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    Schweinfurt

    Segler können am Schweinfurter Baggersee trainieren

    Der Baggersee bietet Seglern die Möglichkeit, fast alles einzuüben, was man mit der Jolle auf dem Gardasee oder auf der Nordsee braucht: nur keine Wellen.
    Wenn der Wind von hinten kommt, setzt Gebhard Riegler (rechts Boot) den Spinnaker.
    Wenn der Wind von hinten kommt, setzt Gebhard Riegler (rechts Boot) den Spinnaker. Foto: Richard Riegler

    Sommerfest und Bootstaufe am Nordufer in der Naherholungsanlage Baggersee machten neugierig. Auf dem von der Stadt gepachteten Vereinsgelände zeigte sich dann schnell, dass die 100 Mitglieder der Segelabteilung des Schwimmclubs 19134 Schweinfurt e.V. ihre Jollen nicht für das Sonnenbad mitten auf dem Baggersee nutzen, sondern sich dort auf Regatten in ganz Deutschland, oder auch auf einen Segeltörn im Mittelmeer vorbereiten.

    Erste Regatta auf dem Ellertshäuser See

    Über die Chronik der Segelabteilung und das aktuelle Vereinsleben informierte Gebhard Riegler, Zweiter Abteilungsleiter der Segler. Als Unterabteilung der Kanuten begann in den 1960er-Jahren das Segeln. Bereits 1963 wurde zum 50-jährigen Bestehen des Schwimmclubs eine erste Segelregatta auf dem Ellertshäuser See ausrichteten. Der Stausee bei Stadtlauringen wurde dann auch für zehn Jahre das Heimatrevier der Aktiven. 1974 erfolgte der Umzug zum neu entstandenem Baggersee im Schweinfurter Süden. Auf Höhe der Kleingartenanlage entstanden die Schwimmstege für die erlaubten 24 Segelboote sowie die Geräte-und Umkleidehütte.       

    Bis zum Jahr 2000 nahmen vor allem die Nachwuchssegler an internationalen Wettbewerben (darunter die Europameisterschaften für den Bootstyp Korsare) teil. Seither besuchen alle Altersgruppen überall in Deutschland und darüber hinaus Wettkämpfe, "und wir sind eigentlich recht bekannt in der Szene", so Gebhard Riegler.  

    Die Boote stehen zumeist auf dem Vereinsgelände, kommen nur zur Ausfahrt ins Wasser.
    Die Boote stehen zumeist auf dem Vereinsgelände, kommen nur zur Ausfahrt ins Wasser. Foto: Gerd Landgraf

    Die von Sven Kristandt geführte Segelabteilung zählt aktuell vier aktive Regatta-Mannschaften, die während der Saison bis zu zehn Wettkämpfe bestreiten. In den Zwei-Mann-Jollen sitzen der Steuermann, der steuert und das Großsegel bedient, während der deutlich mehr gestresste Vorschoter ("Vordermann") das Gleichgewicht zu halten sowie das Vorsegel und den Spinnaker (großes, bauchig geschnittenes Vorsegel) zu bedienen hat. Der Spinnaker aus leichtem Tuch kommt bei Wind von hinten zum Einsatz und vergrößert die Segelfläche enorm.  

    Überwiegend zählen die Wettkampfboote zur Klasse der Korsare, die vor allem in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und zunehmend auch in Polen gefahren wird. Der Korsar ist eine Jolle und damit ein kleines, flaches und offenes Segelboot ohne Dach und Kajüte, das ein Schwert anstelle eines Kiels hat. Der Korsar (Wettkämpfe seit 1985) gilt als gutmütig und anspruchsvoll. Gesegelt wird das Boot auf dem Baggersee von allen Altersklassen (ab 15 Jahre).

    Bei Regatten in Deutschland ist die Segelabteilung aus Schweinfurt mit bis zu fünf Korsaren vertreten. Bei der Deutschen Meisterschaft in Warnemünde 2018 fuhr Sven Kristandt auf den fünften Platz. Der Abteilungsleiter gewann auch schon die Regatta der Meister. Bestens bekannt unter den Seglern ist auch Gebhard Riegler, Flottillenchef bei der nordbayerischen Vereinigung der Korsare.

    Beliebte Korsare

    Neben den Korsaren stehen auf dem Vereinsgelände am Baggersee mehrere kleine Jollen und sechs Laser. Auch diese werden in der Regel nur zum Segeln zu Wasser gelassen und liegen dann auch einmal für Stunden an einem der zwei Schwimmstege. Die technisch einfach gehaltene, aber nicht anspruchslose Einhand-Jolle ist in ihrer Klasse die weltweit verbreitetste. Das Segeln in diesem Einmannboot ist als "sportlich" eingestuft. Schon bei wenigen Windstärken kann der Laser ins Gleiten kommen.

    Beliebt ist unter den Mitgliedern auch das Yachtsegeln. Zwischen Mai und Oktober werden dafür Schiffe gechartert. Die bunt zusammengewürfelten Mannschaften sind eine oder zwei Wochen auf See – zumeist im Mittelmeer, aber auch bei den Kanaren oder in der Karibik. Ebenfalls über mehrere Tage geht das Flottillensegeln. Seit dem Jahr 2008 sind jeweils sechs bis acht Schiffe mit bis zu 60 Teilnehmern vor Kroatien unterwegs.

    Bootstaufe mit Bürgermeister Karl-Heinz Kauczok, den beiden Eigentümern Christian Riegler und Johannes Weiß, Abteilungsleiter Sven Kristandt und Karl Mayer, Vorsitzender des Schwimmclubs.
    Bootstaufe mit Bürgermeister Karl-Heinz Kauczok, den beiden Eigentümern Christian Riegler und Johannes Weiß, Abteilungsleiter Sven Kristandt und Karl Mayer, Vorsitzender des Schwimmclubs. Foto: Richard Riegler

    Wer nur einmal "schnuppern will, der spricht uns am Steg oder auf dem Vereinsgelände an", sagt Gebhard Riegler. Vertieft werden kann ein erster Kontakt dann auch beim monatlichen Stammtisch im Vereinsheim des Schwimmclubs in der Wehr. Segelunterricht erteilt der Verein nicht. Ein Mitglied bildet jedoch aus. Kurse für Kinder und Jugendliche werden in der Saison an jedem Samstag (11 bis 13 Uhr) angeboten.

    Nicht hinter die Insel

    Zu Unfällen mit Badegästen sei es noch nie gekommen, Ärger mit den Angler würde es keinen geben, sagt Riegler. Der Bereich zwischen der Insel und dem gegenüberliegenden Badestrand am Baggersee ist für die Segler tabu. Wer als Gast ein Segelboot auf den See der Stadt Schweinfurt setzen will, muss sich beim Verein anmelden.

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