• aktualisiert:

    Werneck

    Saniertes Rathaus ist ein Symbol für die moderne Gemeinde

    Johann Wolfgang von Goethe höchstpersönlich (rechts), dargestellt von Hans Driesel, führte durch das Einweihungsprogramm für das Rathaus Werneck. Dabei waren (vorne von links) MdL Paul Knoblach, Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, Landrat Florian Töpper, zweiter Bürgermeister Stephan Schäflein, dritte Bürgermeisterin Roswitha Ziegler, Altbürgermeister Paul Heuler und Architekt Benedikt Gerber. Foto: Silvia Eidel

    Leibhaftig war Johann Wolfgang von Goethe ein zweites Mal nach 1815 nach Werneck gekommen: Um die Übergabe des sanierten und umgebauten Rathauses mitzugestalten. Der Dichterfürst geleitete galant die 200 Gäste durch das kurzweilige Eröffnungsprogramm, bei dem sich alle Beteiligten einig waren: Das Bauwerk ist gelungen.

    Goethe, der einst auf dem Weg von Heidelberg nach Weimar in Werneck Station gemacht hatte, fand besonders lobende Worte: "Vergessen ist der Mörteldreck, hier steht ein zweites Schloss Werneck", dichtete sein Alter Ego, Wernecks Literat Hans Driesel im Kostüm des Dichters. Tatsächlich hat sich das Rathaus von 1983 in ein optisch ansprechendes, zeitgemäßes Verwaltungszentrum verwandelt.

    Transparenz und Offenheit

    "Ein Kind seiner Zeit" sei der Bau früher gewesen, sagte die "Schultheißin", Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, die im neuen Sitzungssaal, erweitert um das geöffnete Fraktionszimmer, die Gäste begrüßte. Heute drücke Architektur zeitgemäße Werte aus: Transparenz, Offenheit, Funktionalität und Übersichtlichkeit. Die Planer hätten dies für fast fünf Millionen Euro bestens umgesetzt.

    Eine Tafel am neu entstandenen Parkplatz neben dem Rathaus, dem "Strassers-Hof", erzählt die Geschichte des abgerissenen Anwesens. Der 100-jährigen Vorbesitzerin Lenchen Merk erklären Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, ihre Stellvertreter Stephan Schäflein und Roswitha Ziegler sowie Altbürgermeister Paul Heuler die Inschrift. Foto: Silvia Eidel

    Am Standort habe es vor 400 Jahren eine öffentliche Badstube gegeben, später eine Schule und schließlich die Gemeindeverwaltung, blickte Baumgartl zurück. Der Rathausbau nach der Gebietsreform 1972/1978 war allerdings bautechnisch, energetisch und konzeptionell nicht mehr zeitgemäß gewesen.

    847 Tage Bauzeit

    Nach 847 Tagen Bauzeit wolle sie Dank sagen, so die Bürgermeisterin: den Mitarbeitern, die bei laufendem Betrieb arbeiten mussten, den Bürgern, die angesichts mehrerer Umzüge im Haus öfters den richtigen Eingang suchten, den geduldigen Nachbarn, den tüchtigen Handwerkern und Planern.

    "Das Rathaus ist Symbol dafür, dass sich Werneck den Herausforderungen der Zeit stellt", sagte Baumgartl und dankte ihrem Gemeinderat. Er habe stets verantwortungsbewusst entschieden.

    Bei der Eröffnung des sanierten Rathauses und der Schenkung der Skulptur "Erdenmutter" waren dabei: (von links) Pfarrer Vincent Moolan, Landrat Florian Töpper, Pfarrerin Hermine Wieker, Brigitta Walter, Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl und ihre Stellvertreter Roswitha Ziegler und Stephan Schäflein. Foto: Silvia Eidel

    Respekt für den Mut dazu zollte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck. Zum einen wäre ein Neubau mindestens doppelt so teuer gekommen. Zum anderen schone man mit dem Umbau Ressourcen, respektiere die Baukultur und das vorhandene Material. Dazu werde eine Energieeinsparung von über 60 Prozent erzielt. Der Freistaat fördere die energetische Sanierung mit 1,1 Millionen Euro und darüber hinaus "die wichtigste, die kommunalpolitische Ebene" durch den kommunalen Finanzausgleich.

    Die symbolische Freigabe des sanierten Wernecker Rathauses wurde mittels Durchschneiden eines Bandes vollzogen: (von links) Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, Architekt Benedikt Gerber und Landrat Florian Töpper. Foto: Silvia Eidel

    Die Saxophonmusik des Quartetts SAX4You unter Leitung von Roland Berthold und Driesels Goethe leiteten über zum "Landesfürsten": Landrat Florian Töpper widersprach insofern dem Dichter, als man solche Geheimräte, wie er einer war, heute nicht mehr brauche. Transparenz und Leistungsfähigkeit dürften die Bürger heute vielmehr erwarten. "Wir dürfen nicht vergessen, für wen wir in der Verwaltung arbeiten".

    Töpper: Dem Land geht es gut

    Angesichts der Anwesenheit der 100-jährigen Vorbesitzerin des Nachbaranwesens, Lenchen Merk, erinnerte Töpper daran, wie gut es dem Land heute gehe. Im Gegensatz zu früher habe man Demokratie, kommunale Selbstverwaltung oder auch das Frauenwahlrecht errungen.

    Die Skulptur "Erdenmutter" des verstorbenen Vasbühler Künstlers Julian Walter übergab seine Witwe Brigitta (am Rednerpult) an die Gemeinde Werneck, links vertreten durch Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl. Foto: Silvia Eidel

    In seinem Rückblick dankte Architekt Benedikt Gerber vor allem der Bürgermeisterin als "Zirkusdirektorin" und seiner Architektin Silvia Full als "Dompteurin". Mit Intuition und Fachwissen hätten sie den Umbau gemeistert. Weil sich die Handwerker bildlich gesprochen als "Elefant im Porzellanladen" bewegen und durch die Entkernung des Hauses den Mitarbeitern quasi auf dem Kopf herumtrampeln mussten, so Gerber, übergab er statt eines Schlüssels zwei kleine Kunststoffelefanten als Kinder-Sitzmöbel für das Foyer.

    Dort wurde offiziell die Schenkung der Skulptur "Erdenmutter" des verstorbenen Vasbühler Künstlers Julian Walter vollzogen. Das drei Meter hohe Kunstwerk aus rot gefasstem Lindenholz, in dem eine Frauenfigur in Stahlseilen verwickelt ist, übergab seine Witwe Brigitta an die Gemeinde. Es wirkt als Mahnmal für einen pfleglichen Umgang mit unserem Planeten, ist auf jeden Fall ein Blickfang.

    Den Segen für die Rathausräume spendeten Pfarrerin Hermine Wieker und Pfarrer Vincent Moolan.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!