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    Wülfershausen

    Siedlungsaktivisten fordern Widerstand gegen SuedLink

    Der vom Netzbetreiber Tennet ins Auge gefasste SuedLink-Korridor würde aus Wasserlosen und Greßthal kommend vor allem die Orte Schwemmelsbach, Wülfershausen und Burghausen betreffen, wogegen sich nicht nur die Siedlungsbewohner dieser Orte wehren. Foto: Elmar Heil

    Vor wenigen Tagen schrillten die Alarmglocken bei einigen Bewohnern der Wülfershäuser Siedlung als der neue SuedLink-Trassenverlauf  113b in der Presse publik wurde. Uwe Holzinger motivierte zur Gründung der Interessengemeinschaft "SiedlungsAktivisten Gegen Suedlink" (SAGS) und lud zu einer Informationsveranstaltung ein – mit Erfolg, denn das DJK-Sportheim war mit fast 150 Gästen proppenvoll, so dass einige sogar keinen Sitzplatz mehr fanden.

    Trassenverlauf und Auswirkungen

    Uwe Holzinger informierte zunächst über den aktuellen Planungsstand hinsichtlich Trassenverlauf und möglichen negativen Auswirkungen. Der ein Kilometer breite Korridor für die 380 kV-Gleichstromleitung aus Hessen sei von der Betreiberfirma Tennet so rigoros ausgelegt, dass er von der Dorfmitte bis in die Waldabteilung "Struth" Richtung Schwemmelsbach reiche. Durch ein neues vereinfachtes Bewilligungsverfahren (NABEG) könne der Netzbetreiber in kürzester Zeit die bestehenden Trassen aufrüsten und plane sogar eine Erhöhung auf 525 kV. Da keinerlei Abstandsregelungen zu Wohnbaugebieten vorgesehen sind, würden die Anrainer zu Versuchskaninchen, da die Auswirkungen der Hochspannungsleitungen, auch die der erdverkabelten, auf die Gesundheit noch nicht erforscht und somit abzulehnen sind. Er bemängelte zudem die geschätzten Investitionen in Höhe von derzeit 62 Milliarden Euro, für die die Trassenbauer eine Rendite von über neun Prozent erhalten sollen. Folge: Jeder Stromkunde muss höhere Strompreise zahlen. In Gefahr sieht er das Versiegen der Schwabbachquelle und das bei den zunehmenden Hitze- und Trockenperioden.

    Auf Nachfrage erklärte er, dass beim Verlegen der Erdkabel keine Enteignungen erfolgen. Es würden jedoch Grunddienstbarkeiten für die Leitungen eingetragen, mit der sich Eigentümer abfinden müssten, wobei Art und Weise einer Entschädigung noch nicht geklärt sind.

    Bürgerinitiative gegen Stromtrasse

    Hildegard Beyfuß, Vorsitzende der Bürgerinitiative "A7 Stromtrasse NEIN e. V.", appellierte an die Gäste, unbedingt bis spätestens zum 26. Juni eine Einwendung bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Seit Gründung vor fünf Jahren trete sie für den völligen Verzicht auf die Stromtrasse ab und lehne somit das "St. Florians-Prinzip" ab, um nicht andere Gebiete auf Kosten unserer Region zu belasten. Sie wies noch auf die Gefährdung des Wassereinzugsgebiet des Kaistener Wasserbeschaffungsverbandes hin, das für die Trockenplatte lebensnotwendig sei. Außerdem greife Suedlink massiv in die Flächennutzungspläne der Landkreise und Kommunen ein, deren Selbstbestimmungsrecht gehe verloren, Bebauungspläne würden beeinträchtigt und Förderprogramme für die Dorfentwicklung seien gefährdet. Die Milliardenkosten sollten besser in die Nutzung regenerativer Energien und die Verbesserung der Speicherkapazitäten investiert werden. So aber heißt es: "Die Kosten werden sozialisiert und die Gewinne privatisiert."

    In der Aussprache kritisierte Dieter Full die mangelnde Information und zeigte sich auch von der politischen Gemeinde enttäuscht, dass man erst jetzt erfahren habe, dass Wülfershausen so stark betroffen werde. Dritter Bürgermeister Martin Heil ließ das nicht gelten. Die Gemeinde habe von Beginn ihre Bedenken, auch im Verbund mit anderen Gemeinden, gegen jede Art von Trassen an die entsprechenden Stellen geäußert. In Ratssitzungen wurde darüber diskutiert und in jeder Bürgerversammlung die aktuellen, der Gemeinde bekannten Pläne vorgestellt. Auch Günter Hofmann und Elmar Heil wiesen auf zahlreiche Informationen in der Presse oder auch in der Gemeinde vor Ort hin. Seitens der Bürgerinitiative gab es noch Hinweise auf Meldungen in Funk und Fernsehen (Tagesthemen, Heute-Journal, Quer) sowie auf ihrer Homepage über ihre Demonstrationen und andere Aktionen, doch zu ihrer Enttäuschung habe Unterstützung gerade aus Wülfershausen und Burghausen gefehlt.

    Zweifel an Energiewende ohne SuedLink

    Matthias Full ging auf die Verunsicherung vieler Leute in der Schweinfurter Industrie ein, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen würden, wenn der Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom vollzogen ist. Woher soll der Strom dann kommen? Auch Oskar Behringer bezweifelt, dass es gelingen wird, nur mit erneuerbarer Energie und Speichern den Stromverbrauch zu decken. Für Hubert Reder ist klar, dass die Trasse kommt, nachdem sich vor wenigen Tagen Bund (Altmeier) und Land (Aiwanger) darauf geeinigt hätten. Jürgen Koob sprach sich eindeutig für SuedLink aus. Die Trasse nütze auch Deutschland und sei nicht wie die Bürgerinitiativen behaupten eine reine Transitstrecke. Ohne das europäische Stromnetz wäre die Energiewende heute schon längst gescheitert und "wenn wir die Energiewende wollen, brauchen wir die Trasse und wir müssen dafür bezahlen."

    Hoffen auf technischen Fortschritt

    Die Bürgerinitiative sieht die Energiewende positiver. Experten hätten berechnet, wie mit erneuerbarer Energie auch die zukünftige Stromversorgung zu gewährleistet ist. Bisher habe das niemand widerlegen können. Enttäuscht seien sie vom bayerischen Wirtschaftminister Hubert Aiwanger, der sich noch im November des vorigen Jahres bei einer Demo in Bergrheinfeld gegen Stromtrassen und für mehr dezentrale Energiegewinnung ausgesprochen hatte. Sie lehne weiterhin die Trassen ab und hoffe, dass es durch die Einwendungen der Bürger zumindest zu Verzögerungen komme. Während dieser Zeit könnten sich neue Techniken entwickeln. Hieß es anfangs, man könne die Stromleitungen nicht in der Erde verlegen, so ist das plötzlich möglich. Auch die Stromtrasse P44, von Thüringen kommend, schien anfangs unentbehrlich und wird nun plötzlich nicht mehr gebraucht. Warum soll das nicht auch für die Trasse P43 aus Hessen oder SuedLink gelten? Ohne den Widerstand von 65 Bürgerinitiativen quer durch Deutschland wäre diese Trasse trotz vieler Bedenken wohl schon längst mit 70 Meter hohen Masten gebaut.

    Zum Schluss ging der Appell noch einmal an Alle, eine Einwendung an die Bundesnetzagentur zu schicken. Entwürfe dazu sind im Internet unter www.Bundesverband-gegen-Suedlink.de zu finden oder können bei Uwe Holzinger in Wülfershausen angefordert werden.

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