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    Schweinfurt

    Puppenspieltage: Die Berliner Stadtmusikanten begeistern

    Das Theater Zitadelle Berlin-Spandau faszinierte das Publikum. In zwei Jahren wird es eine Änderung bei den Puppenspieltagen geben.
    Die Berliner Stadtmusikanten vom Theater Zitadelle Berlin-Spandau.
    Die Berliner Stadtmusikanten vom Theater Zitadelle Berlin-Spandau. Foto: Klaus Zinnecker

    Die besondere Magie und Spannung des Puppenspiels entlädt sich auch nach der letzten Aufführung der 28. Schweinfurter Puppenspieltage: Riesenbeifall des faszinierten Publikums mit Händen und Füßen (das kommt auf den Bodenbrettern der Studiobühne besonders gut), Begeisterungsrufe. Dann strömt das Publikum nach vorn, um Frau Katz, Frau Kuh und die Herren Wolf und Spatz genau in Augenschein zu nehmen.

    Und um den Berliner Puppenspielern Regina und Daniel Wagner, Mutter und Sohn, Fragen zu ihrer Arbeit zu stellen. Die Beiden haben gerade das Märchen der "Berliner Stadtmusikanten" gespielt, ihren "Akteuren" Stimme, Bewegung und Seele gegeben. "Wir arbeiten mit Material und machen es lebendig", sagt es eher prosaisch Vater Ralf Wagner, der im Verborgenen für Licht und Ton sorgt.

    Die Wagners haben das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten mit Berliner Schnauze und Tempo etwas umgedeutet, ohne dessen Botschaft zu beschädigen: "Etwas Besseres als den Tod findest du überall". So begegnen uns im so genannten offenen Spiel Regina Wagner als Schwester Gisela und Daniel Wagner als Pfleger im "Altersheim zum Sonnenschein". Sie sind ein räuberisches Duo Infernale, das seine Schützlinge mit harter Hand regiert, sie um ihre Ersparnisse und Wertsachen bringt. Auch der Neuzugang Herr Spatz bekommt bei der Aufnahme einen beklemmenden Eindruck von dieser Einrichtung.

    Frau Katz berichtet von ihrem Diabetes – "kein Zuckerschlecken"

    Dann aber widmen sich die Wagners liebevoll und mit umwerfendem Humor der Vorstellung ihrer Puppen, provozieren mit ihren oft Nonsens-Texten einen Lacher nach dem anderen. Frau Katz berichtet von ihrem Diabetes – "kein Zuckerschlecken". Frau Kuh beeindruckt beim morgendlichen Blutdruckmessen mit dröhnenden Extrasystolen. Auch ihr Cholesterinspiegel zeigt zu hohe Werte: "Milchprodukte weglassen", ordnet Schwester Gisela an. Herr Wolf wärmt sich mit einem Schafspelz, trägt eine Augenklappe und ist ein eher stiller, vom Leben gezeichneter Veteran.

    Irgendwann reicht es den Vieren und sie beschließen abzuhauen und es im nahen Berlin als Straßenmusikanten zu versuchen. Dazu wird als erster Schritt eine Probe angesetzt, in der jeder seine diesbezüglichen Fähigkeiten beweisen soll. Und da wundern sich die Zuschauer: Frau Katz und Herr Wolf überraschen mit Peter Gabriels Song "Wedding Rings", Frau Kuh tanzt auf Spitze aus "Schwanensee", singt im Abgang aus der "Zauberflöte". Doch dann hat sie noch ein besonderes Schmankerl parat: Cläre Waldoffs Couplet und Absage an die Schönheitschirurgie: "Ich lass kein'n Doktor ran an meine Brust wegen Emil seine unanständ'ge Lust". Das Publikum tobt vor Lachen.  

    Die Ausreißer sind im Kreis gelaufen

    Was kann jetzt noch passieren? Unsere Ausreißer kommen nicht nach Berlin, sie sind im Kreis gelaufen und landen wieder vor dem Altenheim. Hier beobachten sie, wie der Pfleger und die Schwester ihre gestohlenen Wertsachen versteigern, um es sich dann gut gehen zu lassen. Doch die Vier klettern  aufeinander, schauen wie ein Ungeheuer durchs Fenster und treiben das erschreckte Heimpersonal in die Flucht. Endlich hat das Quartett seine Heimat gefunden.

    Theaterleiter Christian Kreppel nennt bei der Begrüßung des Publikums die Puppenspieltage des Theaters ein wunderbares kleines Festival. Es sei vor fast 50 Jahren von Dr. Günther Fuhrmann und Uwe Brockmüller installiert worden und habe sich auch zu seinem liebgewordenen und erfolgreichen Steckenpferd entwickelt: Bei diesen 28. Puppenspieltagen hätten sechs Compagnien in 13 ausverkauften Vorstellungen 2050 junge und alte Zuschauer begeistert. "Deshalb gibt es in zwei Jahren zwei Vorstellungen mehr", verspricht Kreppel.

     

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