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    SCHWEINFURT

    Synthese aus Funk, Rock und Jazz

    Die Kölner Band Peckmann mit dem Schweinfurter Anton Mangold (Saxophon) begeisterte in der Disharmonie. Foto: Hannes Helferich

    Viele Jazzer spielen ihr Repertoire cool runter, mitunter mienenlos. Rockmusiker dagegen flippen auf der Bühne schon mal aus. Die sechs jungen Musiker, die in der Disharmonie ein gewaltiges Konzert abgeliefert haben, spielen Jazz und Rock. Rumgehüpft ist keiner, und ernste Miene machte auch keiner zum Spiel, aber alle sechs haben ganz im Gegenteil immerzu gelacht. Ausdruck ihrer großen Spielfreude, dem Spaß. Sie haben Heißhunger aufs Spielen, sagen sie selbst. Das stimmt.

    Peckmann nennen sich die Sechs, die sich studienbedingt in Köln zusammengefunden haben. Allen gemein ist die Liebe zur Fusion, also dem Jazzrock oder Rockjazz. Der Musikstil bildete sich ab Mitte der 1960er-Jahre aus. Fusion wurde dann besonders in den 1970er-Jahren populär, an Namen seien Miles Davis, Herbie Hancock, John McLaughlin oder die Gruppe Weather Report genannt.

    Einzige Covernummer ist die ruhige Ballade „Self Portrait“ von Mike Mainieri. Alle anderen Stücke sind Eigenkompositionen von Anton Mangold, dem Schweinfurter in der Crew, von Keyboarder Felix Langemann und Leonhard Pech (Posaune), der die Stücke schalkhaft ankündigt. Pumper, Samba 2 (der entgegen der Ankündigung dann doch Sambaelemente hatte), Geramont. Eine Käsemarke. Zunächst nur als Arbeitstitel gedacht, er ist der Titel geblieben, schmunzelt Pech.

    Eineinhalb Jahre sind Peckmann zusammen, und jetzt fanden sie es an der Zeit für eine erste „Mini-Tour“. Nach Schweinfurt spielen sie Konzerte in Mainz und München, Bandmitglieder stammen jeweils daher. Wie beim Rockjazz oder Jazzrock üblich, sind auch die Peckmänner weitgehend gleichberechtigt, jeder erhält genügend Spielraum, wenngleich Posaune (Pech) und Saxophon (Mangold) dann doch die tragenden Rollen spielen.

    Die Stücke haben eine ordentliche Experimentierlänge, immer kehrt die Crew nach Soli und weiteren kleinen Umwegen gemeinsam zur verjazzten Rocknummer zurück – wie das der legendäre US-Amerikaner Dave Matthews beherrscht. Bei „Aurus“ denkt man an Quellwasser, ruhig plätschert es dahin, um plötzlich zum reißenden Bach zu werden. Da wird es dann richtig laut. Auch bei „Tranquil Night“, obwohl der Titel anderes sagt.

    Peckmann sagt über sich, dass in Bezug auf akustische Kunst jeder – das sind noch Bassist Jochen Fiedler, Drummer Alex Parzhuber und Jan Felix Rhode an der E-Gitarre – einen persönlichen Appetit hat. Sie haben in der Disharmonie eine unberechenbare, wunderbare Synthese aus Funk, Rock und Jazz abgeliefert. Das fachkundige, leider nur überschaubare Publikum erquickte sich daran. Zwei Zugaben. Hoffentlich beim nächsten Mal vor vollem Haus.

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