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    Obbach

    Schloss Obbach: Damit die Augen des Hauses wieder leuchten

    Aufwändig und mit Rücksicht auf ihren historischen Wert werden die alten Fensterflügel des Schlosses Obbach aufbereitet. Foto: Silvia Eidel

    Das historische Erscheinungsbild von Schloss Obbach wird auch durch die 134 Fenster, die Augen des Hauses, geprägt. Die originalen, teils noch barocken Fenster und fünf Türen werden dort im Zuge der Gesamtsanierung aufgearbeitet und restauriert. Eine gewaltige Aufgabe, die die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) gemeinsam mit der Glücksspirale mit 20 000 Euro unterstützt.

    Bei einer Ortsbegehung wiesen deren Vertreter gemeinsam mit Professor Andreas Schäfer von der Eigentümerfamilie auf die Bedeutung der Arbeiten hin. "Mit modernen Kunststofffenstern, und sind sie auch noch so gut gemacht, geht viel von der alten Bausubstanz verloren", erläuterte Reinhold Schöpf, Ortskurator "Fränkische Stadtbaumeister" der DSD. "Das hat nicht das Leben, da fehlt die filigrane Teilung der Fenster."

    Bewusstsein für Denkmalschutz stärken

    Das Ziel der Stiftung sei es, so Schöpf, das Bewusstsein für den Denkmalschutz in der Öffentlichkeit zu stärken. Deshalb unterstützt sie seit 35 Jahren aus privaten Spenden sowie aus Beiträgen von Lotto Bayern und deren Glücksspirale die Erhaltung von Kulturdenkmälern.

    Diese Wohlfahrtslotterie der deutschen Lottogesellschaften, eine der größten weltweit, hat neben dem Sport, sozialen Anliegen oder Naturschutz auch den Denkmalschutz im Blick, erklärte Manfred Riedl von Lotto Bayern. "Wer Lotto spielt, tut was Sinnvolles für die Heimat."

    Bewusstseinsbildung als Anliegen nannte auch Kreisheimatpfleger Guido Spahn, der die Vorbildfunktion der Renovierung des Schlosses hervorhob und für Nachahmer warb.

    Bei Andreas Schäfer war Bewusstseinsbildung nicht nötig. Er ist begeistert von dem historischen Schatz, den sein Urgroßvater, Geheimrat Georg Schäfer, beziehungsweise dessen Firma, die spätere FAG Kugelfischer, 1924 kaufte. Er engagiert sich auch mit hohen persönlichen Mitteln für die historisch getreue Instandsetzung des Schlosses mit seinem alten Flügel, erbaut 1692 bis 1697 von den Freiherrn von Bobenhausen, der jüngere, "neue" Anbau entstand 1746/1747.

    Schäfer dankte für die finanzielle Unterstützung der Sanierung, die abschnittsweise erledigt werde. Als Archäologie-Professor an der Uni Bamberg, an dessen Institut auch die Denkmalwissenschaften angeschlossen sind, sei es ihm ein Anliegen, dass die verschiedenen Zeitgeschichten im Haus auch sichtbar würden. Und dass die Menschen von damals geehrt würden. In seiner Architektin Anne-Kristin Geller aus dem Bamberger Architekturbüro Geller-Bornschlögl habe er dabei eine verständige Partnerin gewonnen.

    Ausbildung für Studenten

    Schäfer stellt sein Schloss auch für die Ausbildung der Studenten zur Verfügung. In Bauforschung und Baugeschichte können sie sich hier aus der Praxis Wissen aneignen.

    Vom Park aus zeigte der Hauseigentümer die Kreuzstockfenster aus Holz mit den Bleibutzenscheiben am Alten Schloss. Sie müssen angeschliffen und überarbeitet werden, die Wetterschenkel müssen getauscht, die Gläser teils ersetzt werden.

    Energetisch gesehen stünden die alten Kastenfenster modernen Fenstern nicht nach, da sie von innen aufgedoppelt sind, erklärte Schöpf. Zudem bergen neue Fenster die Gefahr, dass sie zu dicht sind, dass sich in alten Gemäuern daher Schimmel ansetzen kann.

    Drei der Fenster am Alten Schloss sind bereits ausgebaut, sie werden von versierten Handwerkern in Räumen des Neuen Schlosses hergerichtet, die vorübergehend zu Werkstätten mutieren.

    Das Herzstück von Obbach

    Nach der Sanierung des Gebäudes sollen Seminarräume und Büroräume für Firmen entstehen, die zum Gesamtkonzept des Schlossguts mit seiner biologischen Landwirtschaft passen. Das griff Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold auf, der das Engagement der Familie Schäfer für das Schlossgut hervorhob, für das Herzstück von Obbach. Es sei eine langfristige Entwicklung, "Obbach hat definitiv gewonnen."

    In der Allianz Oberes Werntal sei man sich zudem einig, die Bauhütte – Symbol der Innenentwicklung – in Obbach zu halten und weiterzuentwickeln.

    Die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt die Sanierung der 134 Fenster am Schloss Obbach. Bei einer Begehung vor Ort waren dabei: (vorne, von links) DSD-Ortskuratoren Fränkische Stadtbaumeister Barbara Stüdlein und Reinhold Schöpf, Andreas Schäfer, Manfred Riedl von Lotto Bayern; hinten: Kreisheimatpfleger Guido Spahn und Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold. Foto: Silvia Eidel

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