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    Schweinfurt

    Schnüdel-Fan klaut Schwarzhändler-Karten

    Was wollte der Fan des FC Schweinfurt 05 mit sechs Karten für das DFB-Pokal-Spiel gegen Schalke, die er vor dem Stadion einem Händler entriss? Er hatte Stadionverbot.
    Für das DFB-Pokalspiel FC Schweinfurt 05 gegen FC Schalke 04 (Spielszene) am 17. August 2018 wollte ein Schwarzhändler sechs Karten vor dem Stadion verkaufen. Ein Schnüdel-Fan mit Stadionverbot entriss ihm die Tickets und wurde jetzt wegen Diebstahls verurteilt. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    17. August 2018, 19.30 Uhr: Ein 50-Jähriger steht auf dem Ander-Kupfer-Platz vor dem Willy-Sachs-Stadion, hält die rechte Hand hoch. Darin sechs Eintrittskarten für das DFB-Pokalspiel der Schnüdel gegen Schalke 04. Ein echter Hit für die Fußballfans der Region. Die Eintrittskarten sind begehrt, normalerweise bekommt jeder Käufer nicht mehr als zwei. 

    "Atmosphäre genießen"

    Der 50-Jährige hat aber sechs Eintrittskarten und bietet sie offenkundig feil, sicher mit einem entsprechenden Liebhaberaufschlag. Das sieht der 28-jährige Kraftfahrer, der gerade wie sein 19-jähriger Kumpel, der ihn begleitet, Stadionverbot hat. Beide sind "Hardcore"-Schnüdel-Fans. An diesem Tag müssen sie leider draußen bleiben, wollen aber die "Atmosphäre" eines solchen Spiels wenigstens im Vorfeld "genießen".

    Als der 28-Jährige den Kartenhändler sieht, der mit begehrten Karten seinen Schnitt machen will, die andere Fans gerne regulär erworben hätten, ergreift ihn so etwas wie heiliger Zorn. Er entreißt ihm die Karten, trifft ihn beim Gerangel mit dem Ellbogen am Kopf, als der Händler versucht, sich die Tickets zurückzuholen. Der 50-Jährige holt sich Hilfe der Polizei, die bei einem Hochrisikospiel wie diesem in großer Zahl vor Ort ist. Der Kartendieb kommt nicht weit. Nach 50 Metern ist er geschnappt. Die Eintrittskarten werden erstmal sichergestellt. Nur ein Ticket, das der Dieb nicht entreißen konnte, kann der 50-Jährige nach dem Spielanpfiff noch verkaufen, sagt er: "Mit Verlust, für zehn Euro."     

    Räuberischer Diebstahl?

    "Räuberischen Diebstahl" wirft die Staatsanwaltschaft dem 28-Jährigen beim Prozess vor dem Schöffengericht vor. Der räumt die Tat ein. Er habe sich aber nicht bereichern, die Tickets selbst verkaufen oder nutzen wollen. Letzteres wäre wegen Stadionsverbots sowieso nicht gegangen, er sei dem Personal bekannt. Wieso hat er dann dem 50-Jährigen die Karten überhaupt entrissen?   

    Der Angeklagte sei "mit Leib und Seele Schnüdel-Fan", sagt der Verteidiger. Er könne es nicht leiden, wenn jemand Karten hat, die andere Fans gerne hätten und damit offenbar Geschäfte mache. Als "Harcore-Fan" habe er sich gemüßigt gefühlt, "den Mann zu schulmeistern". "Er wollte nicht, dass der Händler die Karten verkauft", sagt ein Polizeizeuge .

    Angeklagter bezahlt die Karten

    Vor dem Kartenklau will der Dieb den Kartenhändler noch auf seinen Schwarzhandel angesprochen haben, was dieser als Zeuge aber strikt verneint. Sein 19-jähriger Kumpel, ebenfalls mit Stadionverbot belegt, berichtet praktisch wortgleich wie der Angeklagte von dem Gespräch, in dem der Angeklagte dem Händler vorgehalten haben soll, dass er mit seinem Verhalten den Verein schädige. Für den Vorsitzenden Richter sieht das abgesprochen aus. Auf den 19-Jährigen könnte ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage zukommen. 

    Der Angeklagte entschuldigt sich nun bei dem Geschädigten und lässt ihm über seinen Rechtsanwalt 150 Euro übergeben, etwas mehr als den offiziellen Preis der sechs Tickets. "Das ist zu viel", sagt der 50-Jährige und will einen 50-Euro-Schein gar zurückgeben. Aber nein, er soll's behalten, sagt der Angeklagte und der Bestohlene bedankt sich, als habe er gerade ein fettes Trinkgeld bekommen. 

    Ein Jahr Stadion-Abstand

    Aus dem räuberischen Diebstahl, der angeklagt war, wird am Ende ein Diebstahl in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Vier Vorstrafen bringt der "Hardcore"-Schnüdel-Fan mit, darunter Landfriedensbruch und ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte. Unter Einbeziehung eines Urteils vom März dieses Jahres wird der 28-Jährige zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Ferner muss er 1800 Euro ans Bayerischen Rote Kreuz zahlen.

    Vielleicht die wichtigste Auflage, wie der Vorsitzende meint: Der 28-Jährige muss an den Spieltagen der Schnüdel ein Jahr lang vom Stadion mindestens einen Kilometer Abstand halten, und zwar ganztägig, von 0 bis 24 Uhr. Das gilt bei Auswärtsspielen genauso für die Stadien der Gastgeber. Der Angeklagte hat Besserung gelobt, schon wegen seines kleinen Sohnes, dem er nunmehr ein Vorbild sein will. Er wie die Staatsanwältin verzichten auf Rechtsmittel. Das Urteil ist rechtskräftig.       

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