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    Sulzheim

    Simon bekommt (noch) keine Mittagsbetreuung

    Der leicht behinderte Sulzheimer Erstklässler Simon Leibold bekommt heuer keinen Platz in der örtlichen Mittagsbetreuung. Fürs nächste Schuljahr besteht allerdings Hoffnung. Foto: Daniel Karmann

    Vor wenigen Tagen wurde Simon eingeschult. Er wirkt wie ein ganz normaler, lebhafter Junge, hat seine Freunde und spielt gerne Fußball. Doch Simon hat eine kleine Behinderung. Man sieht und merkt sie ihm nicht an, aber die seltene Krankheit ist der Grund, warum Simon keinen Platz in der Mittagsbetreuung der Gemeinde Sulzheim im Rathaus bekommen hat.

    Seine Eltern Thorsten und Caroline Leibold ärgert nicht nur diese Tatsache, sondern auch die Art und Weise, wie sich Bürgermeister Jürgen Schwab ihnen gegenüber benommen hat. Dabei sah es anfangs ganz gut aus mit der Mittagbetreuung. Die Leibolds hatten schon einmal mit den Damen von der Betreuung gesprochen, ob sie sich das vorstellen könnten, Simon aufzunehmen. Die beiden hätten sich positiv dazu geäußert, berichtet Thorsten Leibold.

    Im Kindergarten wurde Simons kleiner Defekt mitbetreut. Er brauchte bisher im Vergleich zu den anderen besondere Aufmerksamkeit, aber nicht permanent, sondern nur alle paar Stunden.

    Am 26. Mai kam dann Bürgermeister Jürgen Schwab beim Kindergartenfest laut Aussage der Betroffenen an den Tisch der Leibolds und verkündete ihnen, die Damen der Mittagsbetreuung hätten sich wegen der Aufnahme Simons in die Mittagsbetreuung zu weit aus dem Fenster gelehnt; man müsse sich da noch einmal zusammensetzen. Dann geschah nach Auskunft von Thorsten und Caroline Leibold lange nichts. 

    Am 15. Juli erreichte die Leibolds dann eine Mitteilung der Gemeinde, unterzeichnet von Bürgermeister Jürgen Schwab. Das Ortsoberhaupt teilte unmissverständlich mit, dass Simon nicht in die Mittagsbetreuung der Gemeinde aufgenommen werden kann. Er wies darauf hin, dass derzeit 22 Kinder in der Mittagsbetreuung während und nach der Erledigung der Hausaufgaben beaufsichtigt werden. "Das geschieht in zwei Gruppen, damit die Kinder während der Erledigung der Hausaufgaben nicht durch die spielenden Kinder gestört werden", heißt es weiter. Und: Die Gemeinde Sulzheim erfülle derzeit leider nicht die Voraussetzungen, um die gewünschte Betreuung für Simon gewährleisten zu können, ohne die Aufsichtspflicht für die anderen Kinder zu verletzen.

    Wenige Tage später, am 19. Juli, stand dann im Amtsblatt der Gemeinde zu lesen, dass die Mittagbetreuung mit 23 Kindern für das Schuljahr 2019/20 voll ausgelastet sei. Eine Aufnahme von noch mehr Kindern sei durch das Platzangebot und die Personalsituation derzeit nicht möglich. Auch in der Online-Ausgabe der Main-Post stand das so am 25. Juli.

    Aus der Enttäuschung der Leibolds wurde neue Hoffnung. "Da dachten wir, der 23. Platz sei für uns", erzählt Caroline Leibold. Sie hatten ihren Antrag auf die Aufnahme Simons zu einer Zeit gestellt, da noch nicht alle Betreuungsplätze vergeben waren. Und zwar einen Antrag mit einem normalen Betreuungsbedarf, nicht einen mit erhöhtem. Vor allem deshalb konnten die Leibolds die Ablehnung nicht verstehen.

    Das Ehepaar wollte sich nun den vermeintlichen Platz für Simon vorsichtshalber vom Bürgermeister bestätigen lassen. Doch der antwortete erneut ablehnend, mit denselben Argumenten wie davor. Inzwischen hatten die Leibolds eine Bestimmung der bayerischen Staatskanzlei ausfindig gemacht, wonach eine Gruppe der Mittagsbetreunng mindestens zwölf Kinder haben muss. Da es in Sulzheim zwei Gruppen gibt, müssten also 24 Plätze vorhanden sein und nicht 23, folgerten die beiden daraus.

    Wieder sahen die Eltern eine Chance für Simon, doch jetzt wurde der Bürgermeister einsilbig. "Aus Sicht der Gemeinde wurde eine ausreichende Erklärung gegeben", ließ er auf die Bitte nach einer ausführlichen Darlegung der Gründe, warum Simon nicht in die Mittagsbetreuung darf, wissen. Und am Ende des E-Mail-Dialogs hieß es nur noch "Hallo zusammen! Ende! Der Worte sind genug gewechselt! Danke!" "Diese Art und Weise geht uns am meisten gegen den Strich, nicht der Sachverhalt", ärgert sich Thorsten Leibold. Die Enttäuschung ist um so größer, weil man sich über lange Zeit persönlich kennt. Und mittlerweile sollen 25 Kinder in der Betreuung sein.

    "Vielleicht war ich zu penetrant", wirft Leibold sich selbst vor. Aber kommunikativ sei er immer sachlich geblieben. Er findet es schade, dass es bis auf die Begegnung beim Kindergartenfest keinen persönlichen Kontakt in dieser Frage gegeben hat. Und er vermisst immer noch eine fundierte Begründung der Ablehnung.

    Was nun? Das neue Schuljahr hat begonnen. Als erstes verändert Caroline Leibold ihre Arbeitszeit, so dass sie an einem Tag in der Woche da ist, wenn Simon von der Schule kommt. Zwei weitere Tage ist ihr Mann daheim, so dass noch zwei Tage pro Woche abzudecken sind. In diesen zwei Tagen wird Simon zu einer Tagesmutter nach Gochsheim gehen.

    Und Bürgermeister Jürgen Schwab hat sich dann doch noch zu einem Gespräch seitens der Gemeinde mit den Leibolds bereit erklärt. Das konnte er zwar erst wegen Urlaub, dann wegen Krankheit nicht selbst führen, aber sein Stellvertreter Albrecht Dazer erreichte mit der Familie einen Kompromiss. In diesem Schuljahr bleibt alles wie beschrieben. Doch für das kommenden Jahr steht Simon auf der Warteliste für die Mittagsbetreuung.

    Im Gespräch mit dieser Redaktion beteuert Jürgen Schwab noch einmal: "Es ist nicht so, dass wir das Kind nicht aufnehmen wollten, wir konnten einfach nicht."

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