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    Schweinfurt

    Schweinfurter Nachsommer: Jazzclub-Stimmung im ZF Kesselhaus

    Das Florian Ross Quintett begeisterte beim Nachsommer.  Foto: Josef Lamber

    Clemens Lukas, erfolgreicher Nachsommer-Programmgestalter, hat Wort gehalten. Er versprach mit dem Florian Ross Quintett einen ganz besonderen Abend mit atmosphärischen Kompositionen, ein Konzert, das man so schnell nicht wieder vergisst. Aus Schweinfurt und Umgebung waren die Freunde des Jazz gekommen und sie erlebten in entspanntem Jazzclub-Feeling Kompositionen von Florian Ross voll lyrischer Qualität, harmonischem Einfallsreichtum, einer Fülle von Klangfarben und britische Lyrik des 19. Jahrhunderts.

    Ross studierte in Köln, London und New York Komposition und Jazz-Piano, schrieb unter anderem Auftragskompositionen für die NDR-, WDR- und BBC-Bigband. Er erhielt Lehraufträge an deutschen Musikhochschulen, kam als Kulturbotschafter nach China, Indien, Südafrika, Mexiko, Australien. Ein vielseitiger und begehrter Musiker, der sich nun im ZF Kesselhaus mit seinem Quintett vorstellt: Florian Ross (Piano), die australische Sängerin Kristin Berardi, der irische Saxofonist Matthew Halpin, David Helm (Bass) und der holländische Schlagzeuger Joost van Schaik.

    Übergang zur Improvisation

    Das Thema von "Midway" stellen Sopransaxofon und die Sängerin mit Vokalisen unisono vor. Berardi wird zwar auch einzelne Songs mit Texten britischer Lyriker singen oder bei ihren Improvisationen gemäßigt scatten, doch meist setzt Ross sie als wortlose Stimme, als Instrument ein. Auch auffällig, dass manche Kompositionen unmerklich in Improvisationen übergehen. Darauf angesprochen, sagt Ross: "Komposition ist eigentlich nur eine verlangsamte Improvisation, bei der man mehr Zeit hat, um über die nächste Note, die nächste Minute oder Stunde nachzudenken".

    Im balladesken "Horloge of Eternity" singt Berardi ein Gedicht von Henry Wadsworth Longfellow: Von der begrenzten Lebenszeit eines Menschen, die wie eine Uhr sei und die der große Uhrmacher jederzeit anhalten könne. Nach einigen Takten gesellt sich zur Stimme das Tenorsaxofon dazu. Saxofonist Halpin ist oft ein Gesprächspartner der Sängerin. Er liefert mit seiner lautmalerischen und expressiven Linienführung den Rahmen für Berardis modulations- und ausdrucksstarke Stimme.

    Renaissance-Komponist trifft Jazz

    Mit "The Silver Swan" von dem Renaissance-Komponisten Orlando Gibbons folgt ein Höhepunkt des Konzerts. Berardi gestaltet den Abgesang eines Schwanes von berührender Intensität und Schlichtheit: "Er sang zum letzten Mal: Geht dahin, alle Freude, komm Tod und schließ meine Augen. Hier leben mehr Gänse als Schwäne, mehr Narren als Weise".

    Die Melodie ist voller Wehmut und Traurigkeit, das Publikum lauscht gebannt. Großer Applaus.  "Recurring Dream" ist wieder ein Lied ohne Worte, bei dem der Groove bei den ausdrucksvollen Sopransax- und Piano-Improvisationen vom 3/4 zum 4/4-Takt wechselt.

    In "Looking Inward" und "Albatross" kann Bassist David Helm mit seinem improvisatorischen und technischen Können glänzen. Dabei gefällt "Albatross" durch eine komplexe Melodie über Harmonien mit wechselnden tonalen Zentren. Reine Poesie in Musik und Text dann mit "Swallows", dem Titelsong der neuen Ross-CD mit einem Text von Robert Louis Stevenson. Der Song erhält seine besondere Stimmung durch wechselnde Dur- und Moll-Harmonien und verströmt einen besonderen Zauber, dem sich das Publikum hingibt.

    Ein zärtliches Liebeslied

    Auch zur Zugabe "Celeste" hat Florian Ross etwas zu erzählen. Die Komposition stammt von dem 2015 verstorbenen britischen Pianisten und Komponisten John Taylor, bei dem Ross am Anfang seiner Ausbildung an der Musikhochschule Köln Jazzpiano studierte. "Celeste" ist eine tiefe Verbeugung Ross’ vor seinem damaligen Dozenten, der den Song für seine kleine Tochter schrieb. So schließt dieses außergewöhnliche Konzert ungewöhnlich still, alle Musiker gestalten dieses zärtliche Liebeslied Taylors voller Feingefühl – eine seltsam anrührende Stimmung schwebt durch die "ZF-Kathedrale".

    Begeisterungspfiffe, großer langer Beifall. Auch ZF-Geschäftsführer Norbert Odendahl lächelt zufrieden. Er hatte anfangs bei der Begrüßung dem Publikum erzählt, dass er sich an diesem Wochenende bewusst für dieses Jazzkonzert entschieden habe. Und gegen die Teilnahme als Chef der ZF Race Engineering beim Formel 1-Rennen in Singapur.

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