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    Schweinfurt

    Sechs Jahre Haft für Vergewaltiger

    Mit einem Küchenmesser zwang ein 46-Jähriger seine Lebensgefährtin, die sich von ihm trennen wollte, zum Sex. Warum sie einen "Täter-Opfer-Ausgleich" ablehnte.
    Sechs Jahre muss ein 46-Jähriger hinter Gitter, weil er seine Lebensgefährtin unter Einsatz eines Küchenmessers vergewaltigt hat. Foto: Oliver Berg

    "Auslöser waren Beziehungsprobleme, für die die Kammer Verständnis hat", sagt der Gerichtsvorsitzende. Kein Verständnis konnte die Große Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt dafür haben, wie der Kraftfahrer damit umgegangen ist. Anfang Juni letzten Jahres vergewaltigte er die 34-jährige Frau unter Einsatz eines Küchenmessers mit zehn Zentimeter langer Klinge, das er ihr zumindest kurzfristig an den Hals gehalten und unmittelbar in greifbarer Nähe hatte.       

    Nach dem Urteil ergeht Haftbefehl

    Sechs Jahre Haft lautete das Urteil der Kammer am zweiten Verhandlungstag. Die Staatsanwältin hatte vier Monate mehr gefordert, was der Anwalt des Opfers als Nebenklagevertreter befürwortete. Der Verteidiger hatte keinen bezifferten Antrag gestellt. Am Ende der Urteilsverkündung erließ das Gericht einen Haftbefehl. Im Gerichtssaal warteten bereits zwei Polizisten. 

    Wie berichtet, eröffnete die 34-Jährige ihrem Partner an einem Abend Anfang Juni letzten Jahres, dass sie sich von ihm trennen werde. Sie renoviere gerade eine neue Wohnung und werde am Wochenende ausziehen. Er redete auf sie ein, machte ihr Vorwürfe. Sie aber wollte kein Gespräch mehr und ging ins Schlafzimmer. Als er Sex mit ihr wollte – seit Monaten hatten sie schon keinen mehr – wies sie ihn zurück. Da entschloss sich der 46-Jährige, die Frau zu demütigen. Er hielt ihr ein Messer Richtung Gesicht und an den Hals, das er zuvor aus dem Messerblock in der Küche geholt und bereit gelegt hatte. Die Frau hat Todesangst. Nun nahm er sich eben mit Gewalt, was sie ihm verweigert hatte.

    "Jetzt mal schön mitmachen"

    "Jetzt siehst du, wie es ist, wenn du was machen musst, was du nicht willst", sagte er zu ihr. Sie solle jetzt mal schön mitmachen. Angesichts des Messers wagte die Frau keinen Widerstand oder auch nur Widerspruch. Auch zwei Stunden später nicht, als der 46-Jährige nach längeren Einreden auf seine Lebensgefährtin noch einmal den Beischlaf mit ihr ausführte. Beide Taten räumte der Angeklagte bei der Verhandlung ein. Unter dem Eindruck der vorherigen Bedrohung mit dem Küchenmesser wertete  die Strafkammer auch den zweiten Beischlaf als Vergewaltigung. Dass dieser Sex angesichts der vorherigen "besonders schweren Vergewaltigung" einvernehmlich gewesen sein könnte, auch wenn er ihr dieses mal "kein empfindliches Übel in Aussicht gestellt" habe, könne der 46-Jähriger nicht geglaubt haben, so der Kammervorsitzende.

    "Täter-Opfer-Ausgleich" nicht ernst gemeint

    Einen "Täter-Opfer-Ausgleich" – es sollte eine Zahlung von 10 000 Euro in Raten sein – lehnte die 34-Jährige ab. Das Gericht schloss sich dem Anwalt der Geschädigten an, der moniert hatte, dass das Angebot kein ernsthaftes sei. Ein notarielles Schuldanerkenntnis zu unterzeichnen, habe der Angeklagte nämlich abgelehnt, und nur auf sein Versprechen zu vertrauen, sei angesichts seiner Einkommens- und Vermögensverhältnisse nichts wert. 

    Bei der Vernehmung des Opfers war die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen worden, das galt auch für die Plädoyers. Mit ihrem Urteil liegt die Kammer nah am Antrag der Staatsanwaltschaft. Gegen das Urteil ist Revision möglich.

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