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    Wipfeld

    Rathaus Wipfeld: Von der Milchsammelstelle zum Multikulti-Haus

    Hier waren Fachleute am (Fach-)Werk: Historisches Rathaus und Schwesternhaus erstrahlen am Wipfelder Marktplatz wieder in neuem Glanz. Foto: Uwe Eichler

    "Wer will fleißige Handwerker sehen? Ei, der muss nach Wipfeld gehen" sangen die Kindergarten-Kinder, bei der Einweihung ihres ehemaligen Domizils am Marktplatz. Das wurde innerhalb eines Jahres aufwendig saniert, zusammen mit dem historischen Rathaus und Schwesternhaus. Kein Wölkchen trübte den Himmel, als die "Renaissance" des Gebäudes (das im Kern aus dem Jahr 1566 stammt) gefeiert wurde.

    Angesichts des Hitzesonntags gingen die Getränke aufs (Rat-)Haus. Bürgermeister Tobias Blesch hatte viel Prominenz versammelt, die über den roten Teppich in den Verwaltungssitz flanierte. Neben Weinprinzessin, Zehntgraf und Nachbarbürgermeistern zählten die Landtagsabgeordneten Gerhard Eck und Paul Knoblach, Landrat Florian Töpper oder Bezirksrat Stefan Funk zu den Ehrengästen. "Die Banken sind hervorragend vertreten", stellte Blesch fest: "auch wenn wir bei dieser Maßnahme keine Kreditaufnahmen nötig hatten."

    300 000 Euro Zuschuss

    Es werde sicherlich auch wieder anders kommen. Etwas über 300 000 Euro staatlichen Zuschuss steuerte das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) bei, die gleiche Summe musste die Gemeinde stemmen. Dem Bürgermeister ist bewusst, dass das Einrüsten des Gebäudes (aus dem Jahr 1727) im Jubiläumsjahr 2018 auch Kritik hervorgerufen hat. Die 1100-Jahrfeier sei gerade Ansporn gewesen, ein Zukunftsprojekt anzugehen, mit Einbau einer Pelletsheizung, Dämmung, moderner Lüftung oder neuer Dacheindeckung: "Es war höchste Zeit zu handeln." Nach der Sanierung der Fähre (mit 50 000 Euro aus der Kreis-Schatulle) heißt es am Main nun: "Auf zu neuen Ufern".  Der stolze Rathaus-Chef verwies auf den Besuch der Kreisdelegation Mitte September, für den Vorentscheid beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

    Das Ende der Rathaussanierung in Wipfeld wurde auch musikalisch gefeiert. Foto: Uwe Eichler

    Architekt Benedikt Gerber stellte fest, dass man nach der energetischen Sanierung eine enorme  Effizienzsteigerung habe. Manch morsches Holz musste weichen. Dennoch seien die Fachleute behutsam mit dem historischen Erbe umgegangen: "Seit 1566 steht hier ein Rathaus und es wird ein Stück Demokratie gelebt." "Es sind Steuergelder tüchtiger Bürger" - daran erinnerte Innenstaatssekretär Gerhard Eck, der zurück in die Zeit als Feuerwehrhaus, Milchsammelstelle, Standort der Gemeinschafts-Gefrieranlage oder Bocksbeutelbar blickte. Man habe ein "Multikultihaus". Er werde alles tun, so Eck, um Wipfeld beim Dorfwettbewerb zu unterstützen, im wunderschönen Franken.

    Landrat Florian Töpper nannte die Sanierung ein "starkes Zeichen für den ländlichen Raum." Mit der Zeit gehen, ohne dem Zeitgeist zu verfallen, darauf komme es an. Im kleinen Wipfeld herrsche der richtige Geist. Das schließe Gedenken an die gegenläufige Zeit des "Dritten Reichs" mit ein, sagte Töpper. Tobias Blesch hatte im Zusammenhang mit den erhaltenen NS-Amtsräumen von einem Denk- und Mahnmal gesprochen, in der "Zeitkapsel Rathaus". Lob für ein "fröhliches, eindrucksvolles und authentisches" Auftreten der Wipfelder steuerte Paul Knoblach bei. Der Garstadter Ökolandwirt und Landtagsabgeordnete der Grünen erinnerte in seiner Rede auch an Eulogius Schneider, Kosmopolit und Sozialrevolutionär aus Wipfeld (der 1794 der "Terrorherrschaft" in Paris zum Opfer gefallen ist).

    Roter Teppich ausgerollt: Bürgermeister Tobias Blesch führte den Rundgang der Ehrengäste an. Foto: Uwe Eichler

    Für den festlichen musikalischen Rahmen sorgte der Musikverein und "Liederkranz Wipfeld". Pfarrer Volker Benkert übernahm die Weihe des erneuerten Ortsmittelpunkts. Mit Jamaica-Imbiss und Getränken wurde gefeiert, bei karibischen Temperaturen. Auf einem Rundgang durften sich die Wipfelder dann ihr Rathaus ansehen: einschließlich historischer Bilder, des Bautagebuchs oder des bekannten alten Ratstischs im Obergeschoss.

    Bei Kriegsende 1945 hat dort ein  GI Einschusslöcher hinterlassen, erbost ob des verordneten Nazi-Kitschs, den es auch in Wipfeld gab. Das moderne Rathaus ist nun, bei allem Geschichtsbewusstein, fit für die Zukunft.Wer sich mehr informieren will: Es gibt eine Broschüre. 

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