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    GELDERSHEIM

    Raus aus dem Todeswinkel

    „Das wünscht sich kein Kraftfahrer der Welt. Beim Abbiegen, zum Beispiel an einer Ampel, übersieht er ein Kind auf dem Fahrrad, es kommt zu einem schlimmen Unfall“. Melanie Ott, Verkehrsmoderatorin beim ADAC, bringt damit den Alptraum, nicht nur von Bus- und Lkw-Fahrern, auf den Punkt. Und doch passiert es immer wieder. Schuld ist der sogenannte tote Winkel, wegen seiner Gefährlichkeit auch Todeswinkel genannt.

    Ein Bereich also, in dem ein Kraftfahrer – egal ob Auto oder Schwerlastverkehr – trotz clever ausgedachter Spiegelsysteme einfach nichts sieht. Melanie Ott war an die Grundschule nach Geldersheim gekommen um den beiden vierten Klassen die Tücken des toten Winkels zu zeigen und – noch viel wichtiger – dass man ihm entkommen kann, wenn man sich richtig verhält, gut positioniert und den Blickkontakt zum Fahrer sucht.

    „Einen toten Winkel gibt es beim Führen eines jeden Fahrzeug, sogar ein Fußgänger hat einen toten Winkel“. Melanie Ott zeigte mit Fingern auf Augenhöhe, dass auch ein Spaziergänger ab einem bestimmten Punkt nichts mehr sieht, die Augen im Hinterkopf sind eben noch nicht erfunden. Während ein Fußgänger vielleicht mal wo dagegen stößt, wenn er seine Augen nicht überall hat, kann es richtig schlimm werden, wenn im Verkehrsalltag die Stärksten und die Schwächsten im toten Winkel aneinandergeraten. „Das Aufeinandertreffen von Lkw oder Bus und einem Fußgänger oder Radfahrer gehört zu den gefährlichsten Situationen im Straßenverkehr“, so Melanie Ott. Ein Radfahrer zwischen Lkw und Bürgersteig kann vom Lkw-Fahrer nicht gesehen werden. Da nützt es auch oft nichts, wenn das Rad vorschriftsmäßig auf Geh- oder Radweg unterwegs ist.

    Blickkontakt kann lebenswichtig sein

    Mit Verkehrshütchen ausgestattet und dem Geldersheimer Feuerwehrauto als Modell, machten sich die Kinder daran die mutmaßlichen toten Winkel abzustecken. Faustformel dabei: Immer wenn ich den Fahrer von meinem Standpunkt aus nicht im Spiegel seines Fahrzeuges sehe, sieht er mich auch nicht! Deshalb gilt es Blickkontakt zu schaffen an der Ampel oder sonstwo. So wird klar „der Kraftfahrer hat mich gesehen“. Stellvertretende Schulleiterin Martina Bauer mimte an diesem Vormittag die Lkw-Fahrein. Schnell war klar – es gibt nicht nur einen toten Winkel, sondern reichlich davon. Am besten man hält sich, zum Beispiel an der Ampel, nicht seitlich vom Fahrzeug, wenn es so hoch ist, dass man den Fahrgastraum nicht einsehen kann. Am rechten hinteren Eck des Fahrzeugs (nie dahinter) ist es am sichersten. Da ist erstens kein toter Winkel und zweitens kann das Fahrzeug rechts abbiegen, ohne dass der Radler- oder Mopedfahrer „im Weg“ wäre.

    Unsichtbar im toten Winkel

    Mittels einer dreieckigen Plane deckten die Schüler gemeinsam mit Melanie Ott den Todeswinkel ab. Ein Todeswinkel, der so groß ist, dass locker darin eine ganze Schulklasse „untertauchen“ kann. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, aber ein waches Auge und Vorsicht im Verkehr sind nicht zu ersetzen. An der Valentin-Enkelhard Volksschule in Geldersheim war die Teilnahme an dem ADAC-Angebot eine Premiere. In ganz Nordbayern haben im vergangenen Jahr 255 Klassen mit mehr als 5000 Schülern an der Aktion teilgenommen.

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