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    Handthal

    Totholz bringt Leben in den Wald

    Die Artenvielfalt in einem bewirtschafteten Wald bewegt sich auf ähnlichem Niveau wie im unbewirtschafteten Naturwaldreservat. Dennoch ist das Naturwaldreservat für einige Arten jetzt schon wichtig. Und: Bisher haben Untersuchungen nur geringe Unterschiede bei den Artenzahlen zwischen Baumartenmischungen ergeben.

    Das ist im Wesentlichen die Schlussfolgerung, die Professor Wolfgang Weisser von der Technischen Universität (TU) München aus dem Kuratoriumsprojekt "Management von Artenvielfalt in bewirtschafteten Wäldern" zog. Dieses Projekt ist ausschließlich auf Staatswaldflächen des Forstbetriebs Ebrach angesiedelt.

    Weisser zog sein Fazit beim 3. wissenschaftlichen Symposium Natur- und Artenschutz bei integrativer Waldbewirtschaftung" im Steigerwaldzentrum Handthal. Nach einer Exkursion gab es an den beiden Tagen eine Fülle von Fachvorträgen. Die Wichtigsten sind hier in aller Knappheit zusammengefasst.

    Ziel des eingangs genannten Projekts war es zu ermitteln, wie sich eine Beimischung zur Buche im Steigerwald in Form von Eiche, Fichte, Kiefer und Douglasie auswirkt, berichtete Professor Reinhard Mosandl, ebenfalls von der TU München. Als Zwischenergebnis könne gesagt werden, dass geringe Beimischungen keinen negativen Einfluss auf die Artenzusammensetzung haben. Schon jetzt sei aber festzustellen, das sich das Naturschutzkonzept des Forstbetriebs (mit unbewirtschafteten Trittsteinen, Biotopbäumen und viel liegendem und stehendem Totholz) positiv auf die Artenvielfalt im Wald auswirkt.

    Die Dichte der bodennahen Krautschicht im Wald ist in den vergangenen 30 Jahren zurückgegangen, berichtete Barbara Michler von der TU München. Die Referentin vermutet als Erklärung die Klimaerwärmung und hier vor allem die längeren Trockenphasen während der Vegetationszeit.

    Benjamin Henneberg von der Universität Bayreuth stellte ein Projekt vor, welches Mulmhöhlen im Steigerwald mit Fichtelgebirge und Kelheimer Wald vergleicht. Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass der Steigerwald deutlich mehr Mulmhöhlenbewohner aufweist als das Fichtelgebirge. Daran habe der Totholzanteil im Steigerwald signifikanten Anteil.

    Martin Schafhirt berichtete über wichtige Vernetzungsstrukturen von Laubbäumen am Waldrand mit Trittsteinen im Wald. Grund dafür sind die Wärme in Folge der Sonneneinstrahlung und der hohe Anteil an Habitatstrukturen.

    Die Frage, ob naturschutzrelevante Strukturen alter Bäume bereits an jungen Bäumen absehbar sind, untersuchte Christian Winter von der TU München. Bei den Forschungsarbeiten stellte sich heraus, dass die Waldverantwortlichen auch Bäume erhalten sollten, die nicht dem späteren Verkaufsideal entsprechen. Das gilt zum Beispiel für Bäume, die starke Äste, so genannte Protzen, haben. Sie werden später zu hervorragenden Biotopbäumen.

    Sebastian Vogel von der Universität Würzburg untersuchte an sechs verschiedenen Waldorten im Forstbetrieb Ebrach, wie sich die Belichtungssituation beim Totholz (Schatten, Halbschatten, volles Licht) auf die Besiedlung von Holzkäfern und Pilzen auswirkt.  In allen Fällen war viel Sonne auf dem Totholz von Vorteil. Jonas Hagge (TU München) stellte ein kostengünstiges Verfahren vor, wie durch teilweise Entfernung von Rinde bei Fichten der Borkenkäferbefall eingedämmt werden kann.

    Im Gegensatz zu anderen Gebieten in Deutschland ist der Bergmolch noch flächig verbreitet, berichtete Carolin Dittrich vom Naturkundemuseum Berlin. Allein um Fabrikschleichach gibt es 140 kleine Gewässer, in der der Molch (er ist Lurch des Jahres 2019 und steht auf der Liste der gefährdeten Arten) leben kann. 60 Prozent davon besiedelt er. Dittrich warnte davor, dass der Bergmolch zum Opfer des Salamanderpilzes werden könnte, wenn dieser auch in die Region Steigerwald eingeschleppt wird.

    Der Gelbbauchunke braucht laut Carolin Dittrich flache, vegetationsfreie Tümpel in dynamischen Landschaften (wie Steinbrüchen oder Truppenübungsplätzen), bestätigte die Referentin auf eine Frage des Ebracher Forstbetriebsleiters Ulrich Mergner, der anmerkte, solche Tümpel könnten eine positive Hinterlassenschaft von schweren Fahrzeugen auf Rückegassen sein. Mit Breitreifen und Bändern würden sie nicht entstehen.

    In seinem Fazit sieht Ulrich Mergner durch viele Vorträge die Strategie des Forstbetriebs Ebrach bestätigt, mit mehr Biotopbäumen und viel Totholz den Wald anzureichern, denn das wirke sich positiv auf die Artenvielfalt aus. Auch Mischbaumwald und Wärme seien nützlich für die Biodiversität. Dagegen sei auch deutlich geworden, dass die extrem große Dominanz der Buchenverjüngung, wie sie in nutzungsfreien Naturwaldreservaten zu beobachten sei, auf lange Sicht zu einer Artenverarmung führe. Der Forstbetrieb werde deshalb die Buche verstärkt zurücknehmen und dem Erhalt von Mischbaumarten größere Aufmerksamkeit widmen.

    Schließlich sei die am Naturschutz orientierte Bewirtschaftung der Ebracher Staatswälder sowohl für die Wissenschaft als auch für die waldbauliche Praxis ein Gewinn.

    Als Themen für das Symposium 2021 schlugen Teilnehmer die Wahrnehmung von Naturschutzmaßnahmen im Wald in der Gesellschaft, Beispiele für eine Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die praktische forstwirtschaftliche Tätigkeit und Auswirkungen des Klimawandels auf den Waldnaturschutz vor.

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