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    Schweinfurt

    Schweinfurter City verliert zwei alteingesessene Geschäfte

    Das Stahlwarenfachgeschäft Hoffritz wird schon bald keine Schlittschuhe und Messer mehr schleifen und Weitzel kein edles Porzellan verkaufen. Beide Läden schließen.
    Im Norden des Marktplatzes schließen Messer Hoffritz und Porzellanhaus Weitzel.
    Im Norden des Marktplatzes schließen Messer Hoffritz und Porzellanhaus Weitzel. Foto: Gerd Landgraf

    Nach zweijähriger "intensiver", aber ergebnisloser Suche nach einem Nachfolger und nach fast vier Jahrzehnten Tätigkeit im Einzelhandel schließen Gisela und Andreas Bieringer "demnächst" ihre beiden Geschäfte am Marktplatz: das Glas-, Porzellan- und Keramikhaus Weitzel sowie das Stahlwarengeschäft Messer Hoffritz.

    Einen genauen Zeitplan verriet das Ehepaar im Gespräch mit der Redaktion nicht, denn erst wird die aktuelle und die ehemalige Kundschaft informiert. Zu erfahren war allerdings, dass die beiden 65-Jährigen im Kollegenkreis, mit Geschäftspartnern, in der Region und über die Industrie- und Handelskammer bundesweit nach Interessenten gefahndet hatten, bis "irgendwann eine Entscheidung fallen musste".

    Seit 1866 in Familienbesitz

    Im Jahr 1866 war Messer Hoffritz gegründet worden und ist seitdem in Familienbesitz. Das Porzellanhaus hatte Christian Weitzel 1880 eröffnet. 1981 waren Andreas und Gisela Bieringer (geborene Hoffritz) in die Firma Messer Hoffritz eingestiegen. 1986 übernahmen die beiden das benachbarte Fachgeschäft Weitzel, bauten dort um und schufen die räumliche Verbindung zwischen den beiden Geschäften. Damals, also vor 34 Jahren, gab es in Schweinfurt noch fünf Haushaltswaren-Porzellan-Fachgeschäfte. Heute sind Hoffritz und Weitzel in der Stadt die Einzigen aus dieser Branche.

    Das zentrale Problem bei der Suche nach einem Nachfolger haben Gisela und Andreas Bieringer im schlechten wirtschaftlichen Ranking des Einzelhandels ausgemacht. Potenzielle Investoren hätten mangels guter Renditen kein Interesse, und Interessenten ohne die nötigen Eigenmittel würden von den Banken wegen des zu erwartenden Risikos nicht finanziert.

    Die Nöte des Einzelhandels

    Die Nöte des Einzelhandels seien zudem offensichtlich. Die Internetumsätze würden zweistellig wachsen. Während die Einkaufsgalerien mit guten Parkplätzen locken würden, schrumpfe die Geschäftsvielfalt in den Innenstädten. Die Folgen seien klar: weniger Kunden und stagnierende bis sinkende Umsätze bei zunehmender Bürokratie und Auflagen sowie der Ausweitung der Öffnungszeiten, den nach oben kletternden Energiekosten und den steigenden Löhnen für die Mitarbeiter.

    Im Porzellan-, Glas- und Besteck-Sortiment schlage zudem der Niedergang der Tischkultur zu Buche, was sich auch am Sterben der deutschen Porzellanindustrie zeige. Messer Hoffritz hätte außerdem Einbußen beim Verkauf von Freizeitmessern durch die Verschärfung des Waffengesetzes verkraften müssen.

    Leistungsgrenze erreicht

    Mit Sortimentsanpassungen und Einsparungen bei den Personalkosten habe man in den vergangenen Jahren gegengesteuert, doch irgendwann sei so die Leistungsgrenze bei einem selbst erreicht. Der Dank des Ehepaars geht an die Mitarbeiter (aktuell acht) für deren zuverlässigen und fachkundigen Einsatz, die mehr als nur das Soll erfüllt hätten. Gisela Bieringer: "Wir sind froh, dass mit der Geschäftsaufgabe keine sozialen Härtefälle entstehen". 

    Und natürlich bedanken sich die beiden Inhaber auch bei den Kunden, weshalb man sich mit einem "fulminanten Räumungsverkauf" verabschieden werde.

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