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    Schweinfurt

    Sollte eine junge Frau zur Heirat gezwungen werden?

    Laut Anklage drohte ein 27-jähriger Afghane einer 20-Jährigen mit dem Tod, sollte sie nicht seinen Bruder heiraten und so dessen Abschiebung verhindern.
    Braut wider Willen: Wollte ein 27-Jähriger eine junge Afghanin mit einer Todesdrohung zwingen, seinen Bruder zu heiraten, damit dieser nicht abgeschoben werden kann? Foto: Thinkstock

    "Versuchte Zwangsheirat" mit Bedrohung und versuchter Nötigung wirft die Staatsanwaltschaft Schweinfurt dem 20-jährigen Afghanen vor. Am 20. März soll er von einem 47-jährigen Landsmann in einem Telefonat gefordert haben, dessen 20-jährige Tochter zu drängen, dass diese seinen Bruder heiratet, damit der nicht abgeschoben werden kann. Falls er sich weigere, werde er ihn umbringen. 

    Polizei verhängte Kontaktverbot

    Drei bis fünf Monate davor soll der Angeklagte die junge Frau in einer Schulpause vor ihrer Berufsschule in Schweinfurt abgepasst und von ihr aus demselben Grund verlangt haben, seinen Bruder zu heiraten - ebenfalls mit der Drohung, sie sonst umzubringen. Die 20-jährige "Geschädigte" sagt nun als Zeugin vor dem Amtsgericht, sie habe sich zunächst nicht getraut, sich ihrer Familie zu offenbaren. Einer Lehrerin habe sie sich erst erklärt, nachdem diese sie gefragt hatte, warum sie so traurig sei. Nach dem Telefonat des Angeklagten mit dem Vater im März seien sie zur Polizei gegangen, um die Drohungen anzuzeigen.

    Gegen den Angeklagten wurde umgehend ein völliges Kontaktverbot verhängt, die Ermittlungen übernahm die Kripo Schweinfurt. Kennengelernt hatten sich die beiden Familien in einer Würzburger Gemeinschaftsunterkunft, in Schweinfurt hatten sie sich wieder getroffen. Der Angeklagte weist alle Vorwürfe zurück. Weder sei er an der Schule gewesen, um die junge Frau mit Drohungen zur Heirat mit seinem Bruder zu zwingen, noch habe er dies in einem Telefonat von ihrem Vater verlangt. Er und ihr Vater seien befreundet, er nenne ihn Onkel. 

    Großeltern könnte etwas zustoßen

    Die 20-Jährige sagt aber, der Angeklagte habe sie mehrfach mit seiner Forderung belästigt. Er habe auch gedroht, dass den Großeltern in Afghanistan etwas zustoßen könne. Sie kann dies aber zeitlich kaum eingrenzen. Handy-Beweise gibt es nicht. Sie habe wegen der Drohungen ihre SIM-Karte gewechselt, sagt sie. Auch das Mobiltelefon des Vaters gibt keine Beweise über einen Anruf des Angeklagten am 10. März her, bei dem die Drohungen geäußert worden sein sollen. Als Zeuge äußert sich der Vaters des Opfers zudem nur sehr allgemein zu den vorgeworfenen Drohungen gegen Leib und Leben seiner Tochter oder anderer Familienangehöriger.

    So hat das Gericht angesichts komplett gegensätzlicher Aussagen, von denen keine hinreichend nachvollziehbar ist, ein erhebliches Beweisproblem. Am Ende steht die Einstellung des Verfahrens gegen den Angeklagten, Vater von vier Kindern, bisher ohne Vorstrafen. Eine Auflage gibt es aber: Er muss 600 Euro zahlen - und zwar an die 20-jährige Geschädigte. Sozusagen als "Schmerzensgeld", sagt der Amtsrichter. Der Angeklagte ist umgehend einverstanden.

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