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    Rübenbauern hadern mit neuen Vorschriften

    Herbizide in der Landwirtschaft
    Die Zuvkerrübenbauern fürchten, durch geänderte Vorschriften in Zukunft wieder öfter gegen Unkraut spritzen zu müssen. Fotos: JULIAN STRATENSCHULTE Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

    Schlechte Erträge, schlechte Preise und dann auch noch strengere Umweltauflagen – der Zuckerrübenanbau ist zurzeit kein Zuckerschlecken. Im ersten Jahr nach dem Verbot von Neonicotinoiden in Pflanzenschutzmitteln blieb der befürchtete Schaden zwar aus. Aber das könnte dazu führen, dass in den nächsten Jahren umso mehr gespritzt werden muss.

    Neonicotinoide, kurz Neonics, sind hochwirksame Pestizide gegen Insekten. Allerdings setzen sie nicht nur Läusen und Milben zu, sondern auch Bienen und anderen Nützlingen. Die EU hat den Wirkstoff deshalb auf den Index gesetzt, sehr zum Ärger der Rübenanbauer.

    Das Rübensaatgut war nämlich bisher von einer Masse umhüllt, in der auch Neonicotinoide als Beizmittel enthalten waren. Sie haben dafür gesorgt, dass die Keimlinge vor Fraßinsekten verschont bleiben, solange die Pflanzen noch klein sind und sich nicht aus eigener Kraft gegen die Schädlinge zur Wehr setzen können. Das Mittel ist nur in den ersten Wochen nach der Aussaat wirksam.

    Keine Biene an der Rübe

    Nachdem Zuckerrüben als zweijährige Pflanzen innerhalb einer Vegetationsperiode nicht zur Blüte kommen, und ohnehin nicht durch Insekten bestäubt werden, sei die Gefahr für Bienen zu vernachlässigen, sagt Agraringenieur Ernst Merz von der Rübenabteilung der Ochsenfurter Zuckerfabrik. Zudem ermögliche die Saatgutbehandlung einen minimalen Wirkstoffeinsatz.

    In den meisten EU-Ländern waren Neonicotinoide deshalb per Ausnahmeverordnung für ein weiteres Jahr erlaubt worden – in Deutschland nicht. Stefan Streng, Vorsitzender des Verbands fränkischer Zuckerrübenbauern (VFZ), spricht von ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Trotzdem hatten sich die süddeutschen Anbauverbände vergeblich mit einer Resolution an die Politik in München, Berlin und Brüssel gewandt.

    Virus in Läusen

    Vor allem soll der Wirkstoff gegen eine bestimmte Läuseart helfen. Die Läuse selbst richten zwar kaum Schaden an, sagt Rübeninspektor Merz, verbreiten aber einen Virus, der den Bestand gefährden kann. Umso genauer habe man in diesem Jahr den Schädlingsbefall in den Rübenäckern beobachtet. Der sei zwar signifikant höher gewesen als in den Vorjahren, der gefürchtete Virus in den Läusen sei aber zum Glück nicht nachgewiesen worden.

    Für Ernst Merz ist das kein Grund zu Entwarnung. Es sei davon auszugehen, dass sich der Schädlingsdruck in den Folgejahren verstärkt. Und dann müssten die Landwirte eben doch wieder wie früher zur Spritze greifen.

    „Die Aufwandmengen bei Flächenspritzungen sind 20- bis 30-mal höher als bei der Saatgutbehandlung“, sagt Merz. Zudem müsse zu einer Zeit gespritzt werden, wenn andernorts Pflanzen schon in voller Blüte stehen und viele Insekten unterwegs sind. „Der Natur ist damit nicht geholfen.“

    Längst arbeiten die Saatzuchtanstalten an dem Thema und haben inzwischen virusresistente Stämme gefunden, sagt VFZ-Geschäftsführer Klaus Ziegler. Bis die jedoch zur Marktreife kommen, werden voraussichtlich noch ein paar Jahre vergehen. Und noch einmal so lange werde es dauern, bis die resistenten Sorten so weit optimiert sind, dass sie auch beim Ertrag mit dem heute gängigen Saatgut mithalten können.

    Mechanische Unkrautbekämpfung

    Weil im Jahr 2021 weitere Wirkstoffe gegen Blattkrankheiten und Unkräuter vom Markt genommen werden sollen, stellen sich die Anbauer inzwischen bereits auf eine stärkere mechanische Unkrautbekämpfung ein. Bevor sich die Rübenblätter über den Reihen schließen, muss der Acker dann mehrmals mit der Hackmaschine befahren werden, um den Aufwuchs anderer Pflanzen zu verhindern.

    Bei der „Beet Europe“, der größten Maschinen-Schau für den Zuckerrübenanbau in Europa, die im kommenden Jahr in Seligenstadt bei Prosselsheim stattfindet, sind die neuen Bearbeitungsmethoden deshalb das zentrale Thema, so Klaus Ziegler. Trotzdem ärgert sich der promovierte Agrarwissenschaftler über die bevorstehenden Neuregelungen. „Was unsere Bauern nervt, ist, dass diese Verschärfungen politisch und nicht fachlich begründet sind“, sagt Ziegler.

    Beispiel: Die neue Düngeverordnung, deren Entwurf demnächst im Bundestag beraten werden soll. Um den Nitrateintrag ins Grundwasser zu verhindern, sieht man neben einer Mengenobergrenze auch eine zeitliche Beschränkung der Stickstoffdünger auf die Hauptfrucht vor.

    Inzwischen ist aber der Anbau einer Zwischenfrucht nach der Haupternte gängige Praxis. Die Zwischenfrüchte binden die noch im Boden enthaltenen Nährstoffe und stellen sie nach ihrem Absterben im Winter der Folgekultur zur Verfügung.

    Dadurch wird nicht nur Nitrat in den oberen Bodenschichten festgehalten. Die zusätzliche Biomasse trägt auch zu Humusbildung bei, bei der große Mengen CO2 gebunden werden, und fördert damit die Fruchtbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit des Oberbodens.

    „Wir würden gerne weiterhin Zwischenfrüchte anbauen, wenn die aber nicht mehr angedüngt werden dürfen, wird es schwierig“, sagt Klaus Ziegler.

    Rüben binden Stickstoff

    Dabei bringt gerade die Zuckerrübe viele Vorteile für den Grundwasserschutz mit sich. Die langen Pfahlwurzeln der Pflanze reichen mehrere Meter ins Erdreich und entziehen dem Boden bis in eine Tiefe von zwei Metern rund 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Anbaujahr. „Die Rübe lässt am wenigsten ungebundenen Stickstoff im Boden zurück und wirkt deshalb sogar bodensanierend“, sagt Ziegler.

    Ein gesunder Bestand: Mit ihren Pfahlwurzeln sind Zuckerrüben in der Lage, dem Boden bis in zwei Meter Tiefe Stickstoff zu entziehen. Foto: Gerhard Meißner
    Die ersten geernteten Zuckerrüben der diesjährigen Kampagne liegen schon abholbereit auf den Feldern. Foto: Gerhard Meißner

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