• aktualisiert:

    SCHWEINFURT

    Spaß mit Wissenschaft und Technik

    Laptop und Lego: Diese kleinen Roboter werden so programmiert, dass sie sich als „Perlentaucher“ betätigen können. Nebenbei lernten die Schülerinnen viel über die Geschichte intelligenter Mobilität. Von den ersten Gehversuchen bis zur heutigen Wendigkeit moderner Roboter war es ein weiter Weg. Foto: Helmut Glauch

    Technische Berufe sind abwechslungsreich, interessant und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt hervorragend. Und doch sind Frauen dort immer noch unterrepräsentiert. Um das zu ändern, hatten die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) und die Firma Schaeffler Technologies gemeinsam zu zwei naturwissenschaftlich-technischen Schnuppertagen eingeladen. Zu den mehr als 50 Workshops an der FHWS am Dienstag und bei Schaeffler am Mittwoch hatten sich zusammen mehr als 300 Schülerinnen von der 8. bis zur 12. Klasse angemeldet.

    Für die Schülerinnen eine „gute Gelegenheit, einen Einblick in die naturwissenschaftlich-technische Arbeitswelt zu bekommen“, wie Professor Dr. Gabriele Saueressig bei der Eröffnung der Schnuppertage betonte. Die Vizepräsidentin der FHWS berichtet davon, dass immer noch beinahe 80 Prozent junge Männer die Reihen der Hörsäle für diese Studiengänge füllen. Sie dankte der Firma Schaeffler Technologies, mit der man seit nunmehr 19 Jahren eng zusammenarbeite um diese Schnuppertage zu ermöglichen. Sie warb dafür, sich als junge Frau für technische Studiengänge zu entscheiden. Die soziale Kompetenz der Frauen könne hervorragend in Einklang gebracht werden mit der Anforderung, technische Dinge einfach und klar erklären zu können.

    Weibliche Kompetenz in Technikberufen

    Auch Theresia Nicola-Mann, Leiterin Personal bei Schaeffler Technologies, betonte, dass typisch weibliche Kompetenzen auch in technischen Berufen gefragt seien. Nach wie vor gebe es zu wenige weibliche Führungskräfte. Es gehe nicht um Quotenerfüllung, sondern darum denjenigen, die Lust und Talent haben, eine Plattform zu bieten. So ein Schnuppertag sei eine gute Gelegenheit im Hinblick auf die künftige Berufswahl herauszufinden, „was macht mir Freude, worauf habe ich Lust?“

    Dr. Gordana Michos, stellvertretende Frauenbeauftragte der FHWS, begrüßte die Gäste aus den benachbarten Landkreisen, denn auch aus den umliegenden Regionen wie Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, den Haßbergen oder dem Main-Spessart-Kreis nutzten Mädchen die Möglichkeiten für Einblicke in Studiengänge, die bisher von Männern dominiert werden.

    Es lohnt sich für sein Ziel zu kämpfen

    Professor Dr. Bettina Brandenstein-Köth (Mitglied des Fakultätsrats Elektrotechnik) berichtete von ihrem Werdegang. Mädchen müssten leider auch heute noch oft fleißiger sein in technischen Bereichen, um sich zu behaupten, aber „es lohnt sich zu kämpfen und dran zu bleiben“. „Gebt nicht auf, wenn ihr Steine auf eurem Weg findet, dann baut euch etwas schönes daraus“, ermutigte sie die Mädchen und jungen Frauen. Sie erinnerte auch an das Glück in einem Land zu leben, in dem Mädchen gefördert werden und sich verwirklichen können. Zum Vergleich nannte sie den Irak, wo das „Heiratsalter“ der Mädchen nur noch bei mittlerweile sieben Jahren liege. Mädchen, aus denen Frauen werden, die immer ein fremdbestimmtes Leben werden führen müssen. Frauen in technischen Berufen seien nicht nur wegen des Fachkräftemangels wichtig, sondern auch, weil ihre Sicht- und Herangehensweise an die Dinge gefragt sei.

    Vom Roboter bis zum Solar-Karussell

    Bei einem Rundgang durch das Haus wurde den Gästen der Auftaktveranstaltung Einblick in die Abläufe bei den Workshops gewährt. Da wurden zum Beispiel kleine Lego-Roboter so programmiert, dass sie beim „Perlentauchen“ gute von „vergifteten“ Perlen unterscheiden lernen.

    Eine andere Gruppe beschäftigte sich damit, wie man gespeicherte Sonnenenergie auch nachts nutzen kann. Da war viel von Speicherung und Batterielösungen die Rede, ganz praktisch wurde aber auch ein Solar-Kettenkarussell zusammengebaut. Eine weitere Gruppe beschäftigte sich damit, warum der Kakao immer auf der Milch schwimmt und suchte erfolgreich nach Möglichkeiten, wie man das ändern kann.

    Mittels 3-D-Drucker wurden andernorts kleine Schlüsselanhänger gedruckt. Nicht ohne sich vorher eingehend mit der Programmierung der teuren Drucker befasst zu haben.

    Schlagbohrer, Schweißgerät, Lötkolben

    Ganz praktisch an Stanzmaschine und Werkbank wurden in der Werkstatt Kerzenständer gebastelt. Das Fest ist nicht mehr weit. Die ersten selbst gemachten Weihnachtsgeschenke dürften inzwischen fertig sein und manche junge Frau hat vielleicht, während sie mit der Feile am Schraubstock stand, gemerkt, dass ein technischer Beruf gar nicht so übel ist.

    Wie gut sich Mädchen im Umgang mit Schlagbohrer, Schweißgerät und Lötkolben schlagen, konnten sie am Mittwoch bei Schaeffler im Selbstversuch herausfinden. Die Schülerinnen, so die Erfahrung, waren dabei engagiert und aufgeschlossen. Hemmungen vor technischen Berufen gab es keine. Das Gegenteil ist der Fall, wie es die 15-jährige Julia aus der Rhön auf den Punkt bringt: „Das ist echt cool hier. Wir können alles ausprobieren und die Tutoren sind supernett! Macht richtig Spaß!“

    Vielleicht ein Weihnachtsgeschenk?: Diese Mädchen nutzten die Möglichkeit Kerzenständer zu bauen. Dazu musste unter anderem gestanzt, gefeilt und bemalt werden. Foto: Helmut Glauch
    Spaß mit dem Solar-Bausatz: Diese Gruppe widmete sich dem Bau eines Karussells – mit Sonnenenergie betrieben. Foto: Helmut Glauch
    Schlüsselanhänger mit Herz: Solche entstanden im 3-D-Drucker. Zuvor hatten sich die Mädchen mit dessen Programmierung beschäftigt. Foto: Helmut Glauch
    Professor Dr. Gabriele Saueressig, Vizepräsidentin der FHWS, ermutigte die jungen Frauen keine Angst vor naturwissenschaftlich/technischen Arbeitsfeldern zu haben. Foto: Helmut Glauch
    Technik zum Ausprobieren: 140 Schülerinnen informierten sich bei Schaeffler über technische Berufe. Dabei konnten die Mädchen aus mehr als 50 Workshops auswählen Foto: Johannes_Bräutigam
    Auch die Arbeit mit dem Lötkolben macht Spaß: Mit seinem Engagement möchte Schaeffler mehr Frauen in technische Berufe bringen. Foto: Johannes_Bräutigam

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!