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    ZELL

    Unbeschwerte Kindertage in Gemeinschaft und in der Natur

    „Benny der Löwe“ faucht ins Publikum, hebt bedrohlich die Tatzen und freut sich, als er für seine kleine Darbietung großen Applaus erhält. So groß ist seine Freude, dass er vor Ende der Vorstellung unbedingt noch einmal in die Manege will und sein Fauchen diesmal noch eindrucksvoller gerät.

    Benny ist Teil der Zirkusshow des Zirkus Zellerino, die einige Kinder der „Freizeit für Kids und Teens“, wie die BRK-Stadtranderholung heute heißt, zum Abschluss ihres Aufenthaltes im Georg-Wichtermann-Haus in Zell eingeübt haben, um damit ihre Eltern und natürlich auch das Team, das sie während der Sommerferien betreut hat, zu erfreuen. Dass sie auch selbst hoch erfreut waren während ihrer Tage der Stadtranderholung (manche Eltern haben für ihre Kinder bis zu zwei Wochen gebucht), beweisen selbstgetextete Lieder mit Versen wie „Ein Hoch auf Zell, auf diesen Sommer“ oder „Es war eine richtig coole Zeit“. Andere kleine Artisten präsentieren eine „Pferdedressur“ oder zeigen Karten- und Zaubertricks. Zirkusdirektor Linus Trapp, der einst selbst Stadtranderholungskind war und heute als Betreuer immer noch mit Herzblut dabei ist, kommt gar nicht nach, die sensationelle Einmaligkeit der Nummern anzupreisen.

    Gemeinschaft und Selbstwertgefühl

    Und genau darum geht es. Kinder erleben Gemeinschaft, trauen sich etwas, haben Spaß an Bewegung und in der Natur und sind dabei optimal versorgt. Das Rote Kreuz organisiert als mittlerweile letzter verbliebener Anbieter diese Freizeiten für Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren. 80 bis 120 Kinder werden pro Tag betreut, insgesamt und auf sechs Wochen Sommerferien verteilt, kommen so rund 2700 betreute Ferientage zusammen. 25 bis 30 Ehrenamtliche kümmern sich um die Kinder, dazu Praktikanten von der Sozialakademie und Asylbewerber, die zum Beispiel bei der Essenausgabe helfen, weiß Thomas Lindörfer, Kreisgeschäftsführer des BRK. Er war genauso wie BRK-Vorsitzender Hartmut Bräuer zum abschließenden Familiennachmittag nach Zell gekommen.

    Bräuer betonte, wie wichtig es sei, Eltern, die auch während der Sommerferien arbeiten gehen müssen, dadurch zu entlasten, dass sie ihre Kinder für Tage, eine Woche oder gar zwei tagsüber in guten Händen wissen. Ein Hol- und Bringdienst ermöglicht, dass die Kinder, abgesehen vom dazu buchbaren Übernachtungsfest, die Abende und Nächte zu Hause verbringen. Früh und frisch ausgeruht treffen sie sich in Zell zum Frühstück, um danach unter pädagogischer Anleitung in spannende Abenteuer oder sportliche Aktivitäten aufzubrechen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass dieses Angebot auch im nächsten Jahr wieder gemacht werden kann“, betonte Bräuer.

    Niemand vermisst Handy oder Fernsehen

    Die gute Seele im Georg-Wichtermann-Haus war auch heuer wieder Erzieherin Kristin Bausewein, die seit rund zehn Jahren die Leitung des Betreuerteams innehat und dafür ihren Urlaub opfert. Genauso wie Philipp Bausewein, der ebenso zum Leitungs-Trio gehört, beobachtet sie, wie die Kinder während ihrer Ferientage in Zell förmlich aufleben. „Das Handy bleibt zuhause, hier oben haben wir sowieso keinen Empfang.“ Auch einen Fernseher gibt es nicht. Das verblüffende ist: „Kein Kind vermisst die Medien.“ Das Lagerleben, die sozialen Strukturen, die vielen Mitmach- und Bewegungsangebote – all das ist viel zu spannend.

    Aus manchem Ferienkind wird ein Jungbetreuer

    Großer Wert wird darauf gelegt, den Kindern zu vermitteln, dass alle gleich sind. Migrationshintergrund oder ein Handicap spielen keine Rolle, wenn zum Beispiel zu einer Wanderung aufgebrochen wird. Die Kinder helfen sich gegenseitig, Größere unterstützen die Kleineren, die sozialen Strukturen ergeben sich sozusagen von alleine. Kinder sind da wesentlich unkomplizierter als mancher Erwachsene. Sind die Ferientage vorbei, gibt es bei vielen Kindern Abschiedsschmerz. „Hoffentlich ist bald wieder Zell“, freuen sie sich schon aufs nächste Jahr und sind dabei nicht alleine – denn auch manchem Betreuer, der schon als Ferienkind dabei war, ergeht es so.„Wir nehmen die Kinder so wie sie sind“, erklärt Kristin Bausewein. Und genau das genießen die Kinder, einfach sie selbst und doch in Gemeinschaft zu sein.

    Die Schule und der Alltag sind wieder eingekehrt im Leben der Kinder. Gut möglich, dass manches Kind sich aber schon Gedanken darüber macht, was es wohl nächstes Jahr im „Zirkus Zellerino“ alles zu sehen geben wird.

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