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    Schweinfurt

    Rollen die Schweinfurter schon elektrisch?

    E-Scooter: Die kleinen, motorbetriebenen Roller sind derzeit ziemlich angesagt - auch in Schweinfurt? Unser Autor hat sich auf die Suche gemacht. Foto: Sven Hoppe/dpa

    Es hat Spaß gemacht. Weil der E-Scooter bei "Schauer der Radmarkt" keine Straßenzulassung hat, beschränkte sich die Testfahrt auf die Gänge des Ladens an der Rudolf-Diesel-Straße. Nachgefragt seien die Elektro-Roller zwar oft, doch das größte Fahrradgeschäft in der Region will erst einmal abwarten und sieht den Trend durchaus skeptisch. Marktleiter Ulrich Fenn geht davon aus, dass Deutschland von Billigangeboten überschwemmt wird. Diese will er nicht im Laden haben. Mit möglichen Lieferanten hoher Qualitäten ist er im Gespräch. Verarbeitung und Vertrieb werde man genauso checken wie den Ersatzteilemarkt, so Fenn.   

    Die meisten E-Scooter in ganz Schweinfurt hat die Redaktion bei velotech gefunden, ein Unternehmen, das die Sicherheit prüft. Foto: Gerd Landgraf

    Die Fahrt der E-Scooter auf den (erlaubten) Radwegen und den Gehwegen (nicht erlaubt) will sich das Fachgeschäft "in Ruhe anschauen" – auch die mögliche Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer, vor allem der Fußgänger. Ob die Mode eine Massenproduktion nach sich ziehe, das müsse sich erst noch erweisen. Laufen werde wohl das Geschäft mit den billigen Rollern, vor allem im Internethandel und bei den Discountern. Allerdings habe praktisch alles, was jetzt für weniger als 1500 Euro zu haben sei, keine Straßenzulassungen und dürfe nur auf privatem Grund eingesetzt werden, so der Marktleiter.

    Licht, Bremsen und Versicherung 

    Mit den zugelassenen Rollern (vor allem Metz Mover und BMW X2 City, ab 2000 Euro) darf seit dem 15. Juni durch die Stadt geflitzt werden. Allerdings muss das Gefährt eine Lenk-oder Haltestange haben. Hoverboards dürfen also nicht auf den Radweg. Auch muss der Nutzer mindestens 14 Jahre alt sein. Die Höchstgeschwindigkeit der Roller ist auf 20 Stundenkilometer festgelegt. Der Fahrer braucht keinen Führerschein, das Gefährt jedoch eine Versicherung (samt Kennzeichen). Zu benutzen sind die Radwege. Wo diese fehlen, ist die Fahrt auf der Straße angesagt: bei mehrspurigen Straßen stets ganz rechts und nicht nebeneinander. Eine Helmpflicht gibt es wie beim Fahrrad nicht. Vorgeschrieben sind die Beleuchtung (hinten und vorne) und zwei unabhängige Bremsen für das Vorder- und das Hinterrad.

    Wer ohne Betriebserlaubnis unterwegs ist, muss zahlen: ab 20 Euro. Doch weil es sich dabei nicht um eine Ordnungswidrigkeit handelt, drohen auch 70 Euro Strafe plus ein Punkt in Flensburg, sowie die Beschlagnahmung des nicht zugelassenen Gefährts und ein Verfahren wegen des fehlenden Versicherungsschutzes.

    Bislang nur im Online-Handel

    Bei Media-Markt in der Friedrich-Rätzer-Straße stehen drei E-Scooter gleich am Eingang. Weil diese mit bis zu 25 Stundenkilometern unterwegs sind, haben sie keine Betriebserlaubnis, sind also nur auf privatem Gelände zu nutzen. Das Modell für 379 Euro hat eine einfache Reifenbremse, den etwas kostspieligeren Roller bremst man, indem man die Hebel am Lenker betätigt. Fest installiert sind Vorder- und Rücklicht. Ab September wird Media-Markt nach eigenen Angaben auch Roller mit Straßenzulassung (Reichweite über 20 Kilometer) in der Filiale im Hafen haben (479 bis 600 Euro). Bislang bietet die Kette diese nur in ihrem Online-Handel.  

    Seit 25 Jahren testet die Firma velotech die Sicherheit von Fahrrädern und ähnlichen Produkten. In der Gustav-Heusinger-Straße 21 wurden bislang 20 E-Roller geprüft. Die Hälfte bestand nicht. Geschäftsführer Marco Brust sieht die Chance der Roller im Einsatz "für die letzte Meile", also als Alternative bei den Kurzstrecken. In anderen europäischen Ländern sei dies längst erkannt und umgesetzt. Das Autoland Deutschland hinke hinterher – auch bei der Infrastruktur für die Mikromobilität, so Brust. 

    "Das Autoland Deutschland hinkt hinterher"
    Marco Brust, Firma velotech

    Stefan Seifert (Fahrrad Seifert, Bergrheinfeld) wird im kommenden Jahr E-Scooter in den Laden stellen. Auf den jetzt beginnenden Fachmessen will er sich noch informieren. Julius Kneitz vom Radladen "Fahrstil" in der Schweinfurter Friedhofstraße wird die E-Roller nicht ins Sortiment nehmen. "Dafür geben die Leute kein großes Geld aus. Das Geschäft mit der Billigware machen das Internet, die Baumärklte und die Discounter", meint Kneitz.  

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