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    Schweinfurt / Würzburg

    Schweinfurter Unternehmer beschäftigte 140 Schwarzarbeiter

    140 Schwarzarbeiter hat ein Unternehmer aus Schweinfurt beschäftigt. Foto: Symbolbild: Christian Charisius, dpa

    "Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt" heißt der Straftatbestand, den der Geschäftsführer einer Schweinfurter Baufirma in den Jahren 2012 bis 2016 gleich in 57 Fällen erfüllt hat: Der 41-jährige Unternehmer hat vor Gericht gestanden, 140 Arbeiter teilweise oder ganz schwarz beschäftigt zu haben. Am Donnerstag wurde er deshalb in Würzburg zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

    Ganz sicher war sich Reinhold Emmert, der Vorsitzende der für Wirtschaftsstrafsachen aus ganz Unterfranken zuständigen Strafkammer des Würzburger Landgerichts im Vorfeld des Prozesses nicht, ob die angesetzten drei Verhandlungstage ausreichen würden. Am Ende genügten zwei: Der 41 Jahre alte ehemalige Bauunternehmer, der wegen Fluchtgefahr seit Mai in Untersuchungshaft sitzt, legte ein umfassendes Geständnis ab und erleichterte der Kammer damit die Urteilsfindung erheblich.

    Geständnis wird belohnt

    Zuvor hatte die Kammer ihm nach Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern eine Strafe zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren zugesichert, falls er die Vorwürfe aus der Anklageschrift einräumt. Außerdem wurden als zusätzlicher Bonus weitere Anklagepunkte fallen gelassen: Lohnsteuerhinterziehung mit einem Schaden von 340 000 Euro und Betrug zu Lasten einer Urlaubskasse des Baugewerbes mit 467 000 Euro Schaden kommen zwar in der Anklage, aber nicht mehr im Urteil vor.

    Übrig blieben 57 Monate und damit 57 Fälle, in denen der 41-Jährige die fälligen Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung nicht bezahlt hat. Der dadurch entstandene Schaden liegt laut Anklage bei rund 1,5 Millionen Euro. Im Urteil wird die Summe etwas geringer ausfallen, aber immer noch deutlich im siebenstelligen Bereich liegen: "Die Zahlen haben sich bestätigt", betonte Emmert.

    Subunternehmer schrieben fingierte Rechnungen 

    Geschädigt sind im Endeffekt die 140 Arbeiter aus dem Ausland, die während des fast fünf Jahre langen Anklagezeitraums teilweise oder komplett schwarz auf den Baustellen des Angeklagten geschuftet haben. Mit Hilfe von Subunternehmern konnte der Angeklagte die Schwarzlöhne für seine eigenen Arbeitnehmer verschleiern: "Sie haben Rechnungen geschrieben, wenn wir welche gebraucht haben. Zum Beispiel haben zehn Leute gearbeitet, sie haben aber zwanzig berechnet."

    Es gebe in Deutschland nur ganz wenige Baufirmen, "bei denen die Abrechnungen für Saisonarbeiter aus dem Ausland stimmen", gab der 41-Jährige außerdem zu Protokoll. Die Kammer hat das Geständnis bei der Festlegung des Strafrahmens und noch einmal bei der Strafzumessung zu Gunsten des Angeklagten berücksichtigt: "Wir haben erheblich belohnt, dass er sich vernünftig verteidigt hat", betonte der Vorsitzende: "Eine streitige Beweisaufnahme hätte auch kein anderes Ergebnis gebracht, er hätte uns damit aber ohne Weiteres zwanzig Verhandlungstage lang beschäftigen können."

    Angesichts des hohen Schadens, der durch die Einvernahme von zwei Zeugen verifiziert werden konnte, sei der 41-Jährige "insgesamt sehr milde davon gekommen. Wir hatten auch schon ähnliche Fälle, bei denen fünf Jahre herausgekommen sind", so Emmert weiter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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