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    SCHWEINFURT

    Streit um Sportgala: Wer darf geehrt werden?

    Bei der Schweinfurter Sportgala im Konferenzzentrum auf der Maininsel werden die besten Sportler für ihre Leistungen geehrt und es gibt Showeinlage, wie im Bild vom Hockeyclub 2017. Nun gab es Streit im Stadtrat darüber, nach welchen Kriterien die Sportler für die Ehrungen ausgesucht werden sollen. Foto: Josef Lamber

    Mit diesen Emotionen hatten Reginhard von Hirschhausen (Bündnis 90/Die Grünen) und Thomas End (SPD) nicht gerechnet, als sie ihren Dringlichkeitsantrag zum Thema Neuregelung der Sportgala der Stadt Schweinfurt stellten. Es gab richtig Zoff im Stadtrat und schwere Vorwürfe von CSU-Rätin Ljubow Hurlebaus gegenüber ihren Kollegen.

    Was war geschehen? End und von Hirschhausen hatten beantragt, dass die Regelungen der Stadt zu der Frage, welcher Sportler wofür bei der städtischen Sportgala – zuletzt Ende November 2017 im Konferenzzentrum auf der Maininsel– geehrt wird, geändert werden. Die Dringlichkeit ergab sich daraus, dass die Frist zur Meldung von Erfolgen für 2018 am 28. September abläuft.

    Ein Teil der Sportgala ist die Auszeichnung der besten Einzelsportler und Mannschaft mit dem so genannten Felix, ein Bronzeschwein. Den bekamen aktuell die Leichtathletin Jana Vollert, der Faustballer Fabian Sagstetter und die Regionalliga-Fußballer des FC 05 Schweinfurt. Darüber hinaus werden Sportler für verschiedene Meisterschaften und Top-Platzierungen geehrt.

    Die Kriterien sind detailliert niedergelegt und richten sich nach der Wertigkeit der Meisterschaft sowie danach, ob die Sportart in einem Fachverband, der dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angehört, durchgeführt wird. Vor zwei Jahren wurden die Regelungen dahingehend geändert, dass auch Sportler aus nicht beim DOSB gelisteten Fachverbänden zugelassen wurden – sie werden namentlich erwähnt, aber nicht auf der Bühne geehrt. Das sorgte hinter den Kulissen für Streit, da Vertreter vermeintlich etablierter Sportarten ihre Meisterschaften entwertet sahen.

    Hirschhausen: „Ich war blauäugig“

    Reginhard von Hirschhausen erklärte, aus seiner Sicht könnte ein Festhalten an der bestehenden Regelung „Schaden über die Sportgala“ bringen. Er wisse, dass er damals zugestimmt habe, „ich war blauäugig.“ Hirschhausen und sein Kollege Thomas End, beide in Schweinfurter Sportvereinen, deren Sportarten im DOSB-Rahmen gemeldet sind, tätig, befürchten, dass es massenhaft Absagen hageln könnte, wenn man weiter so verfahre, auch nicht-organisierten Sport zuzulassen. Die Kriterien, die dort für die Qualifikation zu Meisterschaften und die Wettbewerbe gelten, seien im Vergleich zum verbandlich organisierten Sport zu niedrig.

    Es hagelte massive Kritik von Seiten der CSU, die von Hirschhausen alleine aushalten musste, da sich von Seiten der SPD niemand äußerte. Klaus Rehberger (CSU) empfand es „als Sauerei“, wenn die Regeln drei Tage vor Fristende geändert würden. Das sei allenfalls für 2019 denkbar, er forderte aber, der Stadtrat solle Größe zeigen, alle Sportler zulassen und nicht „kleinkariert und beschränkt“ handeln. Die bestehende Regelung sei gut und auch wenn er Verständnis dafür habe, dass die Antragssteller ihre Klientel verträten, appellierte er an „Fairness und Respekt anderen Sportarten gegenüber, wie das im Sport allgemein üblich ist.“

    Rehbergers Fraktions-Kollegin Ljubow Hurlebaus war sicht- und hörbar erbost. Sie erklärte, die Kritik habe sich an einem von Aussiedlern gegründeten Kampfsportverein entzündet, der nicht beim DOSB organisiert ist. Er habe 45 Mitglieder, darunter 39 Kinder, die das gleiche Recht wie jeder andere auch hätten, für ihre Erfolge geehrt zu werden. Hurlebaus warf den Kollegen vor, sie würden Migranten und insbesondere Aussiedler aus den ehemaligen Sowjet-Staaten diskriminieren. „Ist diese Gesellschaft in Schweinfurt wirklich bereit, Migranten aufzunehmen?“, fragte sie.

    Hirschhausen verwahrt sich gegen Vorwürfe

    Dass der Antrag einen ausländerfeindlichen Hintergrund haben könnte, wies Reginhard von Hirschhausen vehement zurück. Er betonte, es gehe ausschließlich um die sportlichen Kriterien bei Meisterschaften. Der Stadtrat beschloss mit 35:7 Stimmen, die bestehende Regelung zu belassen.

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