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    Schweinfurt

    Unbeschwerte ansteckende Lebensfreude

    Die finnische Sängerin Tuija Komi begeisterte beim Fest der Sommersonnenwende im Augustinum
    Die finnische Sängerin Tuija Komi gastierte mit ihrem Trio im Augustinum. Foto: Tuija Komi

    Heiter und mit Fantasie feierten die Bewohner des Schweinfurter Augustinums am Freitag ausgiebig die Sommersonnenwende: Schon am Nachmittag mit einer fröhlichen Gartenparty, bei der neben Spiel, Essen und Trinken besonders das Kennenlernen des Lakritzlikörs, der Gummistiefel-Weitwurf und das kunstvolle Knüpfen von Blütenkränzen an die großen Mittsommer-Feste der skandinavischen Länder erinnerte. Für den Abend hatte Kulturreferentin Erna Rauscher noch eine besondere Überraschung parat: In einem sommerlich-beschwingten Konzert gastierte die finnische Sängerin Tuija Komi mit ihrem Trio.

    Wer bei einem Finnland-Urlaub schon einmal die Faszination der Mitternachtssonne erlebt hat, die Himmel und Erde in ein tiefes Orange-Rot taucht, versteht schnell die Begeisterung der finnischen Sängerin und Wahlmünchnerin, wenn sie mit leuchtenden Augen Songs aus Finnland und dem Nachbarland Schweden singt. Sie erzählen von unbeschwerter Lebensfreude, manchmal mit einem Schuss Melancholie. Tuija Komi  beginnt mit der Eigenkomposition "Land of the midnight sun", einer liebevollen Hommage an ihre Heimat. Mit ihrer klaren, warmen und kraftvollen Stimme stellt sie allein die Melodie vor, bevor die versierte und aufmerksame Band aus Stephan Weiser (Piano), Peter Cudek (Bass) und Martin Kolb (Schlagzeug) mit einem fröhlichen Baiao-Rhythmus einsetzt.

    "Diese Frau muss einfach singen", denkt man als Zuhörer schon nach kurzer Zeit. Das bestätigt sich, wenn man erfährt, dass Tuija Komi nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre 1992 für ein Praktikum nach Deutschland kam, später als Projektmanagerin in der IT-Branche arbeitete, 2006 dort kündigte und sich mit 37 Jahren als Sängerin selbständig machte. "Mutig? Das musste einfach sein, mein Herz schlägt nun einmal für Musik und Gesang", bringt es Tuija auf den Punkt, die heute als Sängerin, Songwriterin und Gesangspädagogin arbeitet.

    Raffinierte Klangmalerei von Piano, Bass und Schlagzeug

    Eine Hymne an die Kraft der Musik intoniert sie mit Abbey Lincolns "The music is the magic of a secret world". Hier wird endgültig klar, dass die elektronische Aufrüstung des Schlagzeugs mit mehreren Mikrofonen und Verstärker ein kapitaler Fehler ist. Nicht nur in Komis Version vom "Pippi Langstrumpf-Song", dessen Melodie sie mit zarter Stimme vorträgt. Die geht genauso in den lauten Trommelschlägen unter wie die folgenden Piano-Improvisationen von Stephan Weiser.

    Dieses Zuviel an Lautstärke gilt besonders für  "Gabriellas Song" aus dem schwedischen Film "Wie im Himmel". Hier besingt Komi eindrucksvoll und beseelt die Befreiung der Chorsängerin Gabriella von ihrem gewalttätigen Ehemann. "Jetzt gehört mein Leben mir, ich will spüren, dass ich lebe." Auch "Suru" (Trauer) ist solch ein emotionaler Song, den die Sängerin behutsam gestaltet. "Wenn die Trauer an deine Tür klopft, lass sie ruhig ein und bewirte sie", zitiert Komi aus dem Liedtext.

    Fröhlich und voller Lebensfreude aber endet das Konzert: Eine raffinierte Klangmalerei von Piano, Bass und Schlagzeug gaukelt zu Beginn die Weite des verschneiten Lapplands vor. Dann ist es plötzlich da, das "Tanzende Rentier". Voll komödiantischem Übermut, mit ausdrucksvoller Gestik und verschmitztem Lächeln erzählt die Power-Frau Tiuja Komi von dessen Abenteuern. Langer begeisterter Applaus für die Gäste aus München.

    Erna Rauscher bedankt sich bei ihnen mit fränkischem Honig, Gerd Müller, Vorsitzender des hiesigen Bezirksvereins der Deutsch-Finnischen Gesellschaft, mit "eingefangenem Sonnenschein" in Bocksbeuteln.

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