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    Gerolzhofen

    SPD ohne eigenen Bürgermeister-Kandidaten

    Die Gerolzhöfer SPD hat ihre Kandidaten für die Stadtratswahl 2020 aufgestellt. Die Liste ist noch nicht komplett gefüllt. Foto: Symbolbild Michael Kappeler

    Bei der Nominierungsversammlung im vollbesetzten Nebenzimmer des Gasthauses Ach hat der SPD-Ortsverein Gerolzhofen seine Kandidatenliste für die Kommunalwahl im März nächsten Jahres aufgestellt. Bis jetzt hat die SPD erst 17 Männer und Frauen gefunden, die für den Stadtrat kandidieren wollen. Maximal möglich sind 20 Kandidaten.

    Vorsitzender Lukas Bräuer teilte der Versammlung mit, dass die SPD keinen Bürgermeisterkandidaten stellen wird. "Die SPD hat durchaus mit mehreren Kandidaten geliebäugelt und intensive Gespräche geführt, allerdings konnte final kein geeigneter Bewerber überzeugt werden", heißt es in einer Pressemitteilung des Ortsvereins. Die Frage der Unterstützung eines anderen Kandidaten stelle sich aus Sicht des SPD-Vorstandes derzeit nicht, denn es ist derzeit nur ein Bewerber im Rennen. Bei der vergangenen Bürgermeisterwahl im Jahr 2012 hatte Erich Servatius noch für die SPD kandidiert.

    Versammlungsleiter Lukas Bräuer sagte, die Kandidaten für den Stadtrat kämen aus allen Bevölkerungsschichten, Altersgruppen, Tätigkeitsfeldern und Berufen. "Dies ist uns einmal mehr gelungen", sagte Bräuer stolz. Außerdem freute er sich, dass mittlerweile nicht nur die SPD ihre Listen abwechselnd weiblich und männlich besetzt, sondern endlich auch andere Parteien diesem Beispiel folgen, welches die SPD seit Jahrzehnten vorlebe.

    In Blockwahl wurde die Kandidatenliste einstimmig angenommen. Der Wahlvorschlag der SPD für die Stadtratswahl lautet wie folgt: 1. Erich Servatius, 2. Susanne Wilfling, 3. Benedikt Bitter-Schwalenstöcker, 4. Susanne Bayer, 5. Detlev Thurn, 6. Gisela Schwab, 7. Dominik Ott, 8. Anne Hauck, 9. Grazio Nardelli, 10. Claudia Benz, 11. Norman Schulz, 12. Sandra Müller, 13. Andre Woznica, 14. Ramona Wenzlick, 15. Tobias Pieczyk, 16. Klaus Schwab, 17. Ernst Steinwand. 

    Die bisherigen SPD-Stadträte Burkhard Tebbe und Dieter Köstler aus der vierköpfigen SPD-Fraktion kandidieren also nicht mehr. Von der rechtlich möglichen Doppelnennung von Kandidaten, um die Liste aufzufüllen, sieht die SPD allerdings noch ab, weil möglicherweise noch weitere Kandidaten gefunden werden. Letztmöglicher Termin für das Einreichen der kompletten Wahlvorschläge ist laut Mitteilung der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen der 23. Januar 2020.

    Einkommensteuer ist wichtig

    2. Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender Erich Servatius skizierte anschließend das Wahlprogramm und die Ziele der SPD für Gerolzhofen für die nächsten sechs Jahre. Servatius beleuchtete dabei laut Pressemitteilung die städtischen Einnahmen genauer. Während die Gewerbesteuer schwankt und manchmal durch Rückerstattungen gute Jahre doch nachträglich zu mittelmäßigen herabgestuft werden müssen, sei der Anteil aus der Einkommensteuer mittlerweile die größte und verlässlichste Position im städtischen Haushalt.

    In den vergangenen Jahren hätten Nachbargemeinden deutlich vom Einwohnerzuzug profitiert, während das Gewerbe hauptsächlich in Gerolzhofen ansässig ist. Zwar habe die Stadt einen Einpendler-Überschuss an Beschäftigten, aber gerade das zeige, dass viele Bürgerinnen und Bürger in den Umlandgemeinden wohnen. Somit komme die sichere Einnahme aus der Einkommensteuer den Umlandgemeinden und nicht der Stadt Gerolzhofen zugute, obwohl doch die Stadt diejenige sei, die die Infrastruktur vorhält und finanziert, damit das Leben in der Region Gerolzhofen so lebenswert ist.

    Die Devise für die Zukunft müsse daher lauten, dass die Stadt selber für ausreichend Bauland sorgt, aber auch die Innenentwicklung nicht vernachlässigt und Revitalisierungen im Altbestand vorantreibt. "Und mit Bauland sind nicht nur Flächen für Einfamilienhäuser gemeint, sondern es muss auch im größeren Stil Möglichkeiten geben, größere Wohneinheiten zu bauen, denn nicht jeder möchte selbst bauen", so Servatius. "Viele Bürger suchen auch nach einer Dreizimmer-Wohnung zur Miete ohne Garten. Gerade diese Bauform ist in den letzten Jahren viel zu stark vernachlässigt worden. Hierzu müssen dringend Lösungen gesucht werden."

    Wohnhäuser statt Stadthalle?

    Servatius brachte in diesem Zusammenhang das Areal der Stadthalle als künftiges Bauland in die Diskussion. "Warum wird nicht auch mal offen über die Stadthalle diskutiert?" Diese sei seit 2011 "politisch matt gesetzt "und auch in den nächsten sechs Jahren werde sich hier nichts tun. Zudem werde das Fehlen der Halle höchstens ein- bis zweimal pro Jahr bemerkt. "Reicht dies für eine weitere Vorhaltung dieser Brache?"  Die Fläche würde sich sehr gut für Wohnbebauung mit größeren Einheiten anbieten und ein oder zwei Wohnhäuser mit zwölf bis 16 Einheiten könnten für den Grundstückseigentümer auch für die nächsten 99 Jahre eine Lösung sein.

    Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Altbürgermeister Hartmut Bräuer, stellte im weiteren Tagesordnungspunkt Landrat Florian Töpper und die SPD-Kandidaten aus der Region Main-Steigerwald auf der Kreistagsliste vor. Nach der kurzen Themenvorstellung für die Kreistagswahl stellte Lukas Bräuer dann noch die kommenden Termine für das erste Quartal 2020 vor. Besonders hervorzuheben sei hierbei die öffentliche Veranstaltung des Neujahrsempfangs am 17. Januar 2020 bei einer Original Schweinfurter Schlachtschüssel, zu der neben Landrat Florian Töpper auch der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Volkmar Halbleib, ein Impulsreferat zugesagt hat. Anmeldungen sind ab sofort bei Lukas Bräuer möglich.

    Bearbeitet von Klaus Vogt

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