• aktualisiert:

    Oberlauringen

    Rückert-Krimi: Warum bei Wilkes Leichen nicht im Zentrum stehen

    Johannes Wilkes las im Friedrich Rückert Poetikum aus seinem Krimi "Der Fall Rückert". Foto: Martina Müller

    Johannes Wilkes setzt die Brille auf. Sein Blick streift über die Ränder derselben hinweg auf das Publikum, die Stimme rutscht in den Keller: Krimizeit. Gruselige Stimmung will sich bei der Krimilesung des Wahlfranken im Friedrich Rückert Poetikum dennoch nicht einstellen. Dafür wird einfach zu viel gelacht, wofür es auch jeden Grund gibt.

    Den ersten Grund zum Lachen hatte schon Klaus Derleder, 15 Besucher hatte er Wilkes angekündigt, dann aber fasste die Leselonge die rund 50 Gäste kaum. Das freute nicht nur den in die Rolle des Johann Adam Rückert geschlüpften Vertreter des Friedrich Rückert Arbeitskreises.

    Als Vater des Dichters stellte er den Autor des Buches "Der Fall Rückert" vor. Johannes Wilkes, wurde in Dortmund geboren, studierte in München Medizin und arbeitet in Erlangen als Arzt und Psychotherapeut. Neben Sachbüchern schreibt er Romane und Krimis, allein in diesem Jahr habe er bereits drei Bücher veröffentlicht, erzählt Derleder und betont: "Es ist erst September."

    Drei über alle fränkischen Bezirke verteilte Leichen präsentiert der Krimiautor seinem staunenden Publikum. Sie spielen bei der Lesung allerdings nur eine Nebenrolle. Wilkes ist ein Allrounder. Als Historiker tritt er den Beweis an, dass keiner freiwillig nah Erlangen geht, die Hugenotten nicht, die aus Frankreich flohen, die Studenten nicht, die aus Bayreuth vertrieben wurden und auch Rückert nicht, der dort auf finanziellen Gründen eine Dozentenstelle annahm.

    Tief in die Seele der Franken geschaut

    Als Soziologe und Kriminalist weiß er, dass Frauen die brutaleren Mordphantasien haben, "das ist wissenschaftlich erweisen", und er kennt deren potentielle bevorzugte Mordopfer, den Ehemann, gefolgt vom Chef. Als Psychologe schaut er tief in die Seele des Franken, der weder Vergangenheit noch Zukunft kennt, sondern ganz und gar in der Gegenwart lebt – zumindest sprachlich. In dieser Geisteshaltung des Buddhismus findet der echte Franke auch sein Nirwana, wo er nach fortgeschrittenen Stunden in der Wirtschaft "nicht weiß woher er kommt und wohin er will".

    Neben all den humorvollen Beitragen erfährt der Zuhörer wie Kommissar Mütze, der seinem Lebensgefährten Karl-Dieter aus dem rauen Dortmund ins scheinbar friedliche Franken gefolgt ist, seine kriminalistischen Fälle angeht. Er kann immer wieder einen liebevoll spöttelnden Blick auf die eigene Heimat, das Frankenland und seine Bewohner werfen, und last but noch least, lernt er auch noch Friedrich Rückert kennen. Einen, der sein Arbeitszimmer solange nicht betrat, bis die jungen Schwalben flügge waren, deren Schwalbenmutter darin ihr Nest gebaut hatte. Rückert lernt er auch als einen kennen, dem Konventionen nicht wichtig waren und der auf dem Grab seiner Tochter Küchenkräuter pflanzte, weil diese Köchin werden wollte.

    Ein herzerfrischender Abend im Rahmen der Unterfränkischen Kulturwochen, für die sich Bürgermeister Friedl Heckenlauer bei seinem Parteikollegen, Bezirksrat Stefan Funk bedankte. Er habe die Bewerbung Stadtlauringens um die Kulturwochen unterstützt und die Bevölkerung würdige die 72 Veranstaltungen, davon allein zwölf vom Friedrich Rückert Arbeitskreis, durch ihren regen Besuch.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!