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    ALTMANNSDORF

    Umsatzeinbußen durch lange Bauarbeiten

    Während die Neugestaltung des Dorfplatzes in Altmannsdorf einigen zu lange dauert, sagt Bürgermeister Siegfried Ständeck... Foto: Norbert Vollmann

    Seit Monaten schon ist das Ortszentrum im kleinen Altmannsdorf eine Baustelle. Wer ab und zu mal durchs Dorf kommt, sieht, dass es an dieser Baustelle nur zögerlich vorwärts geht. Manchmal arbeiten dort ein paar Leute, dann ist der Dorfplatz wieder menschenleer. Der Platz soll im Zuge der Dorferneuerung umgestaltet werden.

    Karl-Josef Dösch, Eigentümer der Gaststätte „Zum Zabelstein“, gefällt der schleppende Fortgang der Bauarbeiten gar nicht. Seine Gaststätte betreibt er zwar nicht mehr selbst, doch sein Pächter Dominik Lenhard ist sauer. Denn die Gäste können nicht mehr vor dem Haus parken. Dösch spricht von einem Geschäftseinbruch.

    Das ganze Umfeld ist Baustelle

    Seit Beginn der Bauarbeiten würden sich ortsunkundige Gäste nicht mehr trauen, in die Gaststätte zu gehen, weil das ganze Umfeld Baustelle ist. Stattdessen würden sie weiterfahren. Dösch räumt zwar ein, dass hinter der Gaststätte eine private Parkmöglichkeit besteht, doch die sei für Fremde von der Straße aus nicht zu sehen.

    Auch wenn der neue Platz fertig ist, befürchtet Dösch Nachteile. Denn statt der vorher vorhandenen rund 15 Parkplätze würden nur noch vier übrig bleiben. „Das reicht nicht für ältere und gehbehinderte Gäste“, sagt Dösch.

    Mehrmals habe sein Pächter wegen dieser Situation Bürgermeister Siegfried Ständecke zu kontaktieren versucht, doch keine Reaktion erhalten.

    Pächter Dominik Lenhard ergänzt, dass Gäste und Lieferanten bei Regen nur durch Morast ans Gasthaus herankommen. Von einem Gemeindearbeiter hat er erfahren, dass dieser Zustand noch bis September andauern soll. Erst dann soll der Platz befestigt werden.

    Während unter der Woche oft nur ein Gemeindearbeiter vor sich dahin werkle, werde es ausgerechnet am Wochenende lebhafter, wenn die Freiwilligen dazukommen. „Dann möchte meine Gäste aber im Biergarten Ruhe finden“, ärgert sich Lenhard. Außerdem habe die Gemeinde die Maßnahme nicht ordentlich angekündigt, so dass er den Leuten ständig erklären müsse, was hier los sei.

    Altmannsdorfer wollen den Platz

    „Die Zeitdauer der Baumaßnahme ist völlig normal und wäre ohne freiwillig Helfer höchstens noch länger“, sagt dagegen Bürgermeister Ständecke auf Anfrage dieser Redaktion.

    Die Baustelle sei ein Dorferneuerungsprojekt, das die Altmannsdorfer im Dorferneuerungsverfahren selbst angestrebt haben. Und weil die Altmannsdorfer so überzeugt dahinter stehen, finden sich auch immer wieder Helfer, berichtet Ständecke.

    Diese freiwilligen Helfer würden dazu beitragen, dass möglichst viele der Dorferneuerungsprojekte in den Gemeindeteilen verwirklicht werden können. Und was dem Bürgermeister noch viel wichtiger ist, dass diese von der Ortsbewohnern als selbst geschaffen angesehen und gewürdigt werden. „Sowohl in Hundelshausen beim Feuerwehrhaus als auch in besonders anerkennenswertem Maße in Altmannsdorf und Michelau haben in den vergangenen Jahren freiwillige Helfer maßgeblich zum Gelingen der Bauprojekte beigetragen“, sagt Ständecke.

    Konkret meint er in Michelau den Lindenweg, den Gehweg am Bach in der Hauptstraße, den Hirtenbrunnen, das Umfeld des Rathauses und den Kirchenvorplatz. In Altmannsdorf geht es um den Abenteuerspielplatz und jetzt den Lindenplatz.

    Diese freiwilligen Helfer – bisher insgesamt etwa 35 Personen mit über 600 Arbeitsstunden– bekommen für ihre tatkräftige Unterstützung bestenfalls mal eine Brotzeit. Ihre Leistungen werden der Gemeinde im Rahmen des geförderten Dorferneuerungsprogramms mit knapp zehn Euro pro Stunde angerechnet.

    Keine Unterstützung durch Gastronomie

    „Leider ist es in Altmannsdorf so, dass diese sicherlich sehr nötige Dorfverschönerung ausgerechnet von Vertretern der örtlichen Gastronomie weder unterstützt noch begrüßt wird“, klagt Ständecke seinerseits. Das sei ihm völlig unverständlich. Offenbar werde hier nur der kurzfristige eigene Vorteil gesehen.

    Weder die Pächter noch der Besitzer der Gaststätte haben sich – trotz Aufforderung – an der Entwicklung des Projekts beteiligt. Von Anfang an hätten sie nur die Sorge geäußert, dass die Parkplatzsituation vor der Gaststätte nachteilig für sie werde.

    Feuerwehrausfahrt war versperrt

    Ständecke weiter: Bislang versperrten regelmäßig mehrere Fahrzeuge der Gaststättenbesucher die Ausfahrt des Feuerwehrgerätehauses und andere parkten völlig unkoordiniert auf dem ganzen Platz, der an der Oberfläche stark zerklüftet und deshalb nicht mehr verkehrssicher war.

    „Selbstverständlich haben wir uns bemüht, diese Missstände auf dem neu errichteten Platz nicht mehr aufkommen zu lassen. Das hat zwangsweise zur Folge, dass künftig weniger Fahrzeuge auf dem Lindenlatz einen Parkplatz finden werden“, räumt das Ortsoberhaupt ein. In Anbetracht dessen, dass der Besitzer der Gaststätte in unmittelbarer Nähe über einen geeigneten befestigten Platz zum Parken verfügt und darüber hinaus eine beliebig große Fläche am Haus als künftigen Parkplatz anlegen könnte, sei völlig unverständlich, warum ihm das nicht genügen sollte.

    Gäste sollen sich wohlfühlen

    Natürlich habe man gerne Gäste in der Gemeinde. Man wolle aber auch, dass diese einen positiven Eindruck von der Örtlichkeit mitnehmen und vor allem wolle man, dass sich die Ortsbewohner in ihrer Gemeinde wohlfühlen und damit identifizieren.

    Dass das der Fall ist, glaubt Ständecke. Die Linde auf dem Platz sei von einem Ortsbewohner gestiftet worden. Auf dem Platz finden die jährlichen Veranstaltungen des Feuerwehrvereins statt (Lindenfest, Oktoberfest, gegebenenfalls Fasching). Auch die kleine Gruppe, die sich um die Kapelle kümmert (Weihnachts- und Osterfeiern), benutze gerne den angrenzenden Lindenplatz.

    Brunnen entdeckt

    Erst vor wenigen Tagen haben Beschäftigte auf der Baustelle am Rande des Platzes unter einer Betonplatte einen Brunnen entdeckt, der mit Sandsteinen gemauert ist. Er ist 15 Meter tief mit vier Meter Wasserstand. Der Gemeinderat wird laut Ständecke darüber entscheiden, ob dieser Brunnen wieder zur Geltung kommen soll. Ständecke wäre sehr dafür, weil das auch die Wasserprobleme in diesem geografischen Bereich veranschauliche. Das Dorf Zabelstein sei bekanntlich wegen Wassermangels aufgegeben worden.

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