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    STETTBACH

    Stettbacher wollen in Ruhe schlafen

    In Stettbach ist die Welt noch in Ordnung. In dem idyllisch in der Landschaft gelegene Wernecker Ortsteil leben die 590 Einwohner gerne. Wenn da nicht die Autobahnbrücke der A7 über die Kreisstraße Richtung Werneck wäre.

    Da fahren rund 60 000 Fahrzeuge in 24 Stunden drüber, die Widerlager der 1966 gebauten Brücke klacken lautstark bei jedem Drüberfahren, der typische Dauerton von fließendem Verkehr ist im Ort hörbar. Lärmschutz gibt es nicht auf der Brücke, und wird es auch, wenn es nach den Plänen der Autobahndirektion geht, nach dem Neubau nicht geben – was den Widerstand der Stettbacher provoziert.

    336 Unterschriften sammelten Norbert Dotzel, Stephan Schäflein, Marco Füller und Andreas Rettner in nicht einmal vier Wochen. Sie fordern in ihrer Einwendung gegen den Planfeststellungsbeschluss die Verwendung von so genanntem „Flüsterasphalt“, den sofortigen Bau einer Lärmschutzwand und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Brücke zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Außerdem wird der Markt Werneck ersucht, „sämtliche politischen und rechtlich zulässigen Maßnahmen zu ergreifen, damit die Lärmschutzmaßnahmen verwirklicht werden“, schreiben die Initiatoren.

    Marktgemeinderat und Bürgermeisterin stehen hinter den Stettbachern

    Sie rennen bei Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, der sie die Unterschriftenliste übergaben, offene Türen ein. „Wir setzen uns für die Stettbacher ein und werden das postwendend weiterleiten“, versicherte die Bürgermeisterin. Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung im Juli eine umfangreiche, sehr kritische Stellungnahme zu den Neubauplänen abgegeben und darin auch darauf hingewiesen, dass Lärmschutzmaßnahmen für die Stettbacher unabdingbar seien.

    Die Autobahndirektion Nordbayern hat bei der Regierung das Planfeststellungsverfahren für den Ersatzneubau der Talbrücke Stettbach auf der A7 zwischen Autobahnkreuz Schweinfurt und der Anschlussstelle Gramschatzer Wald gestellt. „Der Ersatzneubau ist wegen erheblicher baulicher Schäden erforderlich“, heißt es.

    Es werden 420 Meter Strecke saniert, die Brücke selbst ist 270 Meter lang. Sie soll fünf Pfeilerpaare und sechs Brückenfelder haben. Die Kosten werden auf 27 Millionen Euro geschätzt, nach Beendigung des Planfeststellungsverfahrens soll sofort gebaut werden – 2020 könnte unter Umständen schon abgerissen werden, danach sind zwei bis drei Jahre für den Neubau zu veranschlagen.

    Wieder vier Spuren oder bald sechs Spuren?

    Laut Autobahndirektion wird die Anzahl der Fahrstreifen (vier) „und damit die Verkehrsfunktion bzw. die verkehrliche Leistungsfähigkeit nicht verändert.“ Das ist für die Stettbacher der Knackpunkte: Es werde nämlich sehr wohl die Leistungsfähigkeit erhöht, da alle neuen Brücken auf dem A7-Abschnitt zwischen Würzburg und Schweinfurt so gebaut werden, dass der geplante sechsspurige Ausbau möglich ist.

    Außerdem, so Norbert Dotzel, wird in Fahrtrichtung Schweinfurt eine Ausfädelspur im Hinblick auf das Autobahndreieck Schweinfurt/Werneck gebaut, um die latente Staugefahr zu mindern. „Die Brücke wird nicht im bisherigen Bestand wieder errichtet, sondern deutlich verbreitet. Dieser Neubau geht deutlich über eine brückenbaulich Erhaltungsmaßnahme hinaus. Es ist eine wesentliche Änderung“, so Dotzel. Und zwar eine, die aus seiner Sicht Lärmschutzmaßnahmen zwingend erfordere. Warum die Autobahndirektion Lärmschutz bei zukünftiger sechsspuriger Nutzung vage in Aussicht stellt, diesen aber nicht jetzt schon hinbaut, erschließt sich den Stettbachern nicht.

    Im Sommer muss man nachts die Fenster schließen

    Gerade in den vergangenen heißen Sommermonaten ist den Stettbachern der Verkehrslärm bewusst geworden – weil es so laut ist, muss man nachts die Fenster schließen, „man kann sonst nicht schlafen“, so Dotzel. Die Initiatoren hoffen nun mit ihren Einwänden „auf Vernunft“ bei der Autobahndirektion und Plan-Änderungen zu Gunsten der Stettbacher. Ansonsten scheut man sich nicht, auch den Rechtsweg zu beschreiten.

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