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    Schwebheim

    Spuren jüdischer Geschichte in Schwebheim

    Im Mainfränkischen Museum wurde ein silbernes Toraschild aus Schwebheim wiederentdeckt. Es war in der Reichspogromnacht verschwunden.
    Ein frisch renoviertes Häuschen im Judenhof. Die Menora erinnert daran, wer hier ursprünglich Zuhause war.
    Ein frisch renoviertes Häuschen im Judenhof. Die Menora erinnert daran, wer hier ursprünglich Zuhause war. Foto: Ursula Lux

    Auf vielfältige Weise gedenkt die Gemeinde der Geschichte ihrer Juden, die einst im Dorf gelebt haben. Da prangt eine Menora auf einem frisch renovierten Häuschen im Judenhof, eine "Tafel wider das Vergessen" weist auf die letzten vier jüdischen Frauen hin, die 1942 deportiert wurden, und der ortsgeschichtliche Arbeitskreis hat in den Schlossscheunen eine eigene kleine Abteilung zur jüdischen Kultusgemeinde eingerichtet.

    Dieses Toraschild stifteten Schwebheimer Ehepaare im 18. Jahrhundert für ihre Synagoge.
    Dieses Toraschild stifteten Schwebheimer Ehepaare im 18. Jahrhundert für ihre Synagoge. Foto: Ursula Lux

    Seit dem 17. Jahrhundert gab es eine jüdische Gemeinde in Schwebheim. Die Freiherrn von Bibra ließen damals für die schutzsuchenden Juden zwölf kleine Häuschen und eine Synagoge im noch heute so benannten Judenhof erbauen. 1848 lebten in dem protestantischen Bauerndorf 650 Einwohner, 80 davon in den 15 jüdischen Familien. Juden und Christen lebten in guter Nachbarschaft, schreibt Ortschronist Richard Ludwig. In der Reichspogromnacht stellte sich der damalige Bürgermeister Johannes Haas schützend vor die Juden seiner Gemeinde, so dass außer einigen eingeschlagenen Fenstern nicht viel geschah.

    Jetzt erinnert ein besonderer Fund erneut an die Geschichte der israelischen Kultusgemeinde in Schwebheim. Als nämlich die sieben Kisten mit jüdischem Material im Mainfrankenmuseum in Würzburg entdeckt und aufgearbeitet wurden (wir berichteten), war unter dieser Raubkunst auch ein Toraschild aus der Schwebheimer Synagoge. Aus dünnem Silberblech gearbeitet, trägt es eine halbbogenförmige Widmungsinschrift, über der zwei Hirsche eine heraldische Krone tragen. Im Zentrum sind die Gesetzestafeln mit den Anfangsworten der Zehn Gebote.

    Mit einer eigenen kleinen Abteilung wird in den Ortsgeschichtlichen Sammlung an die Geschichte der Juden in Schwebheim erinnert.
    Mit einer eigenen kleinen Abteilung wird in den Ortsgeschichtlichen Sammlung an die Geschichte der Juden in Schwebheim erinnert. Foto: Ursula Lux

    Aus der Widmungsinschrift sind die Stifter des Toraschildes herauszulesen. Es war das Ehepaar Avigdor Ari (Löwe), Sohn des David, und seine Frau Sprinz. Dabei handelt es sich um den 1742 geborenen David Löb und seine 1755 geborene Frau, die beide 1819 verstarben. 1817 nahm Löb den Familiennamen Frank an, er war im Judenhof als Metzger tätig. Das zweite Stifterpaar, Jakob Salomon (1794-1859) und seine Frau Miriam Marianne ((1794-1854) betrieb einen Handel mit Tuch-, Schnitt- und Spezereiwaren. Auch dieses Paar änderte 1817 seinen Familiennamen, in May.

    Im 18. Jahrhundert lag der Anteil jüdischer Mitbürger einmal bei einem Fünftel der Gesamteinwohnerzahl. Die Synagoge hatte sogar einen eigenen Vorsänger. Zwei der jüdischen Familien verdienten ihr Geld im Handel, vier übten ein Handwerk aus, zwei waren Landwirte und drei Viehhändler, der Rest ging anderen Tätigkeiten nach, berichtet Ludwig. 1905 allerdings wurde die Synagoge wegen des Mitgliederrückgangs aufgegeben und verkauft. Jetzt schlossen sich die verbliebenen Juden der israelitischen Kultusgemeinde Gochsheim an. Damals wanderten wohl auch die rituellen Gerätschaften, darunter das wiedergefundene Toraschild nach Gochsheim. In der Reichspogromnacht wurden diese dann wohl geraubt und kamen auf unbekannten Wegen ins Mainfränkische Museum, wo sie lange Zeit im Keller unentdeckt blieben.

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