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    Schweinfurt

    Schweinfurter Grüne: Vier Jahrzehnte Einsatz für Natur und Umwelt

    Seit 40 Jahren dabei. Die Gründungsmitglieder Roland Schwab (Vierter von links) und Rudolf Warmuth (Zweiter von rechts) wurden bei der grünen Geburtstagsfeier geehrt. Ihnen gratulierten von links OB-Kandidat Holger Laschka, Stadträtin Ayfer Rethschulte,  Kreisrat Walter Rachle, die Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, und MdL Paul Knoblach. Foto: Helmut Glauch

    1978, "Die Grünen" als Partei gab es noch nicht, traten jene, die sich später in dieser neuen Partei versammelten, dennoch schon bei der Landtagswahl in Bayern an. Seinerzeit noch ein Zusammenschluss verschiedener Bündnisse, organisierten sich auch in Stadt und Landkreis Schweinfurt 1979 ökologisch ausgerichtete Gruppen.  Auf Bundesebene wurden "Die Grünen" erst 1980 gegründet. Der Schweinfurter Grünen sind also ein Jahr älter als die Bundespartei, konnten deshalb im Naturfreundehaus auf 40 Jahre zurückblicken.

    Grün ist bekanntlich die Hoffnung, und Hoffnung haben die Grünen, den Stadtrat der kommenden Legislaturperiode ein Stück grüner zu machen. Mit Holger Laschka  hat man nicht nur einen eigenen OB-Kandidaten am Start, sondern hofft auch, die bisherige Grüne-Fraktion von drei Stadträten zahlenmäßig in etwa zu verdoppeln. Auch das waren Themen beim Jubiläum des  grünen Kreisverbandes, doch in erster Linie wurde das Jubiläum kulinarisch und mit Musik von der "Sennfelder Combo" gefeiert. "

    40 Jahre grüner Kreisverband, eine Erfolgsgeschichte" konstatierte Stadträtin Ayfer Rethschulte. Mut, Energie, Hartnäckigkeit, ein dickes Fell und Ausdauer habe es gebraucht und brauche es immer noch, um ökologische Themen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Anfangs als "Spinner" oder "grüne Früchtchen" diffamiert, werde man heute ernst genommen, auch, aber nicht nur, weil die Notwendigkeit ökologischen Handelns immer offensichtlicher werde.        

    Stationen einer Erfolgsgeschichte

    Das grüne Kleid dürfte kein Zufall gewesen sein. Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze war nach Schweinfurt gekommen, um dem Grünen-Kreisverband Schweinfurt zu seinem 40. Geburtstag zu gratulieren. Foto: Helmut Glauch

    Die Erfolgsgeschichte hat auch Namen, Gesichter und Stationen. Erinnert wurde an grüne Urgesteine wie den bereits verstorbenen Gregor Schömig. Mit Ingrid Koch-Stuchels (Grafenrheinfeld), stellten die Schweinfurter 1986 die erste Grüne Bezirksrätin in Unterfranken. 1990 dann der Sprung in den Stadtrat, seit 2018 sind die Grünen dank des Wahlerfolgs von Paul Knoblach (Garstadt) auch im Landtag vertreten. Einer der wichtigsten und weithin sichtbaren Erfolge blieb nicht unerwähnt – die Türme des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld werden nicht mehr gebraucht. Mit dem Einsatz für den Nationalpark Steigerwald und die Steigerwaldbahn stehen die nächsten Herausforderungen an.

    Prominenteste Gratulantin zum 40. war Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Bayerischen Landtag. Sie rief in ihrer engagierten Rede zum gemeinsamen Kampf gegen rechten Terror und Angriffe auf die Demokratie auf. Im Hinblick auf den Anschlag von Halle, bei dem zwei Menschen getötet wurden, meinte sie "Ich möchte nicht, dass sich in diesem Land Menschen in einer Synagoge zusammenkauern müssen, während draußen einer gegen die Tür schießt".  Höchste Zeit nicht nur an Gedenktagen sondern täglich "nie wieder" zu sagen und rechte Netzwerke und Antisemitismus in all seinen Auswüchsen aufzudecken.  Die Grünen, aus der Bürgerrechtsbewegung kommend, müssten alles tun, die Zivilgesellschaft zu stärken. "Zivilcourage ist der Schlüssel", so Schulze, die betonte, dass es gemeinsames Anliegen sein müsse, die Demokratie zu verteidigen.   

    Menschen müssen nachhaltig leben können

    Schulze forderte aber auch, die feministische Fahne weiter hoch zu halten, denn in Sachen Gleichbehandlung von Mann und Frau gebe es noch reichlich Luft nach oben. Landwirtschaft müsse so ausgelegt sein, dass es den Landwirten, den Tieren und dem Land gut geht, und das "Windkraftverhinderungsgesetz 10-H-Regel" müsse endlich weg. Um eine ökologische Wende hinzubekommen müsse es den Menschen möglich gemacht werden nachhaltig zu Leben. Dazu gehöre auch ein spürbarer Ausbau des ÖPNV.    

    Mit Swing und Jazz bereicherte die Sennfelder Combo den grünen Geburtstag. Foto: Helmut Glauch

    "1979 war ich 25 und hatte mit Politik noch nicht so viel am Hut", gestand MdL Paul Knoblach. Seine politische Orientierung reifte mit dem Widerstand gegen Kernkraftwerk und Startbahn West. Auch er betonte, dass man als Grüner nicht mit dem Klimapaketchen der Bundesregierung  zufrieden sein könne. Darum ist so ein Rückblick auf 40 Jahre grüne (Kommunal)-Politik auch nur eine Momentaufnahme. Die nächsten Herausforderungen zeichnen sich ab auf Handlungsfeldern wie Ökologie, Integration oder dem gemeinsamen Eintreten für die Demokratie.  

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