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    Schweinfurt

    Riesengaudi von der Reeperbahn imSchweinfurter Theater

    Die 70er-Jahre-Schlager-Revue, die das Schmidt-Theater Hamburg in Schweinfurt auf die Bühne brachte, sorgte vor allem für eines: tolle Stimmung vor ausverkauftem Haus.
    Karamba: Direkt aus Hamburg kommt die 70er-Jahre-Schlager-Revue, die im Schweinfurter Theater für ein ausverkauftes Haus sorgte. Ein Gastspiel des Schmidt-Theater Hamburg.
    Karamba: Direkt aus Hamburg kommt die 70er-Jahre-Schlager-Revue, die im Schweinfurter Theater für ein ausverkauftes Haus sorgte. Ein Gastspiel des Schmidt-Theater Hamburg. Foto: Oliver Fantitsch

    Einen kurzweiligen Nachmittags-Ausflug ins Schlaraffenland erlebte das Publikum im ausverkauften Theater. Nur ging es diesmal nicht um kulinarische Köstlichkeiten wie im Märchen, sondern um ein musikalisches üppiges Superangebot: Das Schmidt-Theater von der Hamburger Reeperbahn servierte zum großen Vergnügen der Senioren mit Charme und Ironie die 70er-Jahre-Schlagerrevue "Karamba" (Regie Hausherr Corny Littmann). Mitsingen, mitklatschen, glückliche Gesichter.

    Die 70er Jahre: US-Präsident Richard Nixon musste wegen der Watergate-Affaire zurücktreten, Bundeskanzler Willy Brandt tat dies freiwillig nach der Enttarnung des Spions Günter Guillaume. Die Ölkrise bescherte autofreie Sonntage, Bundespräsident Walter Scheel empfahl dafür die Pferdekutsche und schmetterte "Hoch auf dem gelben Wagen", Hippies und Anti-Atomkraftbewegung formierten sich, Hot Pants, Schlaghosen und Miniröcke sorgten für mehr Beinfreiheit.

    Im Mittelpunkt der sechsköpfigen Darsteller-Riege steht Musical-Darsteller Benjamin Eberling, der neben seinen hohen Comedy-Qualitäten auch durch seine Körpergröße und Körperfülle auffällt. Ihm haben die Autoren Martin Lingnau und Mirko Bort die meisten der Klamauk-Gags auf den Leib geschrieben. Ja, es ist ohne Zweifel auf langen Strecken deftiger Klamauk, gerade richtig zur Faschingszeit.

    Im Fokus stehen ohnehin die etwa 50 Schlager jener Jahre, die allerdings stark verkürzt und meist in Medleys zusammengefasst sind. Dazwischen immer wieder Werbung. Neckermann machts möglich: "Einmal um die ganze Welt" oder "Über den Wolken". Hauptsache Richtung Süden: "Es war der letzte Sirtaki", "Akropolis adieu", "Weiße Rosen aus Athen", "Viva Espagna", "Spanische Gitarren", "Paloma blanca", "Fiesta Mexicana", "Tanze Samba mit mir".

    Eine fröhliche Schlagersause

    Kurze Spielszenen verdeutlichen ebenfalls den Geist jener Jahre: Für eine Dalli-Dalli-Sendung holt Benjamin Eberling als Hans Rosenthal Renate und Helmut aus dem Publikum, krönt die Fragerunde mit seinem Sprung "Das war Spitze" und Schnellzeichner Oskar verewigt die beiden Schweinfurter auf einem 15-Sekunden-Portrait. Als Stargast ist Mireille Mathieu gekommen, die mit ihren Songs begeistert: "Ganz Paris ist ein Theater", "Es geht mir gut" und "Hinter den Kulissen von Paris".

    Eben haben sich die drei Damen noch auf einer Hausfrauenparty über Schweißflecken, weich gespülte Wäsche, Schnittmuster von Aenne Burda und das tolle Verwöhnaroma von Jacobs unterhalten, da kommt der Briefträger. Ungeniert ziehen sie ihm seine Hose herunter, begutachten durch liebevolles Streicheln die Qualität seines Slips: "Aha, Peru-Baumwolle". Der Peter Maffay-Schlager "Es war Sommer" wird in umwerfende Bilder einer jungen Liebe umgesetzt. Während ein schmaler Jüngling singt: "Von Liebe wusste ich nicht viel", zeigt es ihm sein pralles Mädchen (natürlich Benjamin Eberling) überdeutlich. Lachsalven ohne Ende.

    Mit "Ein bisschen Spaß muss sein", "Wer hat an der Uhr gedreht", "Er gehört zu mir", "Ein Festival der Liebe", "Moskau, Moskau" und "Biene Maja" klingt die fröhliche Schlagersause aus. Applausstürme und stehende Ovationen danken dem auch tänzerisch und stimmlich großartigen Ensemble aus Hamburg.

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