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    Schweinfurt

    Über drei Jahre Haft für Messerstich

    Drei Jahre und drei Monate muss ein Asylbewerber in Haft, der einen Landsmann mit einem Messerstich im Gesicht verletzt hatte. Er bringt eine Vorstrafe wegen Raub und Körperverletzung mit. Foto: Oliver Berg/dpa

    Anfang Oktober 2018 sitzt der 28-jährige Flüchtling zusammen mit einem anderen Asylbewerber in einem Park nahe der Erstaufnahmeeinrichtung und trinkt Bier. Als sich ein Landsmann mit einer Flasche Wodka hinzugesellt, bittet ihn der Angeklagte um einen Schluck aus der Schnapsflasche. Der wird ihm gewährt – ein zweiter Schluck aber nicht. Daraufhin droht ihm der Angeklagte Schläge an, sollte er ihm den Wodka nicht überlassen. Um seiner Aufforderung Nachdruck zu verleihen, gibt er ihm eine Ohrfeige.

    Ein Stich mit dem Gemüsemesser

    Der Bedrohte zeigt sich jedoch unbeeindruckt und verpasst dem Angeklagten einen Faustschlag gegen den Kopf, wobei dieser eine Platzwunde über der Augenbraue davonträgt. Das will der 28-Jährige nicht auf sich sitzen lassen und versucht am Abend desselben Tages in das Zimmer seines Landsmanns einzudringen, um sich zu rächen. Dort befinden sich nun fünf Leute, die wissen, dass der Angeklagte mit einem relativ kurzen Gemüsemesser in der Hand herumläuft.

    Nach einiger Zeit, als man glaubt, der Angeklagte habe sich verzogen, will einer von ihnen den Raum verlassen, um das Sicherheitspersonal zu verständigen. Da drängt der 28-Jährige sofort ins Zimmer und verpasst einem 31-Jährigen, der die nur einen Spalt geöffnete Tür zudrücken will, mit dem Gemüsemesser einen Vier-Zentimeter-Schnitt an der Oberlippe, die sofort stark blutet. Nicht seinen Kontrahenten aus dem Park hat er erheblich verletzt, so dass der Schnitt genäht werden muss, sondern einen ganz anderen Asylbewerber. Daraufhin setzt der Angeklagte selbst einen Notruf an die Polizei ab. 

    Notruf spricht gegen Tötungsvorsatz

    So weit ist der Sachverhalt beim Prozess vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt ziemlich klar. Es gibt dazu auch ein Teilgeständnis des Angeklagten, der den Messerstich nicht bestreitet, wohl aber die Tötungsabsicht, die ihm die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage vorwirft. Darin geht sie noch von einem Mordversuch aus – nach der Beweisaufnahme aber nicht mehr. Nicht zuletzt der Notruf an die Polizei, den der Messerstecher selbst abgesetzt hatte, spreche gegen einen Tötungsvorsatz, sagt der Staatsanwalt.

    Weil der angeklagte Somalier aber nur zwei Monate nach seiner Einreise zusammen mit einem Landsmann mitten in Schweinfurt einen Mann ausgeraubt und verletzt und dafür 18 Monate im Gefängnis gesessen hatte, ist das neue Delikt aus der Sicht des Staatsanwaltes besonders schwerwiegend. Auch wenn die Schnittverletzung beim Opfer bis auf eine sichtbare Narbe keine schwerwiegenden Folgen hinterlassen habe, beweise diese Tat des Angeklagten nur zwei Monate nach der Haftentlassung dessen "enorme Gefährlichkeit für Leib und Leben anderer". Er fordert für die gefährliche Körperverletzung viereinhalb Jahre Haft.

    Rascher Rückfall nach Haftentlassung

    Der Verteidiger kommt rechtlich zu einem ganz ähnlichen Ergebnis wie der Anklagevertreter, nur nicht beim Strafmaß. Er hält maximal drei Jahre und drei Monate für Tat und Schuld angemessen. Genau so urteilt die Große Strafkammer. Den Willen des 28-Jährigen, sich an seinem Landsmann für den Faustschlag zu revanchieren, kann das Gericht erkennen, nicht aber einen Tötungsvorsatz.   

    Auch die Kammervorsitzende zeigt sich von der kriminellen Energie des Angeklagten beeindruckt: "Keine zwei Monate nach der Haftentlassung diese neue Tat: Ein so rascher Rückfall nach so langer Freiheitsstrafe ist schon außergewöhnlich." Gegen das Urteil ist Revision möglich.

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