• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Schweinfurt: Sind jugendliche Migranten krimineller?

    Dass meist männliche Jugendliche häufiger straffällig werden als Erwachsene, ist nichts Neues. Eine Behauptung lautet, die Herkunft mache einen Unterschied. Stimmt das?
    Jugendliche mit Migrationshintergrund tauchten in der Kriminalstatistik überproportional häufig auf, heißt es oftmals. Stimmt das – und trifft das auf Schweinfurt zu?
    Jugendliche mit Migrationshintergrund tauchten in der Kriminalstatistik überproportional häufig auf, heißt es oftmals. Stimmt das – und trifft das auf Schweinfurt zu? Foto: Thomas Warnack/dpa

    Er sucht Zoff, schlägt und würgt Leute, die ihm nichts getan haben, greift wie aus dem Nichts und völlig grundlos einen Mann an, der mit zwei großen Hunden unterwegs ist. Als ihn Polizisten aufhalten wollen, schlägt er auch diese, wehrt sich heftig gegen die Festnahme und beleidigt die Beamten heftigst in der bei jungen Aggressoren üblichen Fäkalsprache. Schuld ist dann der Wodka, den er sich vorher eingeflößt hatte.

    Knast-Arreste wirkten nicht

    Der junge Mann war bereits mehrfach vor dem Strafrichter. Drei Knast-Arreste hat er schon abgesessen, beeindruckt haben sie ihn offenbar nicht. Das Schweinfurter Jugendschöffengericht verurteilt den 20-Jährigen zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung plus mehrmonatiges Alkohol- und Drogenverbot. Vielleicht wird er auch abgeschoben, sein Asylantrag ist abgelehnt. Seine Duldung als Asylbewerber aus Afghanistan laufe in wenigen Tagen aus, sagte der Verurteilte über seine Situation. Das war Ende Oktober.

    Mehrfach kriminelle Migranten wie den 20-Jährigen nehmen nicht wenige als Beleg dafür, dass junge Ausländer pauschal überproportional an Straftaten beteiligt sind. Aber ist das so? Geben das die Zahlen und Erfahrungen der Behörden, die damit befasst sind, her? Machen wenige ausländische Intensivtäter den Ruf vieler gesetzestreuer junger Migranten kaputt?

    Diebstahl, Rauschgift, Körperverletzung

    Zunächst einmal zeigt die Statistik der Polizei, dass in Schweinfurt 2018 alle jugendlichen Tatverdächtigen zwischen 14 und 18 Jahre bevorzugt in drei Bereichen straffällig wurden: Diebstahl, Rauschgift und Körperverletzung. Diese Taten würden oft unter den Jugendlichen begangen. Das gilt laut Polizei für jugendliche Deutsche, Nichtdeutsche und Zuwanderer gleichermaßen.

    Wie sieht es bei den Strafverfahren aus? Fast die Hälfte von 280 Jugendstrafverfahren wurden im vergangenen Jahr gegen Täter mit Migrationshintergrund geführt, heißt es aus dem Schweinfurter Sozialreferat. Das gehe aus einer internen Statistik der Jugendhilfe hervor. Laut Sozialreferent Jürgen Montag passt diese Zahl zum Anteil von eingewanderten Menschen und deren Nachkommen in Schweinfurt.

    Hoher Anteil Migranten

    "Genaue Zahlen gibt es nicht", so Montag. Er schätzt, dass 45 Prozent der Schweinfurter einen Migrationshintergrund haben. Unter dem Begriff "mit Migrationshintergrund" würden Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft und Flüchtlinge zusammengefasst. Inbegriffen seien wohl auch türkischstämmige Jugendliche der dritten Generation, heißt es auf Anfrage.

    Damit ist das Ergebnis der städtischen Jugendhilfe kein Aufreger mehr. Der Prozentsatz ausländischer Jugendlicher und Migranten, gegen die Strafverfahren geführt wurden, entspricht deren Bevölkerungsanteil. Dass sie signifikant öfter straffällig würden als deutsche, sei nach den Zahlen der Stadt "nicht der Fall", heißt es auf Anfrage seitens der Stadt.   

    Aktuell das Niveau von 2015

    Nach der Polizeistatistik für die Jahre 2015 bis 2018 steigt die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen insgesamt – sowie unter diesen die der nichtdeutschen wie auch der Zuwanderer – zunächst an, sinkt aber 2018 wieder auf das Niveau von 2015 (siehe Grafik). Der Prozentanteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen fällt sogar von 35 auf 22,7 Prozent.

    Schweinfurt: Sind jugendliche Migranten krimineller?

    Auch der Anteil der Zuwanderer – das sind Tatverdächtige, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik mit den Aufenthaltsgründen Asylbewerber, Duldung, Kontingent-oder Bürgerkriegsflüchtling, unerlaubter Aufenthalt oder international/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte erfasst sind – fällt nach einer Verdoppelung in 2016 und 2017 auf das Niveau von 2015 zurück.

    Kaum Unterschiede erkennbar

    Spektakulär unterschiedlich kriminell sind deutsche und nichtdeutsche jugendliche Straftäter beziehungsweise solche mit Migrationshintergrund in Schweinfurt nach den Erkenntnissen der Stadt Schweinfurt und der Polizei demnach nicht. Dass der Anteil der Zuwanderer an Straftaten zahlenmäßig wie prozentual 2016 und 2017 deutlich gestiegen ist, dürfte daran liegen, dass in diesen Jahren der Zustrom in die Erstaufnameeinrichtung in der Ledward-Kaserne besonders hoch war. Die Belegung dort war 2018 schon viel geringer und ist heuer mit der Verlagerung des Ankerzentrums in die Geldersheimer Conn-Kaserne noch einmal gesunken.      

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Schweinfurt-Newsletter!

    Kommentare (12)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!