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    Schweinfurt

    Schweinfurt und die Energiewende auf dem Bierdeckel

    Die Sache mit dem Bierdeckel kommt einem ja ein wenig bekannt vor. Doch beim Vortragsabend der Bürgeraktion Müll und Umwelt ging es nicht um Steuern, sondern um viel mehr.
    Und so sieht sie aus, die Energiewende auf dem Bierdeckel nach Volkswirt Daniel Bannasch. In Schweinfurt präsentierte er, wo Deutschland seiner Meinung nach beim Thema erneuerbare Energien steht und forderte mehr Engagement. Vor allem von der Politik. Foto: Charlotte Wahler

    Für manche mag es da ungute Assoziationen geben zu anderen Bierdeckelrechnungen, doch die Idee ist gut: sich besinnen auf die einfachen und wichtigen Eckpunkte und auf die grundlegende Lösung der Fragestellung "Wie schaffen wir die Energiewende?". Das hat Volkswirt Daniel Bannasch, Vorstand des Vereins MetropolSolar Rhein-Neckar getan, und einen kurzweiligen Vortrag daraus gemacht. Sein Titel: "Die Energiewende auf dem Bierdeckel". Auf Einladung der Bürgeraktion Müll und Umwelt sprach er im Saal des Kolpinghotels und es kamen nur eine ganze Anzahl von Vertretern unterschiedlichster Bürgerinitiativen als Unterstützer, sondern auch über 100 Interessierte. Das Thema brennt den Menschen auf den Nägeln.

    Dass die Politik eher wenig und dies viel zu langsam tut, darin sind sich auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion die Teilnehmer Herbert Barthel vom Bund Naturschutz sowie Norbert Zösch, Stadtwerke Haßfurt, Gunter Häckner, Energiegenossenschaft Unteres Werntal, und Robert Ruppenstein von der ÜZ Mainfranken einig. Und wohl auch die Zuhörenden, denn bei der Aufforderung von Referent Bannasch, bei den nächsten Wahlen deutlich Partei für regenerative Energien zu ergreifen, gab es anhaltenden Beifall. Die Politik handle sogar eher kontraproduktiv, denn die Produktivität in Sachen Wind- und Solarenergie sei in Deutschland in den letzten Jahren weitgehend an die Wand gefahren worden, so der Referent.

    Diplomvolkswirt Daniel Bannasch Foto: Charlotte Wahler

    Aber zurück zum Bierdeckel: Bannasch wies in verschiedenen kleinen Grafiken auf die Anteile der diversen Energieträger im Gesamtverbrauch hin, auf die Möglichkeiten regenerativer Energien und ihren Speichermöglichkeiten. "Unter dem Strich ist in den letzten Jahren nichts eingespart worden, mit Einsparungen wird man kaum etwas erreichen." Er setze voll auf Solar und Wind, denn die Sonne sei ein Energielieferant gigantischen Ausmaßes. "Die Quelle ist groß und dauerhaft verfügbar." Und so prognostizierte Bannasch denn auch: "Es wird eher fast immer eine Überschusssituation sein."

    Die Bierdeckelrechnung und ein Plädoyer für regionale Inititativen

    Und ab hier wurde der Bierdeckel dann so richtig interessant: Denn ein Gesetz wirtschaftlicher Entwicklungen sind die Zusammenhänge von steigender Produktion und sinkenden Preisen. "Das bedeutet, dass wir in den nächsten Jahren eine rasante Entwicklung erleben werden und der Umbau Richtung erneuerbaren Energien wird also trotz der politischen Machtverflochtenheit mit den Interessen großer Konzerne geschehen." Wenn die Veränderungsrate bei rund 50 Prozent Zuwachs liege, "dann explodiert das Ganze ins Positive wie im Frühling der Naturzuwachs explodiert".

    Aber gerade einfache Erkenntnisse sind bisweilen schwer umsetzbar: "Alles was wir tun, müssen wir letztendlich in Kreisläufen denken." Das exponentielle Wachstum bedeute letztendlich auch Technikwachstum. Wesentlich sei bei allem, dass die politischen Systeme, in denen das alles geschieht, demokratisch bleiben, "darauf sollten wir achten".

    Bannasch plädierte nicht zuletzt deshalb für regionale Initiativen. "Der Sinn der großen Trassen konnte mir noch nie erklärt werden", da bleibe die Vermutung, dass da politisch allein die Interessen der großen Konzerne bedient würden. "Das Handeln ist hier nicht auf die Belange von Natur und Klima ausgerichtet!"

    Lokale Anbieter berichten von steigendem Anteil regenerativer Energien

    Lokale Anbieter sind da offensichtlich schon viel weiter. Deren Vertreter berichteten von ihrem steigenden Anteil regenerativer Energien. Zösch verwies darauf, dass der Strom aus dem EEG (erneuerbare-Energie-Gesetz) wesentlich wirtschaftlicher sei als der der Großkonzerne. "Wir haben 200 Prozent Ertrag aus erneuerbaren Energien und sind so weit, dass wir aus dieser Energie Wasserstoff herstellen." Mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach werde nicht zuletzt das Gebäude geschont, es entstehe auch ein Hitzeschutz. Und Ruppenstein erklärte: "Wir sind schon da, wo Deutschland 2050 sein will." Barthel stellte die Belange des Naturschutzes in den Vordergrund und pochte darauf, dass die Fragen des Flächenverbrauchs und auch des Energiesparens bei allen Belangen mitberücksichtigt werden müssten.

    Bannasch resümierte, dass Bayern herausragend sei, was das kommunale Engagement betreffe. Mit Bürgerenergie lasse sich die Energiewende von unten erfolgreich gestalten. "Jeder soll das Recht haben, die Sonne frei zu nutzen!" Auf dem Bierdeckel hätte diese Forderung auch noch Platz.

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