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    Schweinfurt

    Unser Plastikmüll: Nicht nach China und nicht ins GKS

    Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von knapp 40 Kilogramm Plastikmüll wird die Entsorgung immer schwieriger. Stadt und Landkreis Schweinfurt haben noch keine großen Probleme. 
    Im Jahr 2018 sammelte das duale System im Landkreis Schweinfurt 3964 Tonnen Plastik ein. Foto: Ulrich Wagner

    Malaysias Umweltministerin Yeo Bee Ying schaffte es am Montag in die Weltnachrichten. Der für seine Strände, Regenwälder und vielfältigen kulturellen Einflüsse bekannte südostasiatische Staat schickt 150 Container illegal exportierten Plastikabfalls aus Frankreich, Großbritannien, USA, Kanada, Spanien und weiteren acht Staaten an die Ursprungsländer  zurück, denn "Malaysia ist nicht die Müllhalde der Erde", so die Ministerin. Deutschland – nach den USA und Japan der drittgrößte Plastikabfallexporteur der Welt – ist diesmal nicht dabei. In den 150 Containern lagern 3837 Tonnen Plastik, also ziemlich genau die Menge, die im Landkreis Schweinfurt über den gelben Sack (oder Tonne) im Jahr 2018 eingesammelt wurde (3964 Tonnen).

    Recyclingquote unter 20 Prozent

    Seit China im Frühjahr 2018 die Annahme von Plastikmüll stark beschränkt hat, wachsen auch in Deutschland die Probleme bei der Entsorgung von Plastikmüll. Lagerflächen fehlen und die Wiederverwertung ist erst im Aufbau: nur 16 Prozent der Altkunststoffe werden laut "Plastikatlas" (erstellt durch Bund Naturschutz und Heinrich-Böll-Stiftung) für neue Produkte verwendet. Der Rest landet in den Verbrennungsöfen oder wird ins Ausland verschifft.

    Dass der Landkreis und die Stadt Schweinfurt noch keine großen Probleme haben oder gar einen Notstand ausrufen müssen, erklären Thomas Fackelmann (Sachgebietsleiter der Abfallwirtschaft im Landkreis) und  Axel Meffert (Leiter des städtischen Servicebetriebs Bau und Stadtgrün) mit den bestehenden Verträgen mit dem Dualen System Deutschland (DSD – Der Grüne Punkt).  

    Problem bei den Sotieranlagen

    Die hochwertigen und stofflich wiederverwertbaren Kunststoffe gehören in der Stadt wie auch im Landkreis in den gelben Sack oder in die gelbe Tonne. Zumindest für die Verwertung der Verpackungen hat der Bürger bereits beim Kauf der Ware mit dem Grünen Punkt bezahlt. Diese Kunststoffe werden eigens gesammelt und zu speziellen Sortieranlagen gebracht, bei denen jetzt die Probleme aufschlagen, so Fackelmann: "Denen fehlen die Abnehmer". 

    Ein Blick in den Müllbunker des GKS. Foto: Gerd Landgraf

    Der größte Teil des restlichen Plastikmülls aus den Haushalten wandert in der Stadt und im Landkreis in den Hausmüll und wird im Gemeinschaftskraftwerk am Schweinfurter Hafenbecken verbrannt. Dieser kurze Weg sei weitaus sinnvoller als jeder Transport durch halb oder ganz Europa, wobei das Plastik ziemlich sicher auch irgendwann in einer Verbrennung lande, so Fackelmann.  

    Engpässe hat Fackelmann bislang auch nicht beim gewerblichen Plastikabfall im Landkreis ausgemacht. Allerdings steigt das Aufkommen bei den gemischten Siedlungsabfällen, was an einem höheren Plastikanteil, aber auch an der florierenden Wirtschaft liegen kann. Aussagekräftige Untersuchungen dazu gibt es nicht – auch nicht zu den höheren Aufkommen beim Sperrmüll und beim Hausmüll.

    Sortenreine Sammlung auf den Recyclinghöfen

    Sortenrein werden Kunststoffe auf den Recyclinghörfen des Landreises und der Stadt gesammelt. Von dort werden diese "der Wiederverwertung zugeführt", so Axel Meffert.  

    Im GKS sieht man die wachsenden Müllmengen aus zwei Städten (Aschaffenburg und Schweinfurt) sowie sieben Landkreisen (Schweinfurt, Miltenberg, Main-Tauber, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld, Haßberge und Aschaffenburg) mit Sorge. Bereits 2018 konnte man von den angelieferten 200 000 Tonnen Hausmüll 20 000 Tonnen nicht auf den eigenen Rosten verbrennen und musste diese an andere Anlagen abgeben. Zwar nimmt das GKS keinen reinen Plastikabfall an, doch auch im Hausmüll wird wohl immer mehr davon mitverbrannt.

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