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    Schweinfurt

    Schweinfurts Mittelalterfest lockt Tausende an die Stadtmauer

    Das große Ritterturnier der "Turneydrachen" ist immer einer der Höhepunkte des mittelalterlichen Bürgerfestes an der östlichen Stadtmauer. Foto: Anand Anders

    Die Schwerter klirren, die Pferde schnauben, das Gras fliegt davon, wenn die Ritter aufeinander zureiten und versuchen, sich mit ihren Lanzen gegenseitig vom Pferd zu holen. Und das nur, weil sie den schönen Damen gefallen wollen. Die "Turneydrachen" hatten die Wiese entlang der östlichen Stadtmauer in ein großes Turnierfeld verwandelt, die Besucher am Samstag und Sonntagnachmittag strömten regelrecht bei bestem Spätsommerwetter.

    Das Getümmel wie es früher bei mittelalterlichen Lagerleben war, konnte man sich so richtig gut vorstellen – weil überall Händler in den Zelten am Oberen Wall lautstark ihre Waren feilboten, weil in den Tavernen, in denen sogar Met-Whiskey verkauft wurde, die Gäste sich prächtig amüsierten und dazwischen die mittelalterlich gewandeten Gäste für bunte Farbtupfer sorgten.

    Beeindruckt vom mittelalterlichen Treiben an der Stadtmauer waren auch die heutigen Stadtherren. Die Jubiläen der Städtepartnerschaften Schweinfurts mit dem französischen Châteaudun (55 Jahre) und dem finnischen Sejnäjoki (40 Jahre) wurden am Wochenende ebenfalls gefeiert. Und  Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé ließ es sich nicht nehmen, mit den Delegationen aus den Partnerstädten und seinen Amtskollegen Jorma Rasinmäki sowie Alain Venot das Fest zu besuchen. Besonders beliebt gerade bei seinem französischen Kollegen: die Reihen- und Reigentänze der Schlossfreunde Châteaudun, die seit vielen Jahren regelmäßiger Gast bei den Mittelalterfesten sind, sowie die Gruppe Câlines et Blaudes.

    Die "Turneydrachen" bieten den vielen Besuchern beim mittelalterlichen Bürgerfest ein echtes Ritterturnier, bei dem die Kämpfer versuchen, sich vom Pferd zu holen. Foto: Anand Anders

    Besondere Stimmung herrschte am Samstagabend, nicht nur weil das Areal am unteren Wall mit den Platanen ein lauschiges Plätzchen ist, das sich auch beim Stadtfest als Weindorf großer Beliebtheit erfreut. Der Auftritt der "Irrlichter" war einer der Höhepunkte am Abend, denn die Band ist eine der wenigen reinen Frauenbands in der großen Mittelalterszene Deutschlands und versteht es bei ihren Auftritten, die Besucher schnell zu begeistern.

    Auf eine musikalische Mittelalter-Reise, gesanglich und auf Originalinstrumenten, entführten auch viele andere Gruppen aus der Region wie die Oberndorfer Barden, ihre Jugendgruppe Walpurcantes, die Gartenstädter Laienbühne und die Bänkelsänger, das Mandolinen- und Gitarrenorchester der Naturfreunde Schweinfurt oder Formatio Kupfergold sowie RatzFatz aus Gochsheim.

    "Irrlichter" ist eine der wenigen reinen Frauenbands der Mittelalterszene und begeisterte bei den Auftritten in Schweinfurt. Foto: Anand Anders

    Natürlich ist ein solches Fest vor allem für Familien ein besonderes Erlebnis, weswegen die Angebote für Kinder zahlreich waren – junge Ritter mit Holzschwert und Schild sowie edle Burgfräulein gab es zuhauf, natürlich auch entsprechende Utensilien zu kaufen wie Schwerter, Helme, Schilder und auch edle Kleider.

    Die reitenden Ritter zeigten ihr Können beim großen Ritterturnier am unteren Wall. Foto: Anand Anders

    Bei Kindern beliebt und ein Besuchermagnet ist natürlich auch das Kinderritterturnier, pädagogisch wertvoll im übrigen, denn gerade die jungen Herren bekommen bei diesem Turnier vom Turnierchef schnell Manieren beigebracht. König Yves musste sich erstmal knien, um seine Holde Mia zu bitten, seine Königin zu werden. Und sich einfach hinsetzen, bevor die Königin auf dem Thron sitzt, geht ja gar nicht: "Du Stoffel, deine Königin ist die einzige Dame in deinem Reich, vor der du Respekt haben musst – außer der Königsmutter."

    Ein geschlagener Ritter beim Ritterturnier der "Turneydrachen" zeigt seine Reitkünste. Foto: Anand Anders

    Natürlich gab's für das junge Königspaar standesgemäß ein Turnier. Die Hände gingen ganz schnell nach oben, als die Frage gestellt wurde, wer denn gerne einer der drei Ritter oder der drei Knappen sein möchte. Auf Holzpferden, prächtig eingekleidet, ging's dann durch den Parcours, um zwei Stunden später die actiongeladene Abschlussvorstellung der echten "Turneydrachen" auf den großen Pferden zu erleben.

    Wird ein Ritter vom Hund gejagt: Szene aus dem Ritterturnier der "Turneydrachen" beim mittelalterlichen Bürgerfest an der östlichen Stadtmauer. Foto: Anand Anders

    Das Schweinfurter Mittelalterfest gibt es erst seit zwölf Jahren. 2007 wurde die sanierte Stadtmauer und Grünanlage eingeweiht. Gerade im Südosten der Stadt, wenn man sich vom Paul-Rummert-Ring und der Rückertstraße der Stadt nähert, sieht man mit der imposanten Stadtmauer ihre historischen, mittelalterlichen Wurzeln.

    Die Übergabe der Grünanlage wurde damals mit dem ersten großen Mittelalterfest gefeiert, das die Schweinfurter Bürgervereine seither gemeinsam stemmen. Das Fest findet nur alle drei Jahre statt, und seither kamen mehrere zehntausend Besucher. 

    Wieder ein Besuchermagnet war das fünfte mittelalterliche Bürgerfest an der Stadtmauer. Foto: Anand Anders

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