle Puppen liegen bereit für den nächsten Auftritt, während Johanna Sperlich das "stinkende Krokodil", das es schließlich auch nicht einfach hat, auf den Arm nimmt. Foto: Helmut Glauch

    Nicht nur das Spiel macht die Faszination aus. Auch Licht und Ton müssen stimmen. Blitz und Donner, ein wenig Feuerwerk und etwas Hall beim Ausflug in die Unterwelt gehören ebenfalls dazu. Die herrlichen Kostüme hat Johanna Sperlich selbst genäht, die detailreichen Puppen aus Ebenholz hat Figurenschnitzer Jürgen Maaßen geschaffen.   

    Ein Tänzchen mit der Prinzessin

    Ein paar Zaubersprüche später ist die "Stinkbombe", ein verzaubertes Krokodil, aus dem Brunnen vergrault und die Prinzessin dank "Goldene Haare Pulver" wieder wohlauf. Ganz damenhaft belohnt sie den Kasper mit einem Tänzchen. Die Kinderaugen glänzen, haben sie doch  – ganz analog, aber doch auch irgendwie interaktiv – dem  Kasper und dem Seppel durch ihre Zurufe so manches Mal aus der Patsche geholfen und dürfen sich als Teil des Happy Ends fühlen. Schweinchen Wilbur, Urmel & Co, Lotta oder die Berliner Stadtmusikanten, denen in den nächsten Tagen die Puppenbühne gehört, werden wohl auch dieses Kunststück auf ihre Art und Weise zustande bringen.    

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!