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    Schweinfurt

    Schweinfurter Frauenwochen 2020: Start mit Klassik und Klasse

    Die Kommunalwahlen sind das Thema dieser Tage – auch bei der Eröffnung der Frauenwochen. Was man sich von der Künstlerin des Abends in der Politik abschauen könnte.
    Qualitativ Hochwertig eröffnete die Klavierkabarettistin Anne Folger die diesjährigen Schweinfurter Frauenwochen.
    Qualitativ Hochwertig eröffnete die Klavierkabarettistin Anne Folger die diesjährigen Schweinfurter Frauenwochen. Foto: Ursula Lux

    Auch die Eröffnung der Schweinfurter Frauenwochen stand in diesem Jahr kurz im Zeichen der Kommunalwahl. Die Gleichstellungsbeauftrage der Stadt, Heide Wunder, lud vor allem die Frauen ein, zur Wahl zu gehen denn: "Mit der Kommunalwahl haben Sie die Möglichkeit, die Dinge zu beeinflussen, die direkt um sie herum stattfinden." Für sie eine der Schlüsselfragen. "Sind meine Lebensbedingungen als Frau in dieser Stadt gut berücksichtigt?"

    Dass in Sachen Gleichberechtigung noch viel Luft nach oben ist, belegte Wunder mit Zahlen. Nach 101 Jahren Frauenwahlrecht seien die Frauen in den Parlamenten noch immer eine Minderheit. Im Bundestag liege der Frauenanteil nur bei rund 31 Prozent, im Bayerischen Landtag bei 26,8 Prozent, im Stadtrat allerdings schon bei 34 Prozent. Dann stellte Wunder kurz die Frauenwochen vor, bevor eine "wunderbare Klavierkabarettistin" ankündige. Anne Folger wurde dieser Ankündigung in allen Punkten gerecht, sie eröffnete die Frauenwochen in der Disharmonie.

    Unkonventionell, humorvoll und scharfsinnig

    Die Künstlerin hat Klavier, Kammermusik und Liedbegleitung an den Musikhochschulen in Weimar, Paris und Freiburg studiert, legte ihr Konzertexamen mit der Note 1,0 ab. Aber was tun, wenn man als "klassische Organistin eine Reproduktionsstörung" hat? Folger löst das Problem genial, indem sie die drei Bs ihrer Ausbildung "Bach, Beethoven, Brahms" mit den drei Bs ihrer Jugendzeit verbindet, den Beatles, Backstreet Boys und Dieter Bohlen. Ohne jeden Respekt vor den großen Meistern switcht sie zwischen dem Altmeister des Barock und den Pilzköpfen hin und her, wohl wissend, dass die "doch fast dieselbe Musik" gemacht hätten. Dabei beweist sie in ihrem Programm "Selbstläufer" nicht nur musikalisches, sondern durchaus auch schauspielerisches und komödiantisches Talent. Wie von selbst eilen ihre Finger über die Tastatur des Flügels, Notenblätter braucht Folger nicht, ihre Hände scheinen automatisch zu wissen, was sie tun und dies zum Teil in so rasanter Geschwindigkeit, dass die Augen der Zuschauer ihnen kaum folgen können.

    Unkonventionell, humorvoll und scharfsinnig blickt Folger dabei auf die Strömungen der Zeit ebenso wie auf die Namen der Flügel, immer untermalt vom Spiel auf der Klaviertastatur hält sie dem Zeitgeist den Spiegel vor. Und das Publikum geht mit, denn es kennt beispielsweise die Dialogfetzen und Durchsagen aus einer ICE-Fahrt aus eigener Erfahrung. Folger beleuchtet auch die Probleme der Kleinkunst, schon Mozart endete ja im Armengrab, deshalb seien Einsparungen unumgänglich. Und schon präsentiert sie "eine Vollsparversion des türkischen Marsches minus drei Kreuze".

    Schlagertexte und Youtube-Perlen

    Schon mit ihrem Entschlackungslied, in dem sie gegen die "Stehrumsel" ansingt, hat sie die Herzen ihres Publikums gewonnen. Die klare Stimme passt zu der charmanten, charismatischen Kleinkünstlerin. Umwerfend komisch wird sie als Youtuberin "DoReMiFaSoLa", die zu den Noten von Beethoven, quasi das einzige Mal, bei dem Noten überhaupt eine Rolle spielen, Schminktipps ala Klassiker gibt. Scharfsinnig und scharfzüngig singt Folger gegen die Trends der Zeit an. Auch mit den Schlager hat sie so ihre Probleme: "Wenn ich die höre, frag ich mich oft geht's denen nicht gut?" Und so überprüft sie die Schlagertexte singend auf ihre Krankheitsbotschaften und treibt dem Publikum damit die Lachtränen in die Augen. Immer wieder greift die gebürtige Weimarerin auch zu ihrem "Tagebuch" und erzählt bodenständig witzig aus ihrer Kindheit und Jugend in der DDR.

    Und weil sie in ihrer Ausbildung keine weiblichen Komponistinnen kennengelernt hat, stellt sie dem Publikum eine solche vor, nämlich sich selbst. Und auch dabei beweist sie Temperament und Perfektion.

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