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    Sömmersdorf

    Sömmersdorf: Musik in Zimmer-Lautstärke

    Auf der Freilichtbühne in Sömmersdorf werden nicht nur alle fünf Jahre Passionsspiele gegeben. Den Auftakt der Open-Air-Veranstaltungen machte ein Konzert mit Filmmusik von Hans Zimmer.  Foto: Anand Anders

    "Warten wirs mal ab": Die Feuerwehr gibt sich am Freitag demonstrativ gelassen, bei der Einweisung, vor dem großen Hans Zimmer-Konzert auf der Sömmersdorfer Freilichtbühne. Man merkt die Erfahrung von den Passionsspielen, bei der An- wie Abfahrt von den Parkplätzen, die recht zügig vonstatten geht, trotz vermehrten PKW-Andrangs.

    Waldbühne in Hörweite: Auf der Terrasse von Anwohner Klaus Markert wurde am Wochenende die Lärmbelastung durch das Open Air-Konzert gemessen. Foto: Uwe Eichler

    Mehrere Schallmessgeräte im Einsatz  

    Da ist da noch die Sache mit der Beschallung, von der Halle her, die einige Anwohner der umliegenden Siedlung gewaltig nervt, seit der neuen Überdachung der Waldbühne im letzten Jahr. Mehrere Schallmessgeräte stehen im Auftrag des Landratsamts in der Umgebung bereit, um während der drei Konzerttage die Dezibel-Belastung zu messen. Ein Mikrofon ragt bereits im Fenster der Robert-Seemann-Halle auf, in die Lautsprecher wurde eine Schallbegrenzung eingebaut. Ein Vertreter der Höchberger Fachfirma Wölfel ist vor Ort, um die Daten auszuwerten.

    Es ist nicht so, dass am Freitagabend"Monsters of Rock"-Verhältnisseausgebrochen wären, im beschaulichen 700-Einwohner-Dorf. Außerhalb des Bühnengeländes ist es selbst in der Pause schwer, überhaupt einen Menschen auf der Straße zu finden. "Das Piepen, wenn die Baufahrzeuge den Rückwärtsgang eingelegt haben, war schon nervötend": Ein einsamer Kleingärtner blickt in der Bachstraße zurück, an die Zeit des Umbaus im Frühjahr 2018. Ansonsten könne das Dorf mit "drei Musik-Veranstaltungen" pro Jahr gut leben. Die Debatte um die Lärmbelastung sei übertrieben, findet der Sömmersdorfer und ist damit nicht allein.

    Einer der Schallpegelmesser des Landratsamtes.  Foto: Anand Anders

    Ganz so entspannt sieht es Klaus Markert nicht, dessen Garten gleich hinter der Waldbühne liegt, in der Steingrube, vielleicht 50 oder 60 Meter Luftlinie entfernt. Auf seiner Terrasse steht eines der kalibrierten Messgeräte und fängt die Schallwellen ein. Der Anwohner ("Ich wohne hier seit 60 Jahren, meine Frau seit 35 Jahren") misst den Geräuschpegel per Handy. Eine Handvoll Mitstreiter hat sich bei ihm im Grünen versammelt, eher ratlos als aufgebracht. Das Smartphone zeigt (als nicht geeichtes Gerät) etwas über 60 Dezibel an, mehr als die Zimmerlautstärke, die nach 20 Uhr noch erlaubt wäre, im privaten Bereich. Bei Konzerten ist es rechtlich schon komplizierter - deswegen die amtliche Messung.

    Klage über stundenlange Dauerbeschallung 

    "Den Fernseher können wir in der Zwischenzeit schon mal nicht einschalten" sagt Markert, der im Passionspielort nicht als Querulant gelten will, aber um Verständnis für seine Situation und die anderer Betroffener bittet. Die stundenlange Dauerbeschallung sei gesundheitsschädlich. Manchmal sollen die Werte nahe der 100 Dezibel liegen.

    Auch dem Besucher fällt auf: Schon in der Pause hört man deutlich das Stimmengewirr der Gäste, als permanentes Hintergrundgeräusch. "Gegen die Passionspiele alle fünf Jahre haben wir nichts", betonen die Markerts, man habe aber schon eine besondere Situation, durch das nahe Sportheim, den Kindergarten und eben die Freilichtbühne: wo die Beschallung letzlich auch eine Wertminderung für die Immobilie bedeute.

    Veranstalter zeigt sich kompromissbereit 

    Verlässt man das Grundstück durch die Gartentür, gelangt man nach wenigen Schritten zum Seiteneingang der Open Air-Bühne. Dort steht Norbert Mergenthal, Vorstandsmitglied im Passionsspielverein und selbst Anwohner. "Wir wollen die Leute ja nicht ärgern", sagt Mergenthal. Man sei als Veranstalter kompromissbereit und suche derzeit nach Möglichkeiten, den Schallschutz zu verbessern. Es gehe letzlich aber nur um ein Wochenende mit drei Konzerten.

    Bei den Förderbedingungen für das millionenschwere Bühnendach wäre die Zahl der Veranstaltungen nicht festgelegt worden: "Es war nur von einer regelmäßigen Nutzung der Halle die Rede".  Am Ende ist da noch der Feuerwehr-Mann, der im Wald an einem Mast wartet: eine weitere Meßanlage? Tatsächlich beaufsichtigt der Floriansjünger einen Lichtmast, für den sicheren Nachhauseweg der Besucher – für den er ein Stromaggregat anwirft. Zumindest dessen Brummen hält sich in Grenzen.

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