• aktualisiert:

    KREIS SCHWEINFURT

    SuedLink: Landwirte fürchten um Ertragsfähigkeit der Böden

    Wenn die Gleichstromkabel der SuedLink-Trasse in die Erde verlegt werden, bedeutet das nach Ansicht der Landwirte für die landwirtschaftlichen Flächen – hier eine Aufnahme bei Bergrheinfeld – eine große Beeinträchtigung. Sie fordern daher einen finanziellen Ausgleich. Foto: Silvia Eidel

    Seit es beschlossene Sache ist, dass die SuedLink-Gleichstromkabel vorrangig unter die Erde kommen sollen, hat der allgemeine Protest in der Bevölkerung abgenommen. Doch vor allem die Landwirte, die mit den meisten Beeinträchtigungen rechnen müssen, geben nicht auf. Sie fordern einen wirtschaftlichen Ausgleich.

    „Jetzt steht keiner mehr hinter uns“, formulierte es drastisch der unterfränkische Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Bernhard Weiler aus Stadtlauringen, bei den BBV-Kreisvorstandswahlen in Geldersheim. Jetzt müssten gerade die Land- und Forstwirte im Landkreis Schweinfurt alleine kämpfen, denn sie sind mit ihrem Boden betroffen.

    Und das bei jeder der alternativen Trassenvorschläge von SuedLink: sei es von Norden kommend entlang der A 71 zum Anschlusspunkt Bergrheinfeld West, oder von Westen durchs Sinntal kommend bis dorthin und weiter durch den südlichen Landkreis Richtung Großgartach bei Heilbronn.

    Trassenführung bis Ende März

    Die Vorzugstrasse will Übertragungsnetzbetreiber Tennet bis Ende März bei der Bundesnetzagentur einreichen, womit das förmliche Genehmigungsverfahren mit Bundesfachplanung und Planfeststellungsverfahren beginnt, das frühestens 2020 beendet sein wird. Klar ist aber, dass gerade die Landwirte rund um Bergrheinfeld besonders betroffen sein werden.

    Solche Stromkabel können für die Erdverkabelung der SuedLink-HGÜ-Leitung eingesetzt werden. Foto: Tennet

    Bei einem Treffen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und des Waldbesitzerverbandes mit dem Bayerischen Energiestaatssekretär Franz Josef Pschierer Anfang Februar in Würzburg wurden die Bedenken laut. Die größte Befürchtung der Landwirte ist, dass die Ertragsfähigkeit der Böden sich verändert, erklärt Wilhelm Böhmer, Geschäftsführer des unterfränkischen Bauernverbandes, auf Nachfrage der Redaktion.

    Beim Bau der unterirdischen Leitung wird auf einer Breite von etwa 40 Metern und einer ein- oder zweimaligen Grabentiefe von zwei Metern die Erde bewegt. „Das Bodengefüge kommt durcheinander, Sand wird eingebracht, Folien kommen hinein“.

    Dazu würde sich die Erde durch die Gleichstromkabel erwärmen, was dem Wasserhaushalt schade, was erhöhte Verdunstungs- und Austrocknungsraten bedinge.

    Daher fordert der BBV ein Bodenschutzkonzept und eine Begleitung beim Bau durch unabhängige Sachverständige. „Tennet kennt das bereits aus Niedersachsen“, erklärt Bernhard Weiler. Dort hatte ein bodengeologisches Institut darauf geachtet, dass der Aushub sauber getrennt wird in Ober- und Unterboden, dass die Lagerung und die Wiederverfüllung sachgerecht sind. Zudem dürfe nur bei entsprechender Witterung gebaut werden, um eine Verdichtung des Bodens zu verhindern.

    Schwierig ist die Beweisführung für die Schäden und den Ausgleich der Ertragsminderung, weiß BBV-Geschäftsführer Böhmer. Die Forderung lautet, dass der Bauträger, also Tennet, alle zehn Jahre ein Gutachten darüber erstellt, erläutert Bernhard Weiler, das bedeute eine Beweislastumkehr. „Das Beste wäre eine Beweissicherung vorher und eine Beweislastumkehr nachher“, so Böhmer.

    Bislang erhalten Landwirte nur eine einmalige Entschädigung, etwa wenn Hochspannungsleitungen über die Äcker führen und dafür eine Dienstbarkeit in das Grundstück eingetragen wird, verbunden mit einem Zutrittsrecht für den Stromnetzbetreiber. Für die dauerhafte Belastung und die Mitbenutzung der Fläche durch die Erdkabel fordern die Bauern nun eine wiederkehrende Vergütung. Schaden entstehe nicht nur durch einen schlechteren Bodenkörper oder Maststandorte und sonstige Anlagen, sondern auch durch förderrechtliche Nachteile oder wenn digitale Systeme bei der Bewirtschaftung in ihrer Funktionsfähigkeit beeinträchtigt würden.

    Tiefe Einschnitte in den Boden sind für die Verlegung der Erdkabel nötig. Danach werden die Gräben wieder verfüllt.Foto: Martina Müller

    Auch die Bereitstellung zusätzlicher Nutzflächen für den ökologischen Ausgleich, bei allen Bauprojekten mit Eingriff in den Naturhaushalt vorgeschrieben, lehnt der BBV ab. Schließlich würde die SuedLink-Trasse ja wieder verfüllt und rekultiviert, sagt Weiler. Wenn die Fläche vorher als Ackerland oder Wiese genutzt wurde und dies auch hinterher der Fall sei, sei es nicht unlogisch, auf einen ökologischen Ausgleich zu verzichten, unterstreicht Böhmer. Von Staatssekretär Pschierer habe es Signale gegeben, in diesem Fall auf Ausgleichsflächen zu verzichten und dies auch im Bund zu vertreten.

    Wenn aber Artenschutzflächen, etwa für den Hamster, oder FFH-Gebiete betroffen seien, werde es aus derzeitiger rechtlicher Sicht schwieriger.

    Erdverkabelung fünfmal teurer

    Die staatliche Vorgabe, die Gleichstromkabel nicht als Freileitungen, sondern unterirdisch zu verlegen, verteuerte nach Tennet-Angaben den Kilometer von 1,5 Millionen Euro auf acht Millionen Euro. Zum Teil sind darin die Forderungen der Landwirte bereits eingepreist, etwa gesetzliche Vorgaben der Grunddienstbarkeit. Insgesamt würden die BBV-Forderungen die Kilowattstunde Strom um 0,01 Cent erhöhen, sagt BBV-Präsident Weiler.

    Wenn das Planfeststellungsverfahren läuft, wird der Bauernverband als Träger öffentlicher Belange wieder gehört. Untätig sein will er bis dahin allerdings nicht. „Wir sind Mitglied im Hamelner Kreis, wir sprechen mit den Kommunalpolitikern, der Staatsregierung und unseren Abgeordneten“, sagte Weiler. Bei manchen sei der Informationsbedarf allerdings noch hoch.

     

    Fotos

      Kommentare (2)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!