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    SCHWANFELD

    Tipps für die Mongolei-Reise: „Erwarten Sie nicht viel Gemüse“

    Zuhause in zwei Kulturen: Dolmetscher Erdenebat Amar aus München hat schon mehrere deutsch-mongolische Projekte begleite... Foto: Uwe Eichler

    Die letzte Delegation, von Schwanfeld aus zu asiatischen Steppenreitern, endete, man kann es nicht anders sagen, dramatisch.

    Laut Nibelungenlied zogen die Burgunder „von Ostervranken gen Swanevelde“ Richtung Donau, um am Hof von Hunnenkönig Etzel (Attila) und seiner Gemahlin Krimhild zu feiern. In Ungarn gab es offene Rechnungen und interkulturelle Missverständnisse: Das Ergebnis ist längst Teil des deutschen Nationalmythos.

    Besuch in Altanbulag

    Soweit soll es natürlich nicht kommen, wenn im August eine Schwanfelder Expertengruppe die Mongolei besuchen wird, um Möglichkeiten von Kontakten auszuloten: mit Altanbulag, einer Steppengemeinde rund 50 Kilometer südwestlich der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar. Die Millionenstadt ist hierzulande unter ihrem sowjetischen Namen Ulan-Bator bekannt, „Roter Held“.

    Im Sommer 2017 haben Abgesandte des mongolischen Bauministeriums den Schwanfelder Windpark besucht, daraus entstand spontane Freundschaft und die offizielle Einladung zum Gegenbesuch. Beim ersten Infotreffen im Rathaus, zu dem Bürgermeister Richard Köth seine Mitreisenden eingeladen hatte, ritten bereits Dschingis Khans Krieger über die Leinwand, in einer „Arte“-Doku.

    Verhaltenstipps für die Mongolei

    Dolmetscher war schon im letzten Jahr Erdenebat Amar. Der 43jährige IT-Spezialist aus München, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt („Freunde nennen mich Eegii“) hielt beim zweiten Treffen einen Einführungsvortrag: „Wie vermeidet man Fettnäpfchen in der Mongolei?“

    Der einstige Trabant der Sowjetunion ist mittlerweile parlamentarische Republik. Als buddhistisch geprägter Binnenstaat, zwischen China und Russland, gliedert sie sich in 21 Aimags (Stammeskantone), 315 Sums („Bezirke“) und mehr als 1500 Bags, teilweise mobile Familienverbände.

    Nur drei Millionen Menschen leben hier

    Obwohl die Mongolei viermal größer ist als Deutschland, leben dort nur drei Millionen Menschen: mehr als ein Drittel davon in der Hauptstadt, wo sich das Spannungsfeld zwischen Nomadenleben und Moderne widerspiegelt. Gläserne Hochhäuser stehen neben Kohlekraftwerken und dem Jurtenviertel, wo die ärmere Bevölkerung bisweilen Abfall, in Öl getauchte Steine oder Reifen als Heizmaterial nutzt: „Bei sieben Monaten Winter und minus 35, 40 Grad versucht man einiges zu machen.“

    Aufgrund der Kessellage herrscht oft Smog. „Energie ist ein wichtiges Thema für die Mongolei“ sagt Juristensohn Amar. Das hochgelegene Weideland mit seinem sibirischen Klima hat sich zum Rohstoffexporteur entwickelt, mit China als hungrigen Abnehmer von Kohle, Gold, Kupfer, Erdöl, Zink, Uran, seltenen Erden und Metallen. Auch beim Tourismus tut sich was. Ob der Probleme mit Umweltverschmutzung bieten sich alternative Energien an, bei 300 Sonnentagen im Jahr und reichlich Wind.

    Altanbulag im Töw-Aimag, das ist die „mongolische Schweiz“ am Chentii-Gebirge, mit mehreren Naturparks in der Umgebung. 165 Kamele, 25 691 Pferde, 19 488 Rinder, 153 108 Schafe und 108 280 Ziegen tummeln sich im Sum. Auf einer halben Million Hektar Fläche leben 3044 Menschen.

    Vergorene Stutenmilch als Delikatesse

    Was dem Mainfranken sein Schoppen, ist dem Altanbulager Kumys: vergorene Stutenmilch. Thema mongolische Küche: „Erwarten sie nicht viel Gemüse“, warnt Eegii alle Vegetarier. Die deftigen Gerichte sind fast eine einzige Schlachtschüssel, das Fleisch ist dafür „bio“.

    Kopf senken beim Eintreten

    Während Fettnäpfchen solcher Art schwer zu meiden sind, gibt es in der Jurte auf jeden Fall eine Etikette. Beim Eintreten über die Schwelle sollten Europäer den Kopf senken („das tut sonst weh“) und sich drinnen mit ihren langen Armen und Beinen möglichst wenig bewegen. Gäste gehen nach links, auch Frauen, denen eigentlich die andere Zeltseite zustehen würde. „Französische Umarmungen“ sind die gutmütigen, scheuen Bewohner des Graslands nicht gewohnt. Als Gastgeschenk bietet sich Schnupftabak an.

    Derzeit soll es einen Hype um gläserne Schmalzlerdosen aus dem Bayerischen Wald geben. Ferngläser sind besonders begehrt. Der Mongole behält seine Herde gerne im Blick: „Ein Nomade hat einmal ein Fernglas zweigeteilt und jedem seiner Söhne ein einzelnes Fernohr geschenkt“, sagt Eegii.

    Ein Abenteuerurlaub soll die Reise der achtköpfigen Gruppe nicht werden, die aus einem Förderprogramm des Bundesentwicklungsministeriums bezuschusst wird. Bürgermeister Richard Köth ist wichtig, dass er den Besuch selbst organisiert (und nicht die Gemeindeverwaltung), die Teilnehmer tragen einen Eigenanteil.

    Vorträge geplant

    In Altanbulag soll es Vorträge geben: Anita Köth wird über das Schwanfelder Bibliothekswesen berichten, die Landwirtschaft ist ebenso vertreten wie die bayerische Polizei, ein Kraftwerks-Techniker oder die Natursteinfirma Neuhoff. Ausflüge mit russischen Minibussen sind aber drin, womöglich sogar Ausritte. „Mongolische Pferde sind klein, wild und beißen“, warnt Eegii die großgewachsenen Franken: „Ich bin sicher, auf mongolischen Pferden wird Herr Köth, ich sag es mal vorsichtig, sehr komisch aussehen.“

    Unsere Redaktion wird den Schwanfelder Aufbruch in Richtung Morgenröte begleiten.

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