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    SCHWANFELD

    Schwanfeldlied und Stutenmilch beim Mongolei-Besuch

    Die befestigte Straße hört irgendwann einfach auf, hinter Ulan-Bator. Stattdessen führt eine Buckelpiste ins Kleinzentrum des Altanbulag Sum. Für 2019 soll bereits Geld zur Asphaltierung bereitstehen. Es ist Tag zwei der Schwanfelder Mongolei-Expedition, zusammen mit Bürgermeister Richard Köth, Ehefrau Anita, Kurt Eichelbrönner, Thomas Hertlein, Klaus Neuhoff, Michael Seuling, Dolmetscher Eegii Amar und dem Reporter des Tagblatts.

    Der Bürgermeister fährt im japanischen Geländewagen voraus: Munkh Unur, Tochter des ehemaligen Bürgermeisters von Altanbulag und Mitorganisatorin des Programms, hat Wert darauf gelegt. „Durch die Mongolei kommt man am besten mit einem Pferd“, sagt die Regierungsmitarbeiterin. „Oder in einem guten Auto.“ Die Gruppe hatte sich ursprünglich für günstige UAZ-Kleinbusse entschieden, schließlich wird die Reise staatlich gefördert. Wagen 2 ist so ein russisches Fabrikat, Baujahr 2017.

    Ritual für eine gute Reise

    Der erste Halt ist an einem Owo, einem heiligen Steinmonument, das dreimal umrundet und worauf jeweils ein Stein geworfen werden muss, für eine glückliche Reise. Buddhafigürchen, Gebetsfahnen und allerhand Votivgaben, zum Beispiel Krücken, weisen daraufhin, dass die Mongolen den Brauch sehr ernst nehmen.

    Wenig später könnte man eine Benzinpumpe auf den Haufen werfen: Der Kleinbus streikt auf der Nichtstraße. Die rettende Kavallerie naht mit dem Jeep von Sumchef Davaajav Batsuuri. Der heftige Regen der letzten Tage ist Vergangenheit, die Sonne scheint im magischen Licht auf das hügelige, stille Grasland. Pferde grasen am Tuul-Fluss, Ziegen und Kühe stehen neben oder mitten auf dem Weg.

    Zur Begrüßung: eine Schale Milch

    An einer Stele vor Altanbulag warten die Honoratioren: zur Begrüßung gibt es eine Schale Milch. Kühe und Pferde laufen frei durch den Ort. Im Gemeindezentrum lernt man sich näher kennen: Eine Karte zeigt die Abmessungen des „Landkreises“, mit weit mehr als 100 Kilometern Durchmesser, aber kaum mehr als 3000 Einwohnern. Der Rundgang führt in die Schule, die Kinder der Nomaden leben dort in einem einfachen Wohnheim. Im Kindergarten wird gerade renoviert – für reichlich Nachwuchs.

    Es gibt ein blitzsaubereres Gesundheitszentrum mit zehn Betten, wo Dr. Altanchujag die Stellung hält. In einem Haus werden Filzprodukte für den guten Zweck hergestellt, die Eltern von Munkh Unur haben eine kleine Käsefabrik. Neben der Bücherei stimmt der Bürgermeister am E-Piano das Schwanfeldlied an. Es folgt das „galoppierende“ Stück eines Altanbulagers auf der Morin Khuur, der Pferdekopfgeige.

    Mittagessen in der Gemeindejurte

    Zum Mittagessen laden die gastfreundlichen Mongolen in die Gemeindejurte ein, wo die Stimmung endgültig herzlich wird. Eine Gemeindemitarbeiterin schöpft Kumys für alle: vergorene Stutenmilch, die wie eine Mischung aus Most und Molke schmeckt. Dazu gibt es Lamm, Teigtaschen, Suppe und Wodka, der trotz der Toasts nie weniger zu werden scheint. Wenig später landen die Schwanfelder im Gefängnis: auf der Polizeistation, wo Bürgermeister Köth die Zelle besucht.

    Der ehemalige Polizist Kurt Eichelbrönner tauscht die bayrische Polizeimütze mit den Insignien eines unbewaffneten mongolischen Amtskollegen. Eine ortsnah lebende Nomadenfamilie wird ebenso besichtigt wie die Genossenschaft, die den Fleischverkauf der Viehzüchter regelt.

    Sorgenkind Abfallentsorgung

    Die Abfallentsorgung bereitet Altanbulag am meisten Sorgen. 2014 hat die Gemeinde beschlossen, eine riesige Müll-Grube anzulegen, mit Sammeltagen für den Unrat von rund 300 Familien. Jährlich kommen so 600 Tonnen zusammen, inklusive Betriebsmüll und Tierkadaver. Richard Köth versucht im Vortrag deutsche Abfalltrennung, Müllverwiegung und das duale System zu erklären. Die Mongolen hören die Botschaft schon, die Strukturen im Land sind indes eigene. Der Gemeinderat will sich in jedem Fall mit den Schwanfelder Erfahrungen beschäftigen.

    Nächstes Ziel: Eine Exkursion in die Welt der Nomaden

    Am Abend geht es mit Jeep und dem reparierten Kleinbus zurück nach Ulan-Bator. Thomas Hertlein, der in Schwanfeld Blessuren bei einem Radunfall davon getragen hat, und ausgerechnet übers heimische Gesundheitswesen berichten will, stellt auf dem Heimweg fest, dass er sein Portemonnaie im Gemeindezentrum verloren hat. Ein paar Telefonate und die Börse ist gefunden. Nun kann die Reise wirklich aufregend werden: bei einer Exkursion in die Welt der Nomaden, mit Nationalpark und Übernachtung in der Jurte.

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