• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Suche nach Auswegen aus der Spirale der Gewalt

    Zu einer Veranstaltung mit dem Thema „Gewalttätiges Handeln von Männern verstehen und verändern – Einblicke und Ausblicke", hatte der Verein "Männer contra Gewalt" in die Rathausdiele der Stadt Schweinfurt eingeladen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Vorsitzende, Erhard Scholl, begrüßte unter den Gästen besonders Matthias Kreß vom Projekt „Gerne daheim in Schweinfurt" und Karolina Heimgärtner, Schwerpunktsachbearbeiterin zum Thema „Häusliche Gewalt“ in der Polizeiinspektion Schweinfurt.

    Kreß betonte, dass die Arbeit mit Männern, die gewalttätig geworden sind, große Bedeutung habe. In einem kurzen Überblick über die Geschichte des Vereins "Männer contra Gewalt" berichteten Vorstandsmitglied Herbert Durst und Erhard Scholl, dass aus der Arbeitsgruppe „sexueller Mißbrauch“, die im Jahr 1992 gegründet wurde,  das Ziel hatte, die Vorgehensweisen bei einem bekannt gewordenen Missbrauch eines Kindes zwischen den verschiedenen beteiligten Institutionen, wie Jugendamt, Vormundschaftsgericht, Beratungsstellen abzustimmen.

    Im Jahr 1996 entstand zunächst das „Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt“. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass es auch ein qualifiziertes Unterstützungsangebot für Männer geben müsse, die Wege aus ihrem gewalttätigen Handeln gegenüber Partnerinnen und Kindern suchen. So wurde 2001 der Verein "Männer contra Gewalt" gegründet. Bisher konnten in mehr als 25 Gruppen mit Männern, die in ihrem sozialen Umfeld gewalttätig geworden waren, etwa 130 Männer wirkungsvolle Hilfe erfahren, sich Wege aus ihrem gewalttätigen Handeln zu erarbeiten, heißt es von Seiten des Vereins.

    Einen konkreten „Einblick“ in die „Gruppenwerkstatt“ boten die beiden langjährigen Gruppenleiter Christian Schäflein und Thomas Walter. Sie informierten über das Konzept der Gruppe „Gewaltfrei reden – gewaltfrei handeln“. An dieser Gruppe können ausschließlich Männer teilnehmen, die sich mit ihrem gewalttätigen Reden und Handeln auseinandersetzen wollen. In acht Treffen zu je zweieinhalb Stunden geht es darum, dass die Männer sich und die Motive für ihr gewalttätiges Handeln besser verstehen lernen.

    Dabei ist ein Blick in die Lebensgeschichte hilfreich: Männer, die gewalttätig handeln, haben fast immer in ihrer eigenen Kindheit Gewalt erlebt, häufig von ihren Vätern. Es fällt ihnen schwer, über ihre Gefühle zu reden, weil sie wenig Übung darin haben, ihre Gefühle wahrzunehmen, geschweige denn, darüber zu sprechen. Im Kreis von Männern, die alle das gleiche Problem haben, fällt es leichter, sich zu öffnen. Konkrete Anleitungen, wie man die eigenen Aggressionen besser steuern kann, wie man Stress reduzieren kann, tragen dazu bei, im Alltag gewaltfreie Formen der Kommunikation einzuüben.

    Mit einem Vorurteil räumten die Gruppenleiter auf: Gewalttätiges Verhalten ist quer durch alle Schichten festzustellen, und der Austausch zwischen dem Arzt und dem Schichtarbeiter in der Gruppe ist für beide Seiten bereichernd und hilfreich. 

    Bearbeitet von Peter Kallenbach

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!