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    Lülsfeld

    Totenwache für einen Lebemann

    In einer Szene des Theaterstücks 'Die Nacht der Nächte' war im Lülsfelder Sportheim das komplette Ensemble im Einsatz. Von links: Amelie Heinrichs, Florian Plötz, Lothar Wolf, Margit Finster, Stefan Plötz, Anette Abendroth,  Werner Laufer, Anita Hußlein und Otmar Haubenreich.
    In einer Szene des Theaterstücks "Die Nacht der Nächte" war im Lülsfelder Sportheim das komplette Ensemble im Einsatz. Von links: Amelie Heinrichs, Florian Plötz, Lothar Wolf, Margit Finster, Stefan Plötz, Anette Abendroth, Werner Laufer, Anita Hußlein und Otmar Haubenreich. Foto: Reinhold Anger

    Die Theatergruppe des SV Germania Lülsfeld brachte bei sechs Aufführungen im ausverkaufen Sportheim den Saal zum Kochen. Das Lustspiel "Die Nacht der Nächte" von Regina Rösch wurde von der Gruppe mit Lokalkolorit gewürzt und um reichlich Situationskomik erweitert. Als die Darsteller nach dem letzten Vorhang gemeinsam auf die Bühne kamen, standen alle Zuschauer auf und klatschten so lange bis Theaterleiter Wolfgang Anger nach dem Durchlauf der einzelnen "Paare" und der erneuten Zusammenkunft des Ensembles die Schlussansprache hielt.

    Einige der Akteure spielten nicht nur mit ihren Bühnenkolleg(-inn)en, sondern sie bezogen das Publikum häufig ins Stück mit ein. Somit hat die Gruppe auch im 40. Jahr nach ihrem ersten Stück nach vier Monaten intensiver Proben den Erfolg hochverdient.

    Beim Stück dreht es sich um den "Zweikampf der Geschlechter". Lioba Michel (gespielt von Margit Finster) und Anni Seidenspinner (Anita Hußlein) führen die Agentur "Leih dir einen Mann". Nach dem Motto "Ob jung, ob alt, wir sind zur Stelle, wir ham‘ den Mann für alle Fälle!" vermieten sie neben Dieter Hummel (Stefan Plötz), ihrem Star-Modell im Johannes-Heesters-Outfit, vor allem ihre nicht mehr ganz frischen Ehemänner Egon (Lothar Wolf) und Alois (Otmar Haubenreich).

    Seit die drei Herren vor über 20 Jahren bei einem Auftrag im Hamburg schwer über die Stränge geschlagen haben, achten Lioba und Anni jedoch peinlich genau darauf, dass bei Einsätzen ihrer Ehemänner keinerlei Gefahren von "Frauenseite" drohen. Egon und Alois werden streng kontrolliert und überwacht, was den beiden überhaupt nicht gefällt.

    Zu all den Problemen, die der "stressige" Geschäftsbetrieb der Agentur mit sich bringt, kommt der IT-Spezialist Detlef Renner (Werner Laufer), der auch einen Mann mieten und die Agentur mit Verbesserungsvorschlägen, wie Vermietung der Frauen, auf Vordermann bringen möchte. Belastend sind auch die Querelen um die Hochzeit von Liobas Sohn Florian (Florian Plötz) mit Marita (Amelie Heinrichs), der Adoptivtochter von Gretchen Fischer (Anette Abendroth), einer dorfbekannten "Wahrsagerin".

    Bei allen Problemen, wie bei der Wahl zwischen Leberknödel- oder Markklößchensuppe, befragt Gretchen ihre Karten, nur die Frage nach Maritas leiblichem Vater bleibt unbeantwortet. Als Lioba wieder einmal die Sorge um die unbekannten "Gene" ihrer zukünftigen Schwiegertochter plagt, liest Gretchen etwas in ihren Karten: "Maritas leiblicher Vater wird zwölf Stunden nach dem Jawort seiner Tochter, in der Hochzeitsnacht, tot umfallen."

    Während die Frauen dies für eine gerechte Strafe halten, keimt vor allem in Dieter Hummel der Verdacht auf, Marita könnte das Ergebnis jener bewussten Nacht in Hamburg sein. Er sieht sich dem Tode nahe. Die Hochzeitsnacht bricht an, der Countdown läuft. Egon und Alois lassen nichts unversucht, um ihren Freund Dieter zu retten und die "Hochzeitsnacht" zu verhindern.

    So ist nach der Feier im Brautgemach nicht nur das junge Paar, sondern auch der Großteil der Hochzeitsgesellschaft versammelt. Das Ehebett ist hoffnungslos überfüllt. Pünktlich bricht aber nicht Dieter Hummel, sondern Alois Seidenspinner zusammen und Egon Michel stellt dessen Tod fest. Das Brautgemach leert sich und Egon hält "Totenwache", bis die Luft rein ist. Dann erhebt sich der "Tote", die Koffer werden aus dem Versteck geholt und die beiden nutzen die Situation mit dem Song von Udo Jürgens "Ich war noch niemals in New York" zur Flucht vor ihren Frauen.

    Das Lied hatten die drei Leihmänner auch schon während des Stücks gesungen. Glänzend war auch der Balletttanz der Drei mit Detlef und dem Song "Super Trouper" von Abba. Als Reaktion des Publikums flog in dieser Szene Damenunterwäsche auf die Bühne.

    Wolfgang Anger stellte die Schauspieler am Schluss vor und erwähnte das Urgestein der Theatergruppe, Otmar Haubenreich, und die beiden Neuen Amelie Heinrichs und Florian Plötz. Er dankte auch dem Publikum, das mit reichlich Lachen und Klatschen dafür gesorgt hatte, dass die Aufführungen bis zu einer Dreiviertelstunde länger dauerten.

    Weiter stellte er Souffleuse Elke Roth, Maskenbildnerin Andrea Finster sowie die Techniker Thomas Hermann, Fynn Stadler, Norbert Wiener, Bernd Christau und Holger Braun vor. Zudem erwähnte er, dass Margit Finster jedes Jahr eine Menge Theaterbücher liest und das richtige Stück aussucht. Die Rollen verteilt er mit ihr und auf die Suche nach neuen Darstellern gehen sie gemeinsam.

    Festzustellen ist eine glänzende Rollenverteilung. Wer den Text des Drehbuchs kennt, merkt deutlich, dass es für die Gruppe nur als Vorlage diente. In Eigenregie, denn es sind genügend "alte Hasen" dabei, wurde das Stück erweitert und viele Szenen wurden ausgedehnt. Seit 1980 gibt es das Theater in Lülsfeld und die Gruppe hat anlässlich des ÜZ-Jubiläums vor elf Jahren bei der Aufführung der ÜZ-Historie bewiesen, dass sie auch ernst kann. Außerdem überlegen die Verantwortlichen, ob sie im nächsten Jahr wegen der großen Nachfrage die Anzahl der Vorführungen erhöhen.

    Als Huhn und Bratwurst wurden die Männer im Theaterstück in Lülsfeld von ihren Frauen ausgeliehen.
    Als Huhn und Bratwurst wurden die Männer im Theaterstück in Lülsfeld von ihren Frauen ausgeliehen. Foto: Reinhold Anger
    Das Bett war in der Hochzeitsnacht beim Lülsfelder Theater ständig besetzt.
    Das Bett war in der Hochzeitsnacht beim Lülsfelder Theater ständig besetzt. Foto: Reinhold Anger
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