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    Gerolzhofen

    Rückgrat einer Verkehrswende wäre die Bahn

    Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann setzt sich für eine Stärkung und den Ausbau der Bahn ein. Foto: Martin Schweiger

    Eine Verkehrswende ohne eine Bahninfrastruktur hält Manuela Rottmann, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Hammelburg, für nicht möglich. Auf der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen am 19. und 20. Oktober in Lindau wird sie deshalb einen Antrag stellen, durch die Reaktivierung und den Ausbau von Bahnstrecken die Bahn zurück in die Fläche zu holen.

    Bayern liege beim Ausbau der Bahn im Vergleich zu Bundesländern wie Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen weit zurück, sagt Rottmann. Hier wurden in den letzten Jahren nur wenige Bahnstrecken ausgebaut und fast keine brachliegenden Strecken reaktiviert. Die Verkehrswende bedeute mehr, als Verbrennungsmotoren durch andere Antriebe zu ersetzen. Das Verkehrsangebot der Zukunft müsse eine Antwort auf die zahlenmäßige Zunahme hochbetagter Menschen geben, für gleichwertige Lebensverhältnisse für Kinder, Jugendliche, Pendler in der Stadt und auf dem Land sorgen, für alle bezahlbar sein und mehr Verkehrssicherheit mit weniger Treibhausgasemissionen verbinden.

    Die Bahn als Rückgrat

    Das Auto werde auf dem Land auch in Zukunft eine Rolle spielen. Neue Mobilitätsangebote wie Leihsysteme für Auto, Rad, Mitfahrangebote und Rufsysteme müssten laut Rottmann ausgebaut werden. Aber das Rückgrat einer Verkehrswende werde die Bahn sein. Nur ein Ausbau der Bahn in der Fläche könne den öffentlichen Nahverkehr insgesamt so beschleunigen, dass er zur attraktiven Alternative zum Auto wird. Die Reaktivierung und der Ausbau vorhandener Bahnstrecken ist gegenüber jeder Neuplanung deutlich schneller zu realisieren.

    "Jede frühere Bahnstrecke in Bayern, die noch nicht entwidmet oder noch nicht wieder bebaut ist, birgt grundsätzlich eine Chance für eine schnelle Verbesserung des Verkehrsangebots in der Fläche, ebenso die Elektrifizierung und die Kapazitätserweiterung vorhandener Strecken. Bahnstrecken weiterhin zu entwidmen und die Grundstücke zu verkaufen wie in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts zerschlägt für viele Jahre diese Chance auf eine moderne Mobilität, und damit Zukunftschancen des ländlichen Raums", schreibt die Bundestagsabgeordnete in ihrem Antrag.

    Hessen ist erfolgreich

    Während die Kriterien der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) in erster Linie aus der Auslastung der konkreten Strecke bis zum Endpunkt – und zweitrangig aus dem Anschlusspotenzial – bestehen, lege das Land Hessen seiner Einschätzung eine Kriterienmatrix zu Grunde, die die Effekte einer neuen Zubringerstrecke für die Auslastung vorhandener Strecken deutlich stärker berücksichtigt. Hessen sei damit erfolgreich. Sämtliche Reaktivierungen der vergangenen Jahre hätten die Erwartungen übertroffen, die Nachfrage sei überall größer gewesen als im Voraus angenommen.

    Hessen und Baden-Württemberg finanzieren anders als in Bayern nicht nur die Planung von Reaktivierungen, sondern beteiligen sich auch an den erforderlichen baulichen Investitionen, an der Verbesserung der Attraktivität der Bahnhöfe und an der Entwicklung von Angeboten vom Bahnhof nach Hause, sei es über den Bus oder über andere Formen der Mobilität.

    Gleichwertige Lebensverhältnisse

    "Wir brauchen jetzt eine schnelle und sorgfältige Prüfung von Reaktivierungsmöglichkeiten als Startpunkt für die Verkehrswende. Zur Stärkung der Mobilität im ländlichen Raum bedarf es nach einer erfolgreichen Reaktivierung zudem ergänzender Angebote für die letzte Meile, wie Car-oder Bikesharing-Angebote, Rufsysteme und eine systematische Vernetzung mit dem Busverkehr und eine Ausweitung der Kapazitäten bei der Fahrradmitnahme", schlägt Rottmann vor. Eigenständige Mobilität unabhängig von der individuellen Lebenssituation und den finanziellen Möglichkeiten, von Haustür zu Haustür, gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Land zu schaffen, würde auch die Ballungsräume von weiterem Zuzug entlasten.

    Wer heute in den Nahverkehrszug steige, komme viel schneller viel weiter als vor wenigen Jahren. Neue Antriebstechnologien wie Wasserstoffzüge ermöglichten klimafreundlichen Verkehr auf Nebenstrecken auch ohne Elektrifizierung. Schließlich sei ein Bahnanschluss immer ein Standortvorteil, der dabei helfe, dass das flache Land im Wettbewerb um Arbeitskräfte und Innovation nicht abgehängt wird.

    Keine Bahnlinien verscherbeln

    Auch im Kontext mit der drohenden Klimakatastrophe sei es fahrlässig, die noch vorhandenen Bahnlinien in Bayern zu vernachlässigen oder zu verscherbeln. Hier bleibe die Bayerische Staatsregierung aber passiv. Während der Straßenbau allein Sache der Steuerzahler und der staatlichen Bauverwaltung sei, fühle sich die Koalition aus CSU und Freien Wählern bei der Eisenbahn nicht zuständig. Das sei ein Schlag ins Gesicht der Menschen auf dem Land, die einen Verfassungsanspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse auch im Bereich der Mobilität haben.

    Hier einige Forderungen, die aus Rottmanns Antrag hervorgehen: Zunächst sollen noch vorhandene Nahverkehrsstrecken, auch bereits entwidmete und noch nicht überbaute, auf ihr Fahrgastpotenzial, auf einen wirtschaftlichen Betrieb, auf ihre Auswirkung auf die regionale wirtschaftliche Entwicklung, auf ihre Potenzial zur Reduzierung von Treibhausgas von unabhängigen, vom Land finanzierten Gutachten geprüft werden. Die Entwidmung weiterer Bahnstrecken soll bis zur Vorlage dieser Gutachten zurückgestellt, der Verkauf weiterer Strecken gestoppt werden.

    Schließlich sollen die Landkreise besser mit Nahverkehrsmitteln ausgestattet werden, um zügig ein klimaschonendes und bezahlbares, verknüpftes Angebot zwischen Schiene, Bus und  anderen Mobilitätsangeboten zu entwickeln.

    Wenn der Antrag Manuela Rottmanns, der natürlich auch ganz stark auf eine Reaktivierung der Steigerwaldbahn zugeschnitten ist, am Wochenende von der Landesdelegiertenkonferenz angenommen wird, werden die Grünen in Bayern das Thema Bahn intensiv weiter beackern.

    Bearbeitet von Norbert Finster

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