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    Schweinfurt

    Stadtrat entscheidet: Friederike-Schäfer-Heim soll an Martin-Luther-Platz

    Es bleibt dabei: Einen Neubau für das Friederike-Schäfer-Heim möchte der Stadtrat am Martin-Luther-Platz. Warum erneut debattiert wurde und was die Kritiker bemängeln.
    Das Friederike-Schäfer-Heim am Rusterberg ist in die Jahre gekommen, ein Neubau wäre billiger als eine Sanierung. Wo der Neubau hin soll, darüber streitet der Stadtrat. Foto: Anand Anders

    Der Streit um die Frage, ob es richtig ist, das Friederike-Schäfer-Heim als stationäres Pflegeheim mit Tagespflege anstelle des Rückertbaus am Martin-Luther-Platz bauen zu wollen, wird den Stadtrat wohl noch eine Weile beschäftigen. Nach der jüngsten Stadtratssitzung muss man konstatieren: Die Fronten sind verhärtet. Befürworter im Stadtrat (CSU, proschweinfurt, Freie Wähler, AfD, FDP) sowie Verwaltung auf der einen Seite, Kritiker aus Reihen der SPD, Grünen und Linken sowie Ulrike Schneider auf der anderen Seite.

    Grundsätzlich hat sich nichts im Vergleich zum Herbst vergangenen Jahres geändert, als es bereits intensive Diskussionen über das Für und Wider der Pläne der Verwaltung gab. Es soll also in den nächsten Monaten geprüft werden, ob ein Neubau gemäß der Machbarkeitsstudie am Martin-Luther-Platz realisierbar ist. Besonderes Augenmerk wird auf die Finanzierbarkeit des Vorhabens gelegt. Die Frage, ob die Hospitalstiftung, die das bestehende Friederike-Schäfer-Heim in der Judengasse betreibt, sich einen Neubau für geschätzt 19 Millionen Euro überhaupt leisten kann, ist nicht abschließend geklärt.

    Den Finanzierungsvorbehalt hatte die CSU-Fraktion schon im Herbst in den Beschluss schreiben lassen, Fraktionsvorsitzender Stefan Funk legte auch jetzt wieder Wert darauf, erntete dafür aber von Seiten der Opposition Spott: "Beschäftigen wir uns mit einer Fata Morgana?", fragte sich Linken-Fraktionschef Frank Firsching, der prophezeite, dass bald klar werde, dass weder Konzept noch Finanzierung am Martin-Luther-Platz realistisch sind, "das geht aus wie das Hornberger Schießen". Sprich: Die Verwaltung prüft nun ob es geht, in ein bis zwei Jahren werde man dann einen neuen Standort suchen, so Firsching.

    SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann war einer der 13 Stadträte, die der Initiative von Ulrike Schneider (Schweinfurter Liste/Freie Wähler) folgte, und dafür unterschrieb, dass erneut diskutiert wird. Denn: "Im Moment ist aus unserer Sicht alles völlig unklar." Wie ist die Finanzierung? Warum beschränkt man sich auf den Standort Martin-Luther-Platz und prüft nicht andere Alternativen gleichzeitig? Warum nicht mehrere kleinere, dezentrale Häuser mit anderem Konzept?

    Für Ulrike Schneider zäumt die Verwaltung "das Pferd vom Schwanz her auf". Erst sei zu klären, ob der Martin-Luther-Platz überhaupt die richtige Wahl sei. Baureferent Ralf Brettin erläuterte auf mehrfache Nachfrage Schneiders das mögliche Volumen des Neubaus: Er hätte vier bis fünf Stockwerke, mindestens 200 Quadratmeter des jetzigen Parkplatzes in Richtung Post vor dem Rückertbau würden überbaut. "Es ist einer der schönsten Plätze der Stadt", so Schneider, die fordert, die Fachausschüsse wie der Bauausschuss müssten sich mit den städtebaulichen Aspekten genauer befassen.

    Wie sehr wird der Martin-Luther-Platz durch einen Neubau für das Friederike-Schäfer-Heim anstelle des Rückertbaus beeinträchtigt? Eine Frage, die viele Stadträte umtreibt. Foto: Oliver Schikora

    Von Seiten der Verwaltung wurde das Projekt ausführlich erläutert, Baureferent Ralf Brettin und Sozialreferent Jürgen Montag machten aus ihrem Unverständnis ob der erneuten Diskussion aber keinen Hehl. Brettin betonte: "Es ist eine Standortpräferenz, nur eine Machbarkeitsstudie und lediglich ein erster Schritt für weitere Planungen."

    Ende 2017 hatte der Stadtrat beschlossen, das Friederike-Schäfer-Heim auf dem Grundstück des Verkehrsübungsplatzes in der Friedrich-Stein-Straße neu zu bauen. Der Übungsplatz sollte eigentlich an die Heisenbergstraße kommen, doch dort gibt es auch einen Investor für neue Wohnbebauung, der gleichwohl bisher nicht öffentlich präsentiert wurde. Außerdem werden bis zu einer Million Euro Kosten für eine Altlastensanierung des bestehenden Verkehrsübungsplatz-Geländes erwartet. Als die Probleme deutlich wurden, entschloss sich die Verwaltung, doch den Martin-Luther-Platz wieder ins Visier zu nehmen. Eine Machbarkeitsstudie zeigte 2019, dass dort grundsätzlich ein Pflegeheim gebaut werden könnte.

    Doppelt so hoch wie der Rückertbau wäre der Neubau des Pflegeheimes am Martin-Luther-Platz, außerdem wird ein Teil des Parkplatzes Richtung Post benötigt. Foto: Oliver Schikora

    Sozialreferent Jürgen Montag erläuterte das Konzept: Ein stationäres Pflegeheim mit 93 Plätzen sowie 18 Tagespflegeplätzen am Martin-Luther-Platz, außerdem den Umbau des bestehenden Friederike-Schäfer-Heimes zu betreutem Wohnen. Zeitpunkt: Neubau zwischen 2026 und 2029, Sanierung ab 2030.

    Montag wehrte sich gegen von der SPD erhobene Vorwürfe, ein kritisches Gutachten der Heiliggeist Service GmbH sei nicht vorgelegt worden. "Wir haben nichts verschwiegen", man habe in mehreren Sitzungen und  in einem Workshop alle Fakten genannt. Finanzreferentin Anna Barbara Keck gestand zu, dass die Finanzkraft der Hospitalstiftung noch immer geprüft werde. "Die finanziellen Fakten liegen noch nicht auf dem Tisch", so Keck. Erst wenn alle Zahlen seriös vorhanden seien, wolle man sie im Stadtrat präsentieren.

    "Wir wollen die alten Menschen in der Stadt haben. Sollen die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen oder wie in Bergtheim am Kreisel sitzen?"
    CSU-Fraktionsvorsitzender Stefan Funk befüwortet den Plan, das Friederike-Schäfer-Heim am Martin-Luther-Platz neu zu bauen.

    Die Erklärung Montags, die Verwaltung habe nichts verschwiegen, verwunderte Peter Hofmann (SPD). Man habe vielleicht aus dem Gutachten zitiert, es aber nicht in Gänze vorgelegt: "Es ist unseriös, wenn Sie solche Informationen vorenthalten." Der Stadtrat habe die Entscheidungshoheit, viele Fragen wie Abrisskosten Rückertbau, Archivverlagerung oder Tiefgaragenerweiterung seien ungeklärt.

    Den Messeplatz, auf dem im Moment ein Parkplatz ist, bevorzugen die Grünen als neuen Standort für das Friederike-Schäfer-Heim. Foto: Oliver Schikora

    Während Peter Hofmann nach wie vor den Verkehrsübungsplatz für einen guten Standort hält, plädieren die Grünen für den Messeplatz. Dieser Standort, so Reginhard von Hirschhausen, sei ideal wegen des Parkes und der Nähe zum St. Josef-Krankenhaus. "Meine stille Hoffnung ist, dass die Prüfung des Standorts Martin-Luther-Platz wie beim Verkehrsübungsplatz endet und dann der Messeplatz wieder ins Spiel kommt."

    "Einen solchen Riesenklotz, der den Platz verschandelt und kein richtiges Pflegekonzept hat, brauchen wir nicht."
    SPD-Stadträtin Marietta Eder fordert, weitere Standorte für einen Neubau des Friederike-Schäfer-Heimes zu prüfen.

    Deutlich wurde CSU-Fraktionschef Stefan Funk: "Das ist einfach nur Getöse, weil man noch ein paar Unterschriften braucht", schimpfte er in Richtung Ulrike Schneider, die mit einer neuen Liste zur Kommunalwahl antritt. Der SPD schrieb er ins Stammbuch, sie mache den Bürgern Angst, die CSU wolle den Martin-Luther-Platz verschandeln. Das Gegenteil sei richtig. Außerdem: "Wir wollen die alten Menschen in der Stadt haben. Sollen die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen oder wie in Bergtheim am Kreisel sitzen?"

    Die Replik der SPD ließ nicht lange auf sich warten: "Ein Krapfen gefüllt mit Polemik", nannte Marietta Eder die Ausführungen Funks. Der Stadtrat solle mutig sein, nach Alternativen suchen lassen: "Einen solchen Riesenklotz, der den Platz verschandelt und kein richtiges Pflegekonzept hat, brauchen wir nicht." Ralf Hofmann sprach von einer "entlarvenden Wahlkampfrede" Funks. Er betonte, natürlich sei seine Partei dafür, mobilen Senioren in der Innenstadt Wohnraum zu ermöglichen. Für demente Patienten aber brauche es ganz andere Konzepte.

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