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    SCHONUNGEN

    Realschule: Landrat sieht keine Gesundheitsgefahr

    Unbeschwertes Lernen: Die Räume im Gebäude der neuen Realschule in Schonungen sind mit Formaldehyd und PCB belastet. Sie... Foto: Uwe Eichler

    Mit der Raumluft im Realschulgebäude in Schonungen gibt es Probleme: Formaldehyd und PCB sind darin nachweisbar (wir berichteten). Allerdings sieht die Landkreisverwaltung die Gesundheit von Schülern und Lehrern nicht in Gefahr, weswegen die betroffenen Bauteile nicht entfernt werden. Zumindest noch nicht. Deswegen vernahm Landrat Florian Töpper (SPD) im Bildungsausschuss des Landkreises, der sich mit den geplanten Investitionen in die Schulgebäude auseinandersetzte, auch kritische Stimmen.

    Das Formaldehyd, so der Leiter des Hauptamtes, Dieter Popp, stammte aus Schränken, die auch als Raumteiler und Zwischenwände dienen. Luftmessungen haben demnach Werte zwischen 50 und 89 Mikrogramm pro Kubikmeter ergeben. Die derzeit geltenden Richtwerte für eine krebserregende Gefahr liege bei 120 Mikrogramm. Höhere Belastungen seien bei einem Physikraum aufgetreten. Nach dem Einbau von Entlüftungsventilatoren lägen auch diese Werte nun „deutlich darunter“. „Ein Austausch der Schränke ist daher bis auf Weiteres nicht notwendig“, schreibt Popp in der Vorlage für den Ausschuss.

    Außerdem gebe es ein umfangreiches Lüftungs- und Reinigungskonzept für das Gebäude. So würden vor Schulbeginn die Fenster für eine halbe Stunde geöffnet. Für 2014 ist der Austausch der Nadelfilzböden zugunsten von Linoleum geplant, um die Böden gründlicher reinigen zu können. Popp räumte ein, dass es sich zwar um ein „echtes Problem“ handle. Allerdings ohne sofortigen Handlungsbedarf. Denn auch der Leiter des Gesundheitsamtes habe dafür plädiert, dass man die Situation derzeit so belassen könne.

    „Ich bin damit nicht zufrieden“, sagte Siegfried Ständecke (Freie Wähler): „Wir haben es hier mit Kindern zu tun.“ Richtwerte würden sich üblicherweise an gesunde Erwachsene ausrichten. Zudem gebe es Alternativen, um ohne großen Aufwand die Luftbelastung noch weiter zu reduzieren. So könne man die seitlichen Kanten der Pressspanplatten, aus denen normalerweise das Gros der Emissionen austrete, mit Silikon abdichten. „Es geht um ein paar hundert Euro.“ Ob dies in Schonungen gemacht worden ist, vermochte Popp nicht zu sagen. Er versprach, diese Variante prüfen zu lassen. Auch Ruth von Truchseß (SPD) zweifelte die Tauglichkeit von Richtwerten an.

    Ein Austausch koste einen Betrag im „mittleren sechsstelligen Bereich“, sagte Popp. Er sei bei einer Generalsanierung des Gebäudes geplant. Sie allerdings sei erst nach der Sanierung des Goppel-Berufsschulzentrums in Schweinfurt angedacht: also erst nach 2020. Auch die Schulleitung befürworte einen sofortigen Ausbau des Materials, sagte Landrat Töpper. Dies sei nachvollziehbar. Aber auch er könne keine Gefährdung erkennen. Töpper verwies auf den Dialog mit der Schule: „Wir sind mit ihr nicht auf Kollisionskurs.“

    Weitere Messung im Januar

    Bleibt noch die PCB-Problematik: Die giftigen Polychlorierten Biphenyle stammen aus belasteten Fugen. Zwar habe die Gemeinde Schonungen, die dem Landkreis das Schulhaus für 210 000 Euro verkauft hat, vor zehn Jahren eine Sanierung durchgeführt: „Sie hat aber keine Früchte getragen“, sagte Popp. Im Juli seien Werte zwischen 225 und 2600 Nanogramm PCB je Kubikmetzer Luft gemessen worden. Der Richtwert liege bei 300 Nanogramm; bei 3000 Nanogramm sei unmittelbares Einschreiten nötig. Da im Sommer die Konzentrationen höher lägen als im Winter, soll im Januar eine weitere Messung erfolgen, um ein für die Richtwerte notwendiges Jahresmittel errechnen zu können. Diese Werte seien im Übrigen an einem ununterbrochenen Aufenthalt in belasteten Räumen ausgerichtet, was bei einer Schule nicht der Fall sei. Auch die PCB-Fugen sollen laut Popp während einer Generalsanierung ausgebaut werden.

    Unabhängig der Sanierungsfrage investiert der Landkreis weiter in den Aufbau der neuen Realschule, in der ab 2014 erstmals eine neunte Klasse unterrichtet wird. Man habe nicht alle Wünsche der Schulleitung berücksichtigen könne, so Kreiskämmerer Wolfgang Schraut. Für Lehrmittel, Ausstattung und Gebäudeunterhalt gibt der Kreis im nächsten Jahr etwa eine halbe Million Euro aus. Schwerpunkt ist der Umbau von sechs naturwissenschaftlichen Lehrräumen.

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